Szene aus einem Spiel zwischen Gießen und Frankfurt

Sollte die Basketball-Bundesliga noch später in die neue Saison starten? Bei den Gießen 46ers hat man dazu eine klare Meinung. Sorgen bereiten in Mittelhessen nicht nur die Pandemie, sondern auch der drohende Termindruck.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 46ers-Sportdirektor Koch: "Vorfreude ist gedämpft"

Mike Koch
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Die wichtigste Botschaft packt Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch in zehn simple Worte. "Wir gehen fest davon aus, dass wir am Wochenende spielen." Konkret bedeutet das: Aus Sicht der Gießen 46ers steht einem Start in die neue Saison der Basketball-Bundesliga nichts im Weg. Das Auftaktmatch gegen den Mitteldeutschen BC (Samstag, 18 Uhr) kann kommen.

Klingt selbstverständlich, ist es im Pandemie-Jahr 2020 aber nicht. Erst am vergangenen Wochenende hatte sich Gunnar Wöbke, Geschäftsführer der Skyliners Frankfurt, für eine erneute Verschiebung des Saisonstarts in den Dezember hinein starkgemacht.

"Aus meiner Sicht müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, ob wir nicht den Start des Spielbetriebs aufgrund der im Moment explodierenden Corona-Zahlen nach hinten verschieben und dann in Abhängigkeit der Zahlen entscheiden, wann es genau losgeht", sagte Wöbke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Profisport muss im November ohne Fans auskommen

Sein Vorschlag: den fürs kommende Wochenende geplanten Rundenbeginn "mal mindestens um vier Wochen" verlegen. Auslöser für diesen Vorstoß dürften auch die kurz zuvor von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Schutzmaßnahmen gewesen sein. Egal ob Basketball, Fußball oder Handball: Im November gilt in den deutschen Profisport-Arenen ein Zuschauerverbot.

In Gießen sind die Frankfurter Einlassungen freilich auch zur Kenntnis genommen und besprochen worden, wirklich warm wird man in Mittelhessen mit den Ansichten der Skyliners allerdings nicht. "Was würden wir denn dann mit den Spielern machen?", wirft 46ers-Chef Koch im Gespräch mit dem hr-sport die Frage auf, wie sich sein Club im Falle einer erneuten Verschiebung zu verhalten habe.

"Gehen sie in Kurzarbeit? Bezahlen wir sie weiter, ohne dass sie spielen? Das ist nicht möglich. Wir müssten also wieder Kurzarbeit machen." Und zwar eine 100-prozentige, wie Koch vorrechnet. "Dann müssten wir unsere Spieler zwar nicht bezahlen, sie dürften aber auch nicht trainieren. Irgendwann trainieren sie wieder und sollen innerhalb von einer Woche wieder spielen – auch das ist nicht möglich."

"Man muss jetzt ins kalte Wasser springen"

Bei den Gießen 46ers vertreten sie deshalb die Meinung: Loslegen ist besser als nicht loslegen. "Es wäre auch sehr kurzfristig, die Planungen jetzt noch einmal über den Haufen zu werfen", sagt Koch, der bereits einen drohenden Termindruck am BBL-Horizont aufkommen sieht. "Aufgrund der Engmaschigkeit des Spielplans muss man jetzt ins kalte Wasser springen."

Sollte der Pandemieverlauf es zulassen, werden die – ebenfalls verschobenen – Olympischen Sommerspiele in Tokio eine Art Zeitbarriere sein. Spätestens Mitte Juni kommenden Jahres muss die Saison einen Abschluss gefunden haben, ab dann geht der Fokus auf die internationale Basketball-Welt. Mitte Juni, das ist auch die Deadline für alle eventuellen Nachholspiele, für die bei Corona-Infektionen und Quarantänemaßnahmen in den Clubs Termine zu finden sind.

"Das ist schon alles sehr zerbrechlich", sagt Gießens Geschäftsführer und Sportdirektor Koch. Im Vorfeld des ersten Spiels gegen den MBC wurde sein Team am Dienstag auf das Virus getestet, ein zweiter Test steht am Donnerstag an.

Corona-Fälle in Berlin, Bayreuth – und Gießen

Bei den Bundesligisten Berlin und Bayreuth hat es bereits Corona-Fälle gegeben – genauso wie im Pro-B-Team der 46ers, das sich deshalb seit dieser Woche in einer 14-tägigen häuslichen Isolation befindet. "Es wird nicht an allen vorüber gehen, man kann nicht die Augen davor verschließen", sagt Koch.

Dabei wollen die Gießener genau wie alle anderen Clubs nur eins: Basketball spielen, am liebsten natürlich vor Zuschauern. Was sie spätestens im Laufe der Runde auch müssen. Ohne die entsprechenden Einnahmen ist der Betrieb finanziell nicht zu stemmen.

"Alle sind heiß, brennen auf den Start, wollen vor Publikum spielen", so Koch. "Wir sind ja keine Kühlschrank-Fraktion, sondern leben von Emotionen, davon, dass die Halle voll ist." Dass die Saison am Wochenende zumindest mal starten soll, erscheint da in der Tat wie eine wichtige Botschaft.