Skyliners Spieler Gytis Mariulis im Final-Tunier gegen Bamberg

Der Traum, als Außenseiter beim Basketball-Finaltunier etwas ganz Großes zu erreichen, ist da. Am Mittwoch spielen die Skyliners Frankfurt zunächst im Viertelfinale gegen Ulm.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gunnar Wöbke: "Im Viertelfinale gegen Ulm muss alles stimmen"

Gunnar Wöbke
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Der Jubel in der Hotellobby des "Leonardo" am Münchner Olympiapark war groß. Die komplette Basketball-Mannschaft der Skyliners Frankfurt hatte sich vor einer großen Leinwand versammelt. Gezeigt wurde kein Hollywood-Film, sondern das Spiel zwischen Bamberg und Vechta. Nach dem Sieg der Bamberger steht fest: Die Skyliners ziehen als Vierter ihrer Vorrunden-Gruppe ins Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft ein.

"Ich konnte mir das Spiel gar nicht richtig angucken, so viel hing da dran, doch jetzt ist bei allen natürlich eine Riesenerleichterung da", sagte Geschäftsführer Gunnar Wöbke im Gepräch mit dem hr-sport. Das Team habe einfach extrem hart gearbeitet und sich mit dem Viertelfinal-Einzug selbst belohnt. In der Gruppenphase zeigten die Frankfurter insgesamt gute Leistungen.

Sie gewannen gegen Vechta und verloren zweimal ganz knapp gegen die Top-Teams Berlin und Ludwigsburg. Lediglich gegen Bamberg gab es eine herbe Niederlage, weil den Frankfurter Stammspielern im vierten Spiel binnen sieben Tagen die Kräfte schwanden.

Die Lust an der Quarantäne

Eigentlich hatten alle ein wenig Bammel vor der coronabedingten Quarantäne beim Finalturnier. Seit Anfang Juni sehen die Spieler der Skyliners zusammen mit den Profis der neun anderen Mannschaften genau zwei Orte: die Basketball-Halle und das Hotel in der Nähe des Münchner Olympiaparks. Kontakt zu Familie und Freunden gibt es nur per Telefon oder Skype. Doch die Sorge vor der Vereinsamung ist der Lust auf Erfolge gewichen. Nur zu gerne würden die Skyliners ihre Quarantäne noch bis zum 28. Juni, dem Tag des zweiten Endspiels um die deutsche Basketball-Meisterschaft, ausdehnen.

"Wir haben einfach Lust, so lange wie möglich zu bleiben. Jeder von den Jungs versucht, deutscher Meister zu werden", sagte Wöbke. Aber auch der Skyliners-Geschäftsführer weiß natürlich: Frankfurt ist in den Viertelfinals gegen Ulm am Mittwoch (16.30 Uhr) und Freitag (20.30 Uhr) nur Außenseiter. Die Stimmung beim Quarantäne-Turnier ist auch rundherum besser als erwartet. "Das hat was von Klassenfahrt oder Jugendlager, aber alles sehr konzentriert, die Jungs machen das wirklich toll."

Zum Langweilen ist keine Zeit

Auch die Sorge, dass durch den Quarantäne-Modus rund um das Finaltunier irgendwann die große Langeweile ausbrechen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Der Tagesablauf ist seit Anfang Juni durchgetaktet: morgens zum gebuchten Time-Slot 45 Minuten Frühstück, danach Video-Analyse, Stretching-Einheit, Mittagessen, Training, Teambesprechung, Abendessen. Sonderlich viel Zeit für Langeweile bleibt da nicht. Und wenn doch, geht es ab in die Game-Zone des Hotels. Skyliners-Spieler Richard Freudenberg versuchte sich am Golf-Simulator, sein Mannschaftskollege Marco Völler lieferte sich Duelle an der FIFA-Konsole.

"Der Unterschied zu normalen Play-offs ist gar nicht so groß", sagte Wöbke. Auch außerhalb von Corona-Zeiten sei der Tagesablauf dann durchgetaktet. "Zum Glück entfällt das Gereise zu den Auswärtsspielen." Statt sich mehrfach auf die vierstündige Busfahrt nach Ulm zu machen, treffen die Skyliners ihren Viertelfinal-Gegner beim Finaltunier in der Halle um die Ecke.

Starke Neuzugänge machen Hoffnung auf mehr

Als Ende Mai klar war, dass die Skyliners am Finaltunier teilnehmen werden, verpflichteten sie zwei Spieler für die Dauer dieses Wettbwerbs: den 34-jährigen Yorman Polas Bartolo, der in den vergangenen Jahren zweimal zum besten Verteidiger der Bundesliga gewählt wurde, und den 22-jährigen Litauer Gytis Masiulis. Zwei Glücksgriffe, denn Bartolo zeigte bislang nicht nur, was er defensiv drauf hat. Der Deutsch-Kubaner ist mit durchschnittlich 12,8 Punkten pro Spiel auch der erfolgreichste Frankfurter Korbjäger in München.

Auch Masilius konnte mit durchschnittlich 11,5 Punkten überzeugen. "Im Gegensatz zu Spielern aus den USA mussten sie zu Beginn auch nicht in eine zweiwöchige Quarantäne und konnten sofort mit der Mannschaft trainieren", sagte Wöbke. Des einen Freud ist des anderen Leid. Zwei Stammspieler der Saison werden aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht mehr zum Einsatz kommen. Shaquille Hines reiste erst gar nicht nach München, Center Leon Kratzer ist zwar im Quarantäne-Hotel dabei, plagt sich aber weiterhin mit einer Muskelverletzung herum.

"Mit Kleinigkeiten gegen Ulm gewinnen"

Nun also das Viertelfinale gegen Ulm. Frankfurt ist Außenseiter. Ulm hat seine vier Spiele allesamt gewonnen, eines davon sogar gegen den amtierenden deutschen Meister Bayern München. "Für mich sind die guten Leistungen von Ulm keine Überraschung. Die hatten schon zum Ende der normalen Saison einen klaren Aufwärtstrend", sagte Wöbke. Doch Frankfurt habe absolut seine Chance.

"Wir müssen jetzt die kleinen Dinge richtig machen, ob im Spiel oder drumherum. Da geht es auch darum, genug zu schlafen, das Richtige zu essen, Lust aufs Spiel zu haben. Das haben unsere Jungs. Die freuen sich jetzt riesig, noch im Turnier zu sein." Und wenn bei den Skyliners am Mittwoch und Freitag in den beiden Viertelfinal-Spielen gegen Ulm auch die kleinen Dinge stimmen, dann könnte das mit der Quarantäne tatsächlich noch etwas länger dauern. Am besten bis zum 28. Juni, dem Tag des zweiten Endspiels um die deutsche Basketball-Meisterschaft.