Kim Kalicki

Kim Kalicki kommt aus Wiesbaden und fährt Bob. Das alleine klingt schon komisch, jetzt hat die 22-Jährige bei den Weltmeisterschaften aber auch noch Chancen auf eine Medaille. Großes Drama garantiert.

Kim Kalicki

Natürlich wird Kim Kalicki oft verwundert angeschaut, wenn sie zu Hause in Wiesbaden erzählt, was genau sie eigentlich beruflich macht. Bobfahren ist jetzt nicht unbedingt der typischste Job. Schon gar nicht in Hessen. Die meisten, erzählt Kalicki, machten dann große Augen. "Och, wie? Ne Bobfahrerin? Wir haben hier doch gar keine Bobbahn."

Und dann fängt Kalicki mit dem Erzählen an, dass sie zwar noch in Wiesbaden wohnt, aber zum Training in ganz Deutschland und zum Weltcup oft auf dem ganzen Globus unterwegs ist. Wie so das Leben ist als Bob-Pilotin, die vielleicht schon bald gar nicht mehr erzählen muss, was sie beruflich macht, weil das dann ohnehin jeder weiß. Am Wochenende hat die 22-Jährige die große Chance dazu.

Anspruchsvoll und schnell

In Altenberg in Sachsen finden dann die Bob-Weltmeisterschaften statt und Kalicki zählt mit ihrer Anschieberin Kira Lipperheide zu den Geheimtipps. Eine Medaille ist nicht ausgeschlossen, schließlich rechnet Kalicki die Eisrinne im Erzgebirge mit einem Topspeed von 140 km/h und den 17 Kurven zu ihren Lieblingsbahnen. Anspruchsvoll und schnell. So wie Kalicki selbst.

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Die junge Athletin von Eintracht Wiesbaden ist die große Überraschung dieser Saison, das bestreitet niemand. Weil das deutsche Bobteam so stark ist, aber immer nur drei Teams im Weltcup an den Start gehen dürfen, gibt es regelmäßig sogenannte Selektionen. Ausscheidungsrennen, bei dem eine Pilotin durch den Rost fällt. Vor der Saison überstand Kalicki diese Art des Aussiebens und durfte zum ersten Mal im Weltcup ran. Was dann geschah, hatte sie selbst kaum für möglich gehalten. In Lake Placid raste sie zweimal aufs Podest. Platz drei und zwei. "Das war einfach geil."

Nicht nur Überraschung, sondern auch Drama-Queen

Bei der Selektion danach folgte dann aber der große Rückschlag. Trotz ihrer Erfolge im Weltcup verlor Kalicki ihren Platz im Team – der Traum der Heim-WM in Altenberg schien geplatzt. "Ich war am Anfang schon sehr enttäuscht", gibt Kalicki zu. "Aber das alles hilft ja nichts. Nach zwei Stunden habe ich mir gesagt: Du musst das jetzt abhaken". Schließlich gab es noch eine Hintertür. Die Regeln des Weltverbandes sehen es vor, dass sich die Junioren-Weltmeisterin automatisch auch für die WM qualifiziert. Also wurde Kalicki eben Junioren-Weltmeisterin. So einfach kann das sein. In Winterberg fuhr sie vor zwei Wochen souverän zum Titel, WM-Ticket sicher. Kalicki irgendwie nicht nur Überraschung, sondern auch Drama-Queen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kim Kalicki: "Nach der Saison ist vor der Saison"

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Eigentlich hatte sie lange mit dem Bobsport gar nichts am Hut, sie war Leichtathletin, sprintete über die 100 Meter. Weil man dafür aber eine gute Kraftschnelligkeit entwickelt, hatten die Bob-Trainer sie schnell ins Visier genommen, zunächst als Anschieberin, später als Pilotin. "Die mussten mich schon ein bisschen überzeugen", erinnert sich Kalicki. Bereut hat sie den Wechsel nie.

In Altenberg ist sie Geheimtipp

Stattdessen kam über den vergangenen Sommer der große Leistungsschub. Kalicki hat sich durch die vielen Fahrten auf verschiedenen Bahnen eine gewisse Routine angeeignet, sie weiß nun ihre Feinfühligkeit an den Lenkseilen perfekt einzusetzen, Konzentration und Erfahrungswerte spielen im Bobsport eine große Rolle – genauso wie das Material. Auch dafür hat Kalicki ein gesteigertes Bewusstsein entwickelt, sie hat sich zeigen lassen, an welchen Schrauben sie drehen muss, um ihren Schlitten perfekt einzustellen.

Das alles macht sie in Altenberg am Freitag und Samstag, wenn die vier Läufe gefahren werden, zum Geheimtipp. Mit einer Medaille um den Hals ließe sich dann in Wiesbaden auch der eigene Job sicher noch besser erklären.

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Bob-WM in Altenberg

Die großen Favoriten bei der Bob-WM in Altenberg kommen aus Deutschland. Neben Olympiasiegerin Mariama Jamanka und Gesamtweltcup-Gewinnerin Stephanie Schneider hat aber auch die US-Amerikanerin Kaillie Humphries berechtigte Gold-Hoffnungen.

Der Zeitplan:

1. Lauf: Freitag, 14.00 Uhr
2. Lauf: Freitag, 15.30 Uhr
3. Lauf: Samstag, 15.30 Uhr
4. Lauf: Samstag, 17.00 Uhr

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