Mehr als ein Jahrzehnt war Finja Schaake für den BC Marburg aktiv. Künftig geht die Top-Basketballerin in Niedersachsen auf Korbjagd – doch ihr Wechsel hat keinen sportlichen Hintergrund.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Finja Schaake über ihren Abschied vom BC Marburg

Schaake am Ball
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277 Erstliga-Spiele: Vereinsrekord. 32 Pokalspiele: Vereinsrekord. Inklusive Europapokal insgesamt 325 Einsätze im Trikot des BC Marburg – auch das ist, na klar: Vereinsrekord. Finja Schaake, so drückte es neulich Vereinspräsident Oliver Pohland aus, ist das Gesicht des Damen-Basketball-Bundesligisten (DBBL) aus Mittelhessen. Beziehungsweise: Sie war es. Nach sage und schreibe elf Jahren am Stück endet Schaakes Ära beim BC in diesem Sommer. Die gebürtige Marburgerin verlässt den Verein und spielt künftig für Ligakonkurrent TK Hannover.

"Ich hätte selbst auch nicht gedacht, dass ich das mal erleben werde. Aber manchmal kommt es eben anders", sagt die 27-Jährige im Gespräch mit dem hr-sport – und schiebt mit einem Lachen hinterher: "Es ist komisch. In meinem Kopf ist das noch gar nicht richtig angekommen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie es sein wird." Bis zu ihrem Umzug in ein paar Wochen trifft sich Schaake in diesen Tagen mit möglichst vielen Freunden. Statt einer großen Abschiedsfeier gibt es Lebewohl-Grüße mit Abstand. Corona macht die Reise von der Lahn an die Leine zusätzlich zu einer Herausforderung.

Finja Schaake: eine gefragte Lehrerin – in Niedersachsen

Ihr Wechsel von Marburg nach Hannover ist alles andere als sportlicher Natur. Im Mai hat Schaake ihr zweites Staatsexamen bestanden, seitdem ist sie eine gefragte Gymnasiallehrerin – zumindest in Niedersachsen. Das rasche Angebot für eine Beamtinnenstelle sei eines gewesen, das sie nicht habe ablehnen können. "Ich hatte gehofft, dass in Hessen etwas geht. Es wäre vielleicht auch etwas gegangen, hätte ich mich mehr dahinter geklemmt", sagt Schaake.

Allerdings: Das Verfahren zur Vergabe von Beamtinnenstellen sei in Hessen "nicht ganz so durchsichtig. Man weiß nicht, an welcher Position man steht". Anders ist das in Niedersachsen, wo Stellen und Schulen konkret ausgeschrieben werden. "Aber dass es so schnell klappt, hätte ich nicht gedacht", erzählt die Lehrerin, die allein wegen ihrer Fächerkombination Chemie, Englisch und Sport ein Glücksgriff für zahlreiche Gymnasien in ganz Deutschland sein dürfte, von ihren Bewerbungen.

"Das System ist so"

Ärger darüber, dass sie ihre Heimat des Berufes wegen verlassen muss, gibt es nicht. "Ich war für alles offen und freue mich auf das Neue." Die Diskussion, ob Leistungssportlerinnen wie sie, die parallel auch noch einem Vollzeit-Job nachgehen, in Deutschland nicht doch irgendwann mal besser gefördert werden müssten, sieht die 27-Jährige daher auch als "Endlos-Debatte: Das System ist so, da kann man leider auch nicht viel machen".

Und trotzdem: Zumindest für die nächsten drei Jahre, vorher ist eine Rückkehr Schaakes in ihre Geburtsstadt wegen der Verbeamtung ausgeschlossen, verliert Hessen nicht nur eine sehr gut ausgebildete Lehrerin – sondern auch eine von Deutschlands Top-Basketballerinnen. In ihren 325 Spielen für den BC Marburg kam die Forward auf 2.825 Punkte sowie 296 Drei-Punkte-Würfe.

Getoppt wird diese persönliche Bilanz nur durch das Abschneiden des gesamten Clubs in den vergangenen Jahren: "Wir haben immer oben mitgespielt und waren bis auf die letzte Saison immer in den Play-offs." Finja Schaake und der BC Marburg, elf Jahre lang war es eine absolute Erfolgsgeschichte.

DBBL-Saison startet erst Ende Oktober

An ihrer mittelhessischen Heimatstadt wird die 61-malige Nationalspielerin vor allem das familiäre Umfeld vermissen, das sie sich in vielen Jahren durch die Kontakte in Schule, Uni und vor allem in der Sporthalle Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg aufgebaut hat. Ihr erstes Bundesliga-Spiel für den BC absolvierte sie am 3. Oktober 2009. Die damals 17-Jährige war zu dieser Zeit mit einer Doppellizenz ausgestattet, in den ersten Jahren spielte sie parallel für ihren Stammverein in Grünberg.

Am dortigen Basketball-Internat konnte sie noch vor dem Unterricht oder in Freistunden trainieren und so Schule und Sport optimal unter einen Hut bekommen. Gleiches sollte später für Vorlesungen, Seminare sowie das Referendariat gelten. "Ich hatte hier immer beste Bedingungen. Der Verein hat mir super viel gegeben, ohne die Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen." Wann es zu einem Wiedersehen mit den ehemaligen Mitspielerinnen kommt, ist noch unklar. Wegen Corona startet die neue DBBL-Saison nicht vor dem 24. Oktober. Ab dann aber hat Finja Schaake Zeit für den einen oder anderen Vereinsrekord – nun eben in Hannover.