Aaron Krüger im Tianhe-Stadion im chinesischen Guangzhou.

Aaron Krüger trägt normalerweise das Trikot von Fußball-Siebtligist SV Wiesbaden. Nun versucht er, sich mit der Nationalmannschaft von Guam für die Weltmeisterschaft 2022 zu qualifizieren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Aaron Krüger zum Nationalspieler von Guam wurde

Aaron Krüger im Trikot der Nationalmannschaft Guams in China
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Aaron Krüger ist das, was man in Deutschland gerne einen Hobby-Kicker nennt. Und das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint. Krüger liebt den Fußball, spielt beim SV Wiesbaden im Sturm und das sogar recht erfolgreich. In bisher acht Saisonspielen traf er in der Gruppenliga Wiesbaden – immerhin die siebthöchste deutsche Spielklasse – schon zwei Mal. Dass Krüger dieser Tage ein gefragter Interviewpartner ist, hat aber nur bedingt mit seinen Auftritten im SVW-Trikot zu tun. Aaron Krüger trägt neuerdings nämlich auch das Jersey der Nationalmannschaft von Guam.

Es ist schon ungewöhnlich genug, dass ein 30-Jähriger in die Nationalmannschaft eines Landes berufen wird, von dem die meisten Deutschen wohl noch nie etwas gehört haben. Die Hintergrundgeschichte, wie es überhaupt zu dieser Berufung kam, setzt dem ganzen aber die Krone auf.

"Da war ich total geplättet"

2016 machte Krüger Urlaub auf Guam, einer Insel im Westpazifik, dem Geburtsland seines Vaters. "Da ist es immer leicht, Kontakte zu knüpfen, wenn man Fußballer kennenlernt", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. "Auf dem Platz spricht man einfach dieselbe Sprache." Der weltoffene Student der Sportwissenschaften hatte keine Probleme, Anschluss zu finden. Er verabredete sich mit einigen Spielern eines lokalen Clubs und trainierte mit ihnen. Anschließend ging es, wie es auch in Guam guter Ton ist, auf ein paar Bierchen in die Kneipe. "Und zufälligerweise war der Kapitän des Vereins auch der Kapitän der Nationalmannschaft." Und der fragte ihn irgendwann, ob er nicht auch für die sogenannte Matao auflaufen wolle. "Da war ich total geplättet."

Bis es endlich soweit war, sollte es aber noch drei Jahre dauern. Weil Krüger zum damaligen Nationaltrainer keinen guten Draht hatte und die Mannschaft nach einem Korruptionsskandal von Funktionären 2017 überhaupt keine internationalen Partien austragen durfte, dauerte es bis 2019, bis der neue Trainer, Karl Dodd, Krüger doch noch nominierte. Beim WM-Qualifikationsspiel in China saß der 30-Jährige erstmals auf der Bank.

Mit einer Handvoll Fans nach China

In Wiesbaden kommen zur Saisoneröffnung schon mal 300 bis 400 Zuschauer. Immerhin ist der SVW ein Traditionsverein. Im Tianhe-Stadion in Guangzhou saßen knapp 40.000 Besucher auf den Rängen. "Die Chinese haben richtig Gas gegeben: Fünf bis sechs Laola-Wellen, mittendrin haben alle ihre Handylichter angeschaltet. Das sah aus, als ob ganz viele Glühwürmchen im Stadion wären. Das war echt völlig verrückt", beschreibt Krüger sein erstes Länderspiel auf der Auswechselbank. Nur einen nahezu leeren Block habe es im Stadion gegeben. Den der Gäste. "Ich glaube, wir hatten nur drei Fans dabei: Den Onkel vom Kapitän, den Präsident und vielleicht noch zwei, vielleicht drei, die danach mit uns reden wollten."

Beim nächsten Quali-Spiel gegen Syrien wird das nicht großartig anders sein. Am Freitag reisten Krüger und Co. bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo die Partie wegen des Kriegs in Syrien am Dienstag (14 Uhr MESZ) ausgetragen wird. Ob Krüger dort zu seinem ersten Einsatz kommen wird, vermag er nicht zu prognostizieren. "Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl, aber am Ende weiß man das ja nie so genau. Vielleicht wird’s ja was, wenn wir alle die Daumen drücken und noch eine Kerze in der Kirche anzünden. Ich würde mich auf jeden Fall freuen."

Das heißeste Stück Stoff des Jahres

Dass er nach der 0:7-Niederlage in China nun gegen Syrien einen Sieg der Matao bejubeln kann, scheint eher unwahrscheinlich. In der Gruppe A der asiatischen WM-Qualifikation belegt Guam mit drei Niederlagen und 1:12-Toren den letzten Platz. Viel wird sich daran bis zum Abschluss der Gruppenphase wohl nicht ändern. Das ist nicht schlimm. Die Ansprüche des Fifa-Weltranglisten-195. sind mit denen bekannterer Nationalmannschaften nicht zu vergleichen. Die Erinnerung an diese Quali kann Krüger aber niemand mehr nehmen.

Ein, beziehungsweise mehrere Andenken an dieses spektakuläre Erlebnis hat sich der Stürmer auch schon gesichert: Sein Trikot mit der Nummer drei, das in der Wiesbadener Heimat schon jetzt das heißeste Stück Stoff des Jahres ist. "Ich habe schon dem Kit Manager (Zeugwart, Anm. d. Red.) gesagt, der sich hier um die Trikots kümmert, dass ich leider alle Trikots mitnehmen muss. Die muss er nachbestellen."