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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Coronavirus beschäftigt den Sport

Corona

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus macht sich auch im Sport bemerkbar. Eintracht Frankfurt bekommt ein Spiel ohne und ein Spiel mit Zuschauern. Die DEL2 hat den Laden bereits komplett dichtgemacht.

Spiele ohne Zuschauer, Diskussionen über die Verlegung kompletter Spieltage, dazu die fast aussichtslose Suche nach freien Terminen in prall gefüllten Kalendern: Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie haben den Sport auf der ganzen Welt fest im Griff.

Neueste Entwicklung in Deutschland: In der Fußball-Bundesliga wird das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln (Mittwoch 18.30 Uhr) zum allerersten Geisterspiel, es wird also ohne Zuschauer stattfinden. Am Dienstag wurde bekanntgegeben, dass auch das Heimspiel von Eintracht Frankfurt am Sonntag gegen Gladbach vor leeren Rängen stattfindet.

Europa-League: Hin- und Rückspiel in Frankfurt?

Als erster hessischer Verein hatte die Einracht die Folgen des Coronavirus bereits am Montagnachmittag zu spüren bekommen. Das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League (19. März, 21 Uhr) wird nicht im Stadion des FC Basel stattfinden können. Als alternativer Spielort ist die Arena der Eintracht im Gespräch. Entschieden ist aber noch nichts.

"Wir wissen nicht, ob es stattfindet. Wir wissen nicht, wo es stattfindet", betonte Frankfurts Vorstand Axel Hellmann. Die Option, auch das zweite Duell mit den Schweizern in Frankfurt auszutragen, stehe zwar im Raum. "Falls das Spiel in Frankfurt stattfindet, wissen wir aber nicht unter welchen Rahmenbedingungen."

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Eintracht-Präsident Peter Fischer in einem leeren Stadion
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Mehrere Länder untersagen Großveranstaltungen

Am Dienstagnachmittag hatte die hessische Landesregierung die Absage aller Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern empfohlen. Die Gefahr einer Virusübertragung bei großen Menschenansammlungen, "insbesondere in geschlossenen Räumen", lasse sich angesichts jüngster Entwicklungen nicht sicher beurteilen, teilte das Sozialministerium in Wiesbaden mit. Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben ihren Kommunen die Ausrichtung von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern untersagt.

Empfehlung vom Gesundheitsminister

Als maßgebend gilt nach wie vor die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern nicht stattfinden zu lassen. Für den Profi-Sport, dessen Rahmen in vielen Disziplinen durch enge Terminkalender gesteckt ist und für den Absagen beziehungsweise Verlegungen fast unmöglich sind, würde das in erster Linie den Ausschluss von Zuschauern bedeuten.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat beispielsweise die bayerische Staatsregierung Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen voerst untersagt. Am Montag hatte sich schon der schwarz-orange Koalitionsausschuss auf ein Verbot bis Mitte April verständigt, nun hat auch das bayerische Kabinett zugestimmt, wie der Bayerische Rundfunk aus Regierungskreisen erfuhr. In diese Zeit fällt auch das Auswärtsspiel der Eintracht bei Rekordmeister Bayern München (22.3.).

Kickers Offenbach: "Das wäre brutal"

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte am Montag entschieden, die Spieltage in Bundesliga und 2. Bundesliga am kommenden Wochenende grundsätzlich stattfinden zu lassen – schloss dabei behördlich angeordnete Geisterspiele aber nicht aus. In der zweiten Liga spielt unter anderem der SV Darmstadt 98 am Samstag (13 Uhr) beim Karlsruher SC. Der KSC hatte am Montag mitgeteilt: "Stand heute gibt es noch keine Entscheidung, ob das kommende Heimspiel gegen den SV98 mit oder ohne Zuschauer im Wildpark stattfindet."

Finanziell betrachtet dürften vor allem die hessischen Regionalligisten schlimmer von Zuschauerausschlüssen betroffen sein als Profi-Clubs. "Sollten wir aber wirklich ohne Zuschauer spielen müssen, wäre das brutal. Die 1. und 2. Liga betrifft es wohl weniger, da machen die Zuschauer zehn Prozent des Budgets aus. Je weiter man runter geht, umso mehr ist das. Bei uns 40 Prozent! Das ist dann schon existenziell", sagte etwa Thomas Sobotzik, Geschäftsführer von Kickers Offenbach, der Bild-Zeitung.

Auch viele andere Sportarten wären betroffen

Das Warten auf eine Entscheidung über mögliche Geisterspiele betrifft auch andere Sportarten – in erster Linie Hallensportarten, für die die empfohlenen Verhaltensregeln noch viel mehr gelten als für Freiluftveranstaltungen. In der Handball-Bundesliga (HBL) beispielsweise wären aus hessischer Sicht die MT Melsungen sowie die HSG Wetzlar betroffen. Am Sonntag hatte die HBL angekündigt, die Saison trotz der Coronavirus-Epidemie zu einem regulären Abschluss bringen zu wollen.

Weitere Maßnahmen sollen bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montag beraten werden. Anders als im Fußball seien Handball-Vereine viel stärker auf Zuschauereinnahmen angewiesen, sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker. Gegenüber dem hr-sport deutete Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp daher an, dass die Verlegung kompletter Spieltage anstelle von Geisterspielen zu favorisieren sei. Die Handball-Bundesliga hat am Wochenende wegen eines Länderspiels spielfrei.

DEL2 bricht Saison ab

Im Basketball könnten Zuschauerausschlüsse unter anderem die Erstligisten Skyliners Frankfurt und Gießen 46ers betreffen. Am Freitag steht mit dem Spiel des Mitteldeutschen BC gegen die 46ers die nächste Liga-Partie an. Die Basketball-Bundesliga kommt bereits am Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammen. "Wir haben noch keinen Beschluss gefasst. Es wird keine hundertprozentige Lösung geben", sagte Liga-Chef Stefan Holz. "Jede Lösung ist irgendwie schlecht, wir müssen abwägen."

Im Volleyball wären das Frauen-Team des VC Wiesbaden sowie das Männer-Team der United Volleys Frankfurt betroffen. Die Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) hat bereits gehandelt und die laufende Saison vorzeitig beendet. Am Freitag hätten eigentlich die Play-offs und Play-downs starten sollen. Durch die Absage wird es in der DEL2 keinen Meister und keinen Absteiger geben.

Sendung: hr1, 10.3.2020, 13.10 Uhr