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Im hessischen Amateurfußball steht die Saison kurz vor dem Abbruch. Jetzt fragen sich viele: Wann kann die nächste Saison beginnen? Verbandspräsident Stefan Reuß wagt einen Ausblick – und spricht über den möglichen Aufstieg von Traditionsclub Hessen Kassel.

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Stefan Reuß hat die Pläne des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), die Saison in seinen zahlreichen Amateurligen wegen der Corona-Krise abzubrechen, verteidigt. "Wir wissen alle nicht, ab wann wir wieder spielen können", sagte der HFV-Präsident im Gespräch mit dem hr-sport. "Auch deshalb sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es jetzt der richtige Weg ist zu sagen: Wir beenden die Saison 2019/20."

Am Samstag hatte der Verbandsvorstand des HFV einstimmig empfohlen, die Spielzeiten im Frauen- und Männer- sowie Kinder- und Jugendbereich unter Anwendung der Quotienten-Regelung vorzeitig zu beenden. Es soll Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Die endgültige Entscheidung fällt bei einem außerordentlichen Verbandstag Mitte Juni, wenn über den Vorschlag des Vorstandes abgestimmt wird.

Wann beginnt die Saison 2020/21?

Für die angestrebte Abbruch-Variante sowie die Quotienten-Regelung gebe es in Fußball-Hessen laut Reuß bereits jetzt eine Zustimmung von rund 60 Prozent. Dies gehe aus einer Stimmungs-Abfrage des HFV hervor, an der mehr als 1.400 von insgesamt 2.100 Vereinen teilgenommen hätten. Unter dem Dach des Landesverbandes sind 10.400 Mannschaften organisiert, darüber hinaus zählt der HFV knapp 530.000 Mitglieder.

Die wegen Corona unterbrochene Saison steht also kurz vor dem Abbruch – was bedeutet das für die kommende Runde 2020/21? "Wir würden gerne fristgerecht beginnen wollen", wagte Verbandspräsident Reuß einen Ausblick. Ähnlich wie die Regionalligen oder auch die vom Deutschen Fußball-Bund organisierte Dritte Liga startet beispielsweise die Hessenliga oftmals Ende Juli, spätestens Anfang August. "Aber wenn die Pandemie sagt: Nein, das geht nicht – und die Infektionsgefahr ist schlicht und ergreifend zu groß – dann haben wir als oberstes Prinzip die Gesundheit aller Beteiligten", so Reuß.

Fußballspiele erst wieder im September?

Der HFV orientiert sich in seinen Planungen an den Vorgaben der zuständigen Behörden sowie an den Auflagen von Bund und Ländern. Nach aktuellem Stand heißt das: Bis mindestens 5. Juni sind wegen der Kontaktbeschränkungen klassische Kontaktsportarten wie eben Fußball im Breiten- und Amateursport nicht zugelassen.

Hinzu kommt: Auch das Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern bis mindestens Ende August könnte sich auf das Geschehen im Amateurfußball auswirken. Geisterspiele unterhalb der dritten Liga schloss Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses, erst kürzlich aus. Seine Einschätzung deshalb: Vor September wird in Hessen kein Fußballspiel angepfiffen.

HFV steht hinter Hessen Kassel

Wichtige Entscheidungen werden deshalb nicht auf dem grünen Spielfeld fallen, sondern am grünen Tisch getroffen. Eine der wichtigsten aus HFV-Sicht: möglichst viele Clubs aus der Hessen- in die Regionalliga bringen. In der höchsten Spielklasse des Landes stünde Tabellenführer Eintracht Stadtallendorf als Aufsteiger bereit – und auch der KSV Hessen Kassel will in die Viertklassigkeit zurück. Aktuell sind die Nordhessen Zweiter, müssten eigentlich in Aufstiegsspielen um ihr Regionalliga-Ticket kämpfen. Geht es nach dem HFV, darf aber auch Kassel direkt hoch.

"Es geht um einen Aufsteiger mehr", erläuterte Reuß. "Wir reden vom vierten Aufsteiger, von der Aufstockung der Liga um einen Platz. Das halten wir für umsetzbar und haben deshalb vorgeschlagen, auch hier die Quotienten-Regelung anzuwenden. Der Hessische Fußball-Verband steht hinter Hessen Kassel." Auch dem hiesigen Amateurfußball stehen spannende Wochen bevor.