Gunnar Wöbke

20 Jahre Skyliners Frankfurt – eine Geschichte, die eng mit Gunnar Wöbke verbunden ist. Im Interview spricht der Geschäftsführer über sportliche Highlights, Visionen und den Traum von weiteren Titeln.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Skyliners Frankfurt feiern 20-jähriges Jubiläum

Basketball
Ende des Audiobeitrags

Die Bundesliga-Basketballer der Skyliners Frankfurt feiern in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Zu den größten Erfolgen zählen der Pokalsieg 2000, die Deutsche Meisterschaft 2004 sowie der Triumph im Europe Cup 2016. All das und noch mehr feiern die Skyliners am Samstag (31. August) mit einer "Big Party" in der Frankfurter Innenstadt. Alle wichtigen Infos finden Sie auf der Internetseite des Clubs. Mehr dazu sehen Sie auch in heimspiel! am Samstag im hr-fernsehen ab 17.15 Uhr.

hessenschau.de: Herr Wöbke, mit allen Höhen und Tiefen: Wie haben Sie die ersten 20 Jahre mit den Skyliners Frankfurt erlebt?

Gunnar Wöbke: Es waren natürlich ganz viele unfassbar emotionale Momente dabei. Im ersten Jahr haben wir direkt den Pokal gewonnen. Richtig eingebrannt haben sich aber der Gewinn der Deutschen Meisterschaft und der Europapokal-Sieg. Sehr schön ist es aber auch, dass wir das Ziel, in der Rhein-Main-Region Basketball für alle anzubieten, umgesetzt haben und nun schon Kinder von hier Nationalspieler oder NBA-Profis werden. Das ist auch weiter eine große Motivation für uns.

hessenschau.de: 1999 haben Sie für den TV Rhöndorf einen neuen Standort gesucht. Erst war Köln im Gespräch, dann kam Frankfurt ins Spiel. Wie lief das damals ab?

Weitere Informationen

Zur Person Gunnar Wöbke

Gunnar Wöbke (Jahrgang 1967) war bereits Manager beim TV Tatami Rhöndorf, dem Vorgänger der Skyliners. Er organisierte den Umzug des Teams nach Frankfurt und ist seit deren Gründung 1999 geschäftsführender Gesellschafter.

Ende der weiteren Informationen

Wöbke: Es war damals klar, dass der Standort in Rhöndorf alleine nicht überlebensfähig ist. Wir wollten daher einen neuen finden und in Rhöndorf nur zweite Liga spielen. Damals befand sich die Kölner Arena im Bau. Auch die Arena in Oberhausen ist an uns herangetreten und wollte, dass wir dort spielen. Frankfurt war dann aber der Standort, bei dem es am besten funktioniert hat und wo der größte Wille da war. Wir haben gemerkt: Die Stadt und die Leute würden gerne ein Erstliga-Team haben. Deswegen haben wir gesagt, dass es in Frankfurt am meisten Sinn macht.

hessenschau.de: Was waren die größten Startschwierigkeiten?

Wöbke: Das Wichtigste war zum Start, eine überlebensfähige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wir sind ohne Hauptsponsor gestartet und hatten zwei Investoren, die das Geld zur Verfügung gestellt haben. Die Bedingung war aber, dass wir innerhalb eines Jahres einen Hauptsponsor präsentieren, was wir zum Glück geschafft haben. Wir mussten aber auch das Organisatorische erledigen – und das nur mit drei Mann.

Dazu hatten wir einen neuen Trainer und eine neue Mannschaft. Da musste sehr viel erledigt werden. Dabei haben uns zum Glück viele Leute geholfen. Von Anfang an haben wir zudem enorm viel in die Jugendarbeit investiert. Das alles so aufzubauen, war, wie wenn man ein neues Unternehmen aufbaut. Da sagt man auch: Bis alles läuft, dauert es sieben Jahre. Bei uns ging es schneller. Im Endeffekt haben wir es aber nur durch die großartige Unterstützung hinbekommen.

hessenschau.de: Im Rhein-Main-Gebiet gibt es für Fans ein großes Angebot an Profi-Sport. Wie schwer war es, sich als Basketball-Club zu etablieren?

Wöbke: Vorab gilt: Je mehr Leute sich für Sport interessieren, desto besser. Aus meiner Sicht leben in der Rhein-Main-Region auch genügend Menschen, die man im Blick haben muss. Ich sehe da auch gar keine Konkurrenz unter den Sport-Teams. Da kann das eine das andere befruchten. Es ist eher so, dass es enorm viele andere Freizeitmöglichkeiten gibt. Mit denen steht man viel eher in Konkurrenz. Mit den anderen Vereinen ist das Verhältnis sehr vertrauensvoll.

hessenschau.de: Wo wollen Sie mit den Skyliners sportlich hin?

Wöbke: Wir wollen grundsätzlich immer das Beste aus uns rausholen und jedes Spiel gewinnen, wir sind Kämpfer. Dafür müssen wir uns ständig weiterentwickeln und uns natürlich auch ständig an sich verändernde äußere Rahmenbedingungen anpassen. Das betrifft auch unsere in die Jahre gekommenen Spiel- und Trainingsinfrastruktur. Wir waren der erste Basketball-Club Deutschlands mit einem eigenen Trainingszentrum und hatten die zweitbeste Spiel-Halle, heute haben uns viele Standorte überholt. Dadurch sind wir in unseren Möglichkeiten mittlerweile stark limitiert.

Wir haben eine sehr hohe Kompetenz und eine noch bessere Club-Kultur, darauf bin ich sehr stolz. Aus diesem Grund waren wir immer wettbewerbsfähig und haben sogar mit deutlich weniger Geld als viele unserer Mitbewerber Titel geholt. Aber natürlich ist auch eine gewisse Grundstruktur notwendig, um mit den anderen mitzuhalten. Da sich der Standort Frankfurt beim Thema Spielstätte in den letzten 20 Jahren leider kein bisschen weiterentwickelt hat, sind unsere Chancen, Titel zu holen, Jahr für Jahr gesunken.

hessenschau.de: Das ist eine Aufforderung an die Stadt Frankfurt, beim Thema Multifunktionsarena endlich vorwärts zu kommen.

Wöbke: Das stimmt. Es haben, glaube ich, mittlerweile alle erkannt, dass das notwendig ist. Denn sonst wird es uns bald nicht mehr geben und die Löwen (Eishockey-Zweitligist; d. Red.) werden niemals aufsteigen. Zum Glück sieht es jetzt ja diesbezüglich sehr positiv aus.

hessenschau.de: Haben Sie eine Vision, wohin Sie mit den Skyliners wollen?

Wöbke: Das kann man eigentlich relativ leicht formulieren: Wir wollen permanent um nationale und europäische Titel spielen. Dazu wollen wir die EuroLeague gewinnen. Das ist der einzige Wettbewerb, den wir noch nicht gewonnen haben. Mindestens genauso wichtig ist uns aber natürlich, dass sich alle unsere Mitarbeiter und Spieler weiterentwickeln und wir unseren Nachwuchs fördern und die Schulprogramme weiter ausbauen.

hessenschau.de: Kommen wir zum Schluss noch zur Basketball-Nationalmannschaft. Wie schätzen Sie die Chancen der DBB-Auswahl bei der WM in China ein?

Wöbke: Das ist für mich schwer zu beurteilen. Wir wünschen ganz viel Erfolg und freuen uns sehr, dass Spieler, deren Weg wir mit begleitet haben – also Danilo Barthel, Johannes Voigtmann und Isaac Bonga – nun zur absoluten Elite gehören. Es wäre eine ganz tolle Geschichte für die Jungs, wenn sie es schaffen, das Ticket für Olympia zu lösen.

Das Gespräch führte Patrick Stricker.