Will Cherry im Einsatz auf dem Spielfeld. Er und sein Kontrahent springen in die Höhe vor dem Korb.

Die Skyliners Frankfurt haben sich nach schwachem Saisonstart ins Tabellenmittelfeld vorgekämpft. Einen großen Anteil an der Trendwende hat Neuzugang Will Cherry.

Die Skyliners Frankfurt haben einen wahren Albtraumstart in die Bundesliga-Saison hingelegt. Nicht nur, aber auch weil sie ihre ersten fünf Saisonspiele verloren. In Berlin (63:101) und von den Bayern (50:78) wurden die Skyliners regelrecht vermöbelt. Hinzu kamen Verletzungen von Leistungsträgern wie Kapitän Quantez Robertson und erhofften Leistungsträgern wie Len Schoormann oder Bruno Vrcic.

Die Folge: Die Skyliners belegten seit dem ersten Spieltag einen Abstiegsplatz. Ein Zustand, der sich erst am vergangenen Wochenende, am 9. Spieltag änderte. Mit dem dritten Sieg in den vergangenen vier Spielen katapultierten sich die Hessen auf den 13. Tabellenrang vor. Aber wie haben sie das genau geschafft?

Cherry braucht keine Anlaufzeit

Die Frankfurter haben auf ihre Verletzungsmisere reagiert und auf den kleinen Positionen noch zweimal nachgelegt: Schon relativ früh in der Saison wechselte Brancou Badio aus Spanien an den Main, Ende Oktober – und damit just vor dem Beginn der Frankfurter Siegesserie – folgte Will Cherry aus Israel. Insbesondere der US-Amerikaner entpuppte sich bisher als absoluter Glücksgriff.

Der 30 Jahre alte Cherry ist das, was den Skyliners zuvor gefehlt hat: ein echter Aufbauspieler. Einer, der das Spiel liest, das Tempo bestimmt und den Druck von den jungen Kerls nimmt. Der Kalifornier hat von Anfang an eine Leader-Rolle im Team übernommen, hat bislang nur ein einziges Spiel unter seinen Möglichkeiten gespielt: Bei der Niederlage gegen Bamberg erzielte er magere vier Punkte, gab drei Assists und schnappte sich zwei Rebounds.

Erfahrung war nötig

In seinen übrigen drei Partien im Skyliners-Jersey punktete Cherry stets zweistellig und legte mindestens fünf weitere Körbe auf. Alle drei Partien gewannen die Skyliners. "Er hat sich sehr gut ins Team integriert und auch sofort eine Führungsrolle übernommen", lobte dann auch Sportmanager Marco Völler auf Nachfrage des hr-sport. "Da wir die letzten Wochen auf unseren Kapitän Quantez Robertson verzichten mussten, war das für uns natürlich gleich doppelt wichtig."

Mit der Verpflichtung von Cherry und dem 33 Jahre alten Power Forward Jamel McLean – der wegen Trainingsrückstand noch nicht eingesetzt werden konnte – haben die Frankfurter ihren Kurs, mit dem sie in die Saison gestartet sind, leicht korrigiert. Das jüngste Team der Liga hat ein paar erfahrene Haudegen an die Hand bekommen. Das scheint auch nötig gewesen zu sein.

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Am Samstag in Bayreuth

Die Skyliners sind am Samstag (18 Uhr) beim Tabellen-11. aus Bayreuth gefordert. Auch die Franken haben derzeit einen Lauf, haben ihre vergangenen drei Spiele gewonnen. Frankfurt wird alles daran setzen, diese Siegesserie zu beenden.

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Mehr Optionen, mehr Freiräume

Das größte Problem der Hessen sind ihre unnötigen Ballverluste. Oft resultierten diese daraus, dass die jungen Guards Verantwortung übernehmen mussten – und dann eben hin und wieder schlechte Entscheidungen trafen. Das ist gar kein Vorwurf. Es ist manchmal schlicht auch eine Frage der Möglichkeiten, die man hat.

Mit Cherry haben die Skyliners eine Option mehr in ihren Reihen, haben "mehr Sicherheit im Ballvortrag und Variabilität" gewonnen, weiß Völler. Die Hessen lassen den Ball besser zirkulieren, sind nicht mehr so sehr von Einzelaktionen abhängig. Junge Spieler wie Schoormann müssen nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand, um ein Play zu machen. Sie werden einfach häufiger freigespielt. Die Folge: Seitdem Cherry im Team ist, punktete auch der 19-Jährige Schoormann immer zweistellig.

Es mangelt nicht an Selbstbewusstsein

Diese neue Variabilität hat gereicht, um die größte Gefahrenzone hinter sich zu lassen. Die Hoffnung ist, doch noch Richtung Playoff-Plätze schielen zu können, wenn sich das Lazarett weiter gelichtet hat. Nach dem Stotter-Start lehnen sie sich in Frankfurt aber derzeit nicht zu weit aus dem Fenster. Außer Will Cherry: "Wir werden ein angsteinflößendes Team sein", kündigte der Neuzugang nach dem Sieg gegen Crailsheim an. An Selbstbewusstsein mangelt es dem neuen Leader nicht. Nach so einem Einstand ist das irgendwie auch verständlich.