Links: Michael Gabriel, rechts: Eine Choreographie der Eintracht-Fans
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Die in Frankfurt ansässige Koordinationsstelle Fanprojekte kümmert sich um die Belange der Fußballfans. Und das schon seit 25 Jahren. Auch bei den hessischen Vereinen gibt es einiges zu tun.

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Michael Gabriel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gabriel: "Fußballfans sind sehr misstrauisch"

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In den Medien kommen Fußballfans nicht immer gut weg – egal, ob es um Gewalt in Stadien, rassistische Ausfälle oder Pyrotechnik geht. Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), will dieses Bild aber nicht gelten lassen. "Fankultur ist ein soziales Phänomen, dem ganz viele positive Elemente innewohnen", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport und nennt Beispiele: "Gemeinschaft, Solidarität, große Ressourcen von Engagement."

Vier hessische Fanprojekte

Und genau da setzen die sechs Vollzeit-Mitarbeiter der Koordinationsstelle Fanprojekte nun schon seit 1993 an. Sie verstehen sich als Schnittstelle zwischen den Fans, den Vereinen und externen Stellen wie Sicherheitsbehörden und sind als Sozialpädagogen vor allem für Jugendliche zuständig. "Im Grunde sitzen wir zwischen allen Stühlen", sagt Gabriel. Man sei nah dran, habe aber ausreichend Distanz zur Fankultur, bei Fehlverhalten gebe es natürlich auch kritische Rückmeldung. "Außerdem sind wir unabhängig von Vereinen, der Polizei und auch vom Fußball."

Von den 59 Fanprojekten, die mit der KOS zusammenarbeiten, gehören vier zu hessischen Vereinen. "In Frankfurt haben aktuell die Europapokal-Spiele eine große Bedeutung." Die KOS liefert den eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit dem Fanprojekt Informationen für die Fans, die beispielsweise nach Zypern oder Rom reisen. Außerdem redet sie mit den Behörden vor Ort, "damit dort auch ein richtiges Bild der Fans vorhanden ist".

"Partizipation im besten Sinne"

Beim SV Darmstadt 98 ist der Stadionneubau das große Thema – auch für Fanprojekt und KOS. "Es ist gelungen, dass Fans in die Gespräche und Planung ganz konkret mit eingebunden wurden. Das ist Partizipation im besten Sinne", so Gabriel.

Ähnlich war es bei den Offenbacher Kickers und ihrem neuen Stadion. Hinzu kommt Hessen Kassel, inzwischen nur noch Fünftligist. "Deren Fanprojekt gibt es seit zwei Jahren und es geht gerade vor allem um die Vermittlungstätigkeit bis hin in die Kommune, dass das ganze System in Kassel zusammengehalten wird."

Feier in Berlin

Übrigens: Die KOS-Feier zum 25-Jährigen wird nicht in Frankfurt, sondern in Berlin stattfinden. "Unser 20-jähriges Bestehen haben wir im Römer gefeiert, denn Frankfurt ist ja auch der Sitz von DFB und DFL, die uns finanziell fördern." Nun geht es nach Berlin zum anderen großen Geldgeber, dem Familienministerium. "Wir wollen stärker in den politischen Bereich", begründet Gabriel.

Zum Schluss liegt die Frage nahe, was sich in den 25 Jahren, in denen die KOS nun schon tätig ist, am sichtbarsten verändert hat. Michael Gabriel muss nicht lange überlegen: "Beim Thema Engagement gegen Rassismus, Rechtsextremismus und anderen Diskriminierungsformen hat sich enorm viel zum Positiven verändert", sagt er. "Vermehrt junge Menschen engagieren sich für eine Fankultur der Vielfalt. Das macht sich auch in den Stadien bemerkbar."