Quantez Robertson im Aufwärm-Trikot der Quantez Robertson

Quantez Robertson ist die Konstante bei den Skyliners Frankfurt. Der US-Amerikaner geht in seine 13. Saison beim Basketball-Bundesligisten. Zum alten Eisen zählt sich der 36-Jährige nicht. Auch wenn der Nachwuchs im Team schon frotzelt.

Videobeitrag

Video

zum Video Skyliners-Kapitän Quantez Robertson im Interview

Quantez Robertson
Ende des Videobeitrags

Wer an die Skyliners Frankfurt denkt, denkt automatisch an Quantez Robertson. Der 36-Jährige geht bereits seit 2009 auf Körbejagd bei den Hessen, ist das Gesicht des Clubs schlechthin. Und wird das mindestens für die kommenden beiden Spielzeiten auch bleiben. Im Mai unterschrieb "Tez", wie er von allen genannt wird, einen neuen Zweijahresvertrag am Main. Wo sollte er auch anders hin?

Ungewöhnliche Vereinstreue

Der US-Amerikaner hat seine ganze professionelle Karriere bei den Skyliners verbracht. "Das ist wirklich sehr ungewöhnlich", gibt Robertson im Gespräch mit dem hr-sport zu. Besonders für einen Import-Spieler. "Normalerweise unterschreiben die Jungs für ein paar Jahre bei einem Verein, ziehen weiter und kommen dann vielleicht irgendwann zurück." Bei Tez war das anders.

Warum er nun schon vor seiner 13. Saison in Frankfurt steht, kann er selbst gar nicht so genau erklären. Geplant hat er das jedenfalls nicht unbedingt, als er damals die Auburn University in Alabama verließ und den Schritt nach Deutschland wagte. "Es ist einfach so passiert. Das Team wollte mich hier haben, ich wollte hier sein: Es hat einfach immer von beiden Seiten gepasst", sagt der Mann aus Cincinnati und setzt sein schüchternes Grinsen auf.

Off-Season ist Familien-Zeit

Robertson ist kein Typ, der große Töne spuckt. Klar, ein bisschen Trash Talk gehört beim Basketball immer dazu. Abseits des Courts aber scheint das Frankfurter Aushängeschild immer "humble" geblieben zu sein – bescheiden. Tez weiß, was er vom Leben will, vor allem aber, was er darin nicht braucht.

Wenn Robertson auf seine Familie zu sprechen kommt, leuchten seine Augen. "Wir haben viel Spaß gehabt", erinnert er sich an die Offseason, für die er in seine Heimat gereist ist. Er hat so viel Zeit wie möglich mit seiner Frau und seinen Kindern verbracht, viel Barbecque gegessen und – versprochen – natürlich auch für die kommende Saison trainiert.

Weitere Informationen

Saisonstart gegen Braunschweig

Die Skyliners Frankfurt starten mit einem Heimspiel in die neue Bundesliga-Saison. Am Sonntag (15 Uhr) sind die Basketball Löwen aus Braunschweig zu Gast in der Ballsporthalle. 2.300 Fans (3G-Regel) dürfen die Partie live vor Ort verfolgen.

Ende der weiteren Informationen

Der mit Abstand älteste im Team

Ein altersgerechtes Training benötigt er übrigens nicht, stellt er klar. Sein Spiel habe sich auch mit Ü30 nie verändert. "Manche Leute denken vielleicht, ich bin langsamer geworden, dass ich einen Schritt hintendran bin, aber ich bin immer noch derselbe", versichert der Shooting Guard, der mit Abstand der älteste Spieler im Skyliners-Kader ist.

Ende August verpflichteten die Frankfurter den 30 Jahre alten Guard Reggie Hearn, der sich in der Vorbereitung dann aber so schwer am Fuß verletzte, dass der Vertrag wieder aufgelöst wurde. Mit Forward Rasheed Moore ist noch ein 26-Jähriger dabei, ansonsten aber besteht der Kader aus lauter U25-Spielern. Und die necken ihren mehr als zehn Jahre älteren Kapitän gerne mal. "Die versuchen, mich 'granddad' zu nennen", erzählt Robertson. Auf dem Platz zeige er den Youngsters dann aber: "Nah, ain't no granddads around here!" Hier gibt es keine Opas.

Der beste Balldieb der BBL-Geschichte

Das stimmt sicherlich auf dem Platz, wo Robertson noch lange nicht zum alten Eisen gehört, beim Blick in die Annalen der Basketball-Bundesliga kann man aber gleichwohl einen anderen Eindruck gewinnen. Robertson ist eine lebende Statistik-Legende. Mit 663 Steals ist er der beste Balldieb der Liga-Geschichte. Mit Abstand. Zwar offiziell nur der neueren BBL-Geschichte, weil die Statistiken der Liga nur bis ins Jahr 1999 zurückreichen, es ist aber kaum vorstellbar, dass tatsächlich mal jemand mehr Bälle geklaut hat, als Tez.

Der auf Platz zwei liegende Ex-Frankfurter Tyron McCoy hat mehr als 150 Steals weniger auf dem Konto. Der noch aktive Rickey Paulding aus Oldenburg kommt auf 501. Robertsons Rekord, den er in den kommenden beiden Seasons noch weiter in die Höhe schrauben möchte, scheint zumindest in näherer Zukunft unangreifbar. "Wenn jemand den Rekord bricht, dann hat er es verdient", sagt Tez.

Die Defensivarbeit war schon immer Robertsons Stärke. Auch in den Geschichtsbüchern der Auburn Tigers, seinem Uni-Team, ist er bis heute der All-Time-Steal-Leader (210). In der Saison 2015/16 wurde er zum besten Defensivspieler der deutschen Bundesliga ernannt.

Entweder Steal oder Foul

"Schnelle Hände" und "Antizipation" braucht es laut Tez, um Bälle zu klauen. Und ein wenig Risikobereitschaft. Der Shooting Guard antizipiert, wo der Ball als nächstes hinkommt und versucht, schon vor seinem Gegenspieler an genau dieser Stelle zu sein. Liegt er mit seiner Annahme richtig, ist die Chance groß, dass er seine Steal-Statistik ausbaut. Liegt er falsch, ist die Chance groß, seine Foul-Statistik in die Höhe zu treiben.

Sein Defense-Game bringt diese Gefahr mit sich. Robertson ist unter den aktiven Spielern derjenige mit den meisten Karriere-Fouls (1268). Auf Platz drei der ewigen "Bestenliste" liegt mit Bernd Kruel ebenfalls ein ehemaliger Frankfurter (1331). Dass Robertson ihn noch einholt, ist zumindest nicht unwahrscheinlich.

Auf einem Level mit Pascal Roller

Insgesamt ist der 36-Jährige in neun All-Time-Bestenlisten der Bundesliga zu finden. 2016 führte er als wertvollster Spieler des Finals die Skyliners zum Gewinn des Europe Cups. Die Karriere von Quantez Robertson sucht in Deutschland ihresgleichen. Für den Basketball in Frankfurt hat vielleicht nur Vereinslegende Pascal Roller mehr geleistet als der US-Amerikaner. Das einzige, was Robertson verwehrt geblieben ist, ist ein nationaler Titel. Ob er einen solchen in den kommenden beiden Jahren noch gewinnen wird, scheint mehr als fraglich.

Die Skyliners entwickeln gerade erst eine neue Mannschaft. Das Saisonziel unter dem neuen Trainer Diego Ocampo ist realistisch gesehen der Nichtabstieg, ein Playoff-Platz scheint, liefe es gut, immerhin im Bereich des Möglichen. Kurz vor Saisonstart haben sich aber mehrere Leistungsträger der Hessen verletzt. An die Post-Season ist da momentan nicht zu denken.

"Der Coach muss geduldig mit uns sein und wir mit ihm", sagt Robertson. "Wir werden es Tag für Tag, Training für Training und Spiel für Spiel angehen." Die Aufgabe des Shooting Guards ist es, die jungen Spieler als Kapitän zu führen. Ein paar Rekorde wird er nebenbei aber bestimmt auch noch brechen.