Lange Gesichter bei den Skyliners Frankfurt

Die Skyliners Frankfurt sind zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus der Basketball-Bundesliga abgestiegen. Zwar gibt es noch die Hoffnung auf eine Wildcard, die Aufarbeitung der Saison hat aber bereits begonnen.

Audiobeitrag

Audio

46ers-Pleite besiegelt Skyliners-Abstieg

Die Spieler der Gießen 46ers sind enttäuscht.
Ende des Audiobeitrags

Das war es dann also. Was sich seit Wochen abgezeichnet hat, ist nun traurige Gewissheit: Die Skyliners Frankfurt sind zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1999 sportlich aus der Basketball-Bundesliga abgestiegen. Zwar besteht noch die Möglichkeit, dass die Hessen dank einer Wildcard auch in der kommenden Saison im Basketball-Oberhaus antreten, die Probleme, die zum sportlichen Abstieg geführt haben, müssen aber in jedem Fall aufgearbeitet werden.

Fehlende Konstanz im Kader

Die Skyliners haben bei der Kaderzusammenstellung zu oft danebengegriffen. Geschäftsführer Gunnar Wöbke nannte jüngst im Podcast von Magentasport Point Guard Donovan Donaldson einen Fehleinkauf, den die Frankfurter im Februar schon wieder abgaben. Der US-Amerikaner ist aber nicht der einzige, der hinter den Erwartungen zurückblieb.

Einen richtigen Schützen von außen, einen Shooting Guard, der den Namen auch verdient, haben die Skyliners bis heute nicht in ihren Reihen. Einen echten Spielmacher bekamen sie erst mit Nachverpflichtung Will Cherry, einen Center, wenn man ihn denn so nennen möchte, erst mit der Nachverpflichtung von Jamel McLean. Brooks de Bisschop ist seine Bundesliga-Tauglichkeit schuldig geblieben. Matt Haarms deutete zwar hin und wieder sein Potential an, dem 2,21-Meter-Mann fehlte es allerdings an Konstanz.

Wo war die Entwicklung?

Das war zum Beispiel auch das Problem von Len Schoormann. Der 19-Jährige kam nach überstandener Verletzung eigentlich ganz gut in die Saison, musste dann aber zu viel Verantwortung für sein Alter übernehmen und fiel schließlich in ein Loch. Beim Sieg in Oldenburg am 31. Spieltag kam er überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Einen Vorwurf ist dem jungen Mann dabei aber nicht zu machen.

"Unsere Club-DNA ist, dass wir Spieler entwickeln müssen aus der Region", sagte Wöbke bei Magentasport. Das gelang den Skyliners in dieser Spielzeit aber überhaupt nicht. Klar, mit Bruno Vricic und Richard Freudenberg fehlten den Frankfurtern zwei junge Hoffnungsträger verletzungsbedingt die ganze Saison, aber dass bei nicht-regionalen Talenten wie einem Lukas Wank (25) oder einem Lorenz Brenneke (22) auch keine wirkliche Entwicklung zu sehen war, spricht nicht gerade für das Konzept der Hessen – geschweige denn den Trainer.

Zu hartes Training

Es war vielleicht ein mutiger Schritt, mit Diego Ocampo einen Coach nach Frankfurt zu holen, dem zwar die große Erfahrung als Head-Coach fehlte, dem aber ein Händchen mit jungen Spielern nachgesagt wurde. Im Nachhinein betrachtet war es der falsche Schritt. Ocampo ist seinen Vorschusslorbeeren nie gerecht geworden.

Statt schnellen, aufregenden Team-Basketball zu spielen, war das Spiel der Skyliners über weite Strecken der Saison absolut statisch. Das harte Training des Spaniers führte Anfang des Jahres zu einigen Muskelverletzungen, erzählte Wöbke. Auch das konnten die Hessen im Abstiegskampf überhaupt nicht gebrauchen.

Der Abstieg ist kein Zufallsprodukt

Es gibt viele Entschuldigungen dafür, warum so viele Sachen schief gelaufen sind in dieser Saison: Verletzungspech, Corona, weniger Sponsorengelder, neuer Trainer… Es wäre aber zu einfach, den Abstieg als Ergebnis einer Vielzahl unglücklicher Begebenheiten abzustempeln. "Das hätte schon letzte Saison so kommen können. Da haben wir aber die Kurve rechtzeitig bekommen", gestand Wöbke.

Die Skyliners nehmen eine Saison wie diese in Kauf. Die oberste Vereinsprämisse ist es, junge Spieler zu entwickeln. "Und wenn du dafür riskierst abzusteigen, dann ist das so", sagt der Geschäftsführer. Auf der anderen Seite dürfen die Frankfurter aber nicht zur Fahrstuhlmannschaft werden. "Das kann und sollte nicht der Anspruch sein. Das würden auch unsere Zuschauer nicht goutieren."

Neue Strukturen nicht wieder einreißen

Um genau das zu vermeiden, müssen die Skyliners an ihren Strukturen arbeiten. Die gute Nachricht ist: Sie haben bereits vor dieser Saison damit begonnen. Mit Yannick Binas haben die Frankfurter einen zweiten Geschäftsführer eingestellt, mit Marco Völler endlich einen Sportdirektor, auch wenn der offiziell Manager Sport heißt. Es wäre fatal, wenn die Hessen dieses neue Gerüst im Hintergrund aus Geldnöten gleich wieder einreißen würden.

Die Skyliners müssen es nicht nur schaffen, junge Spieler zu entwickeln, sondern eben auch ein attraktiver Standort für Talente zu sein. Und zwar so attraktiv, dass diese Talente dann auch den zweiten oder dritten Entwicklungsschritt bei den Frankfurtern machen wollen. Schaffen sie das nicht, droht ihnen genau das Schicksal, das Wöbke auf jeden Fall vermeiden will: Die Skyliners könnten zur Fahrstuhlmannschaft werden.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen