Deutscher Sportholzfäller-Meister Danny Mahr im Umgang mit einer Säge

Nur Förster und Gartenbauer schwingen die Axt im Wald und fällen Bäume mit Motorsägen? Danny Mahr betreibt das als Sport. Der deutsche Sportholzfäller-Meister aus dem Main-Kinzig-Kreis sägt allerdings mit einer "Hot Saw" und nutzt Äxte, die scharf sind wie Rasierklingen.

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sportholzfäller sinntal
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Wenn Danny Mahr dieses Monstrum von einer Motorsäge anwirft, wird es als Zuschauer höchste Zeit für den Gehör- und Sichtschutz. Denn wenn die 80 PS starke und 30 Kilogramm schwere Hochleistungskettensäge unter lautem Getöse sich durch dickes Holz frisst, fliegen die Späne fontänenartig durch die Luft. Und die Druckwelle aus dem Auspuff dieser Höllenmaschine ist auch deutlich spürbar.

In Sekundenschnelle hat Mahr beim Training in seiner Riesen-Garage in Sinntal (Main-Kinzig) eine Scheibe Holz nach der anderen abgeschnitten. Er macht das so routiniert, als würde er Brot absäbeln. Der 32-Jährige ist schnell und präzise. Die Kunst ist, diese Megasäge und ihre Ketten-Geschwindigkeit von 240 km/h überhaupt zu beherrschen.

"Der zweite Titel war noch schöner"

Mahr ist der Mann der Stunde in einer besonderen Sportart: Vor kurzem wurde er Deutscher Meister im Sportholzfällen und verteidigte erstmals seinen Titel. Die Wettkämpfe wurden in den Bavaria Filmstudios in München bildstark in Szene gesetzt. Und Mahr reckte danach den Siegerpokal empor.

"Der zweite Titel war noch schöner als der erste", sagt Mahr im Gespräch mit dem hr-sport. Er war der Schnellste der zehn Akteure beim Showdown. Sie mussten durch einen Mehrkampf aus sechs Disziplinen, drei mit Äxten und drei mit unterschiedlichen Sägen.

Deutscher Sportholzfäller-Meister Danny Mahr

Im November geht's zur WM

Für den bulligen - 1,87 Meter großen und 105 Kilogramm schweren - Athleten, von Beruf Feuerwehrmann, war es der größte Erfolg. Bald misst sich Mahr mit der Weltelite des Timbersports. Im November fährt er zur WM nach München. Nach einem 9. Platz im Vorjahr will er unter die Top sechs. Die Weltbesten kommen aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

Meisterschaften im Sportholzfällen? Das gibt’s in den USA seit dem Jahr 1985, in Europa seit 2001. Gesponsert wird das Spektakel von einem bekannten Sägenhersteller. Für den sind die Wettkämpfe Marketing-Events und eine Leistungsschau.

Erst Baumarkt, dann Wettkampf

Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln erkennt Wachstumspotential in der Sportart: "Ein Player erschließt nach den Heimwerker-Märkten neue Zielgruppen in der Welt des Sports. Der Sponsor kann den Image-Transfer nutzen und versucht seine Leistungsfähigkeit in einem neuen Milieu unter Beweis zu stellen", analysiert er.

Da der Sport auch im Fernsehen übertragen werde, profitiere der Sponsor von höherer Reichweite. "Durch die Internationalität der Wettbewerbe werden weitere Zielgruppen und Märkte angesprochen."

Der Deutsche Sportholzfäller-Meister Danny Mahr in Aktion mit einer langen Säge.

Sportler kommen oft aus der Forstwirtschaft

Die Riege der Top-Sportler, die bei Titelkämpfen antreten, besteht aus etwa 30 Akteuren in Deutschland, wie Mahr berichtet. In Europa sind es 500 und weltweit 2.000 Athleten. Viele von ihnen befassen sich beruflich mit Holz, kommen etwa aus der Forstwirtschaft. So wie Mahrs DM-Konkurrent Robert Ebner. Er ist Forstwirtschaftsmeister. "Mich reizt der Sport, weil er aus der alten Waldarbeit kommt. Ich mache das Ganze eben sportlicher."

Der Weg zum Sportholzfällen führte für Mahr über eine Wette: Mahr behauptete, er könne schneller mit der Axt Holz zerteilen, als es von schwerem Gerät gespalten wird. Seine Performance war dann so überzeugend, dass es zur Talentsichtung ging. "Sechs Wochen später war ich Deutscher Nachwuchsmeister", erzählt Mahr. Das war im Jahr 2010.

Was ihn an dem Sport reizt? "Die Faszination ist, dass alles extrem ist: Der Sport ist extrem selten, und die Werkzeuge sind extrem laut und extrem scharf." Ob man die Klinge einer Axt mal anfassen darf? "Ungern. Die sind scharf wie Rasierklingen", sagt er und rasiert sich zum Beweis Haare vom Arm.

Holzfaeller Blick auf die Axt

Schutz gegen Verletzungsrisiko

Es gibt auch eine Disziplin, bei der sich unbedarfte Zuschauer denken: Hoffentlich zielt er gut - sonst steckt die Axt im Fuß. Etwa beim "Underhand Chop". Dabei steht er auf einem waagerecht verankerten Holzblock, den er mit Hieben zwischen den Beinen durchschlagen muss. Doch Mahr versichert: Das Verletzungsrisiko sei trotz der martialischen Geräte gering - dank der Sicherheitsausrüstung und -kleidung.

Der Deutsche Sportholzfäller-Meister Danny Mahr ist mit einer Hochleistungssäge zugange

Extrem scharf ist auch die große Kettensäge, in Fachkreisen "Hot Saw" genannt. Mit ihr ist Mahr besonders erfolgreich. Denn die präpariert er in stundenlanger Fleißarbeit so, dass sie besonders rasch durchs Holz gleitet. Das ist im Rahmen des Regelwerks erlaubt. Der technische Umgang mit den Sägen und Äxten ist einer der Faktoren, die über Sieg und Niederlage entscheiden.

Teure Ausrüstung

Die Ausrüstung ist auch eher teuer. Eine "Hot Saw" kostet mindestens 5.000 Euro. Selbst der Preis einer Wettkampfaxt liegt zwischen 500 und 650 Euro, wie der Titelsponsor der Meisterschaften beschreibt.

Doch das edle Profi-Equipment ist wenig wert, wenn man damit nicht umzugehen weiß. "Eine gute Fitness ist die Grundvoraussetzung", betont Mahr. Er versucht, fünf Mal pro Woche zu trainieren. Kraft und explosive Schnellkraft sind wichtig. "Man muss aber auch smart sein und ein Verständnis entwickeln für das Zusammenspiel von körperlichen und technischen Faktoren", erklärt Mahr.

Holzfaeller (strahlt) mit Saege und Axt

Und entscheidende Prozente, die den Ausschlag geben können, kämen über eine stabile Psyche. "Man muss hart zu sich selbst sein. Bereit sein, sich zu schinden."

Mit Fan-Club zum Triple

Als amtierender Titelträger kann sich Mahr nun besser vermarkten. Im Geldbeutel dürfte deswegen mehr landen. Denn Mahr wird für öffentliche Auftritte gebucht, etwa bei Messen. "Im Vorjahr war ich an 70 Tagen unterwegs. Man kann damit Geld verdienen, aber nicht davon leben."

Autogrammkarten hat er zwar noch nicht, aber einen Fan-Club mit 40 Leuten, die ihn bei Wettkämpfen anfeuern. Sie sollen ihn auch im nächsten Jahr begleiten. Dann will er bei der Deutschen Meister das Triple schaffen - den dritten Titel in Folge. "Auf diesen Traum arbeite ich hin."