Den Behindertensport aus dem Schatten holen: Die Ex-Eintracht-Spieler Uwe Bindewald und Alexander Schur sind jetzt als Botschafter für die gute Sache unterwegs. Zum Auftakt gab es ein hochkarätiges Aufeinandertreffen.

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Uwe Bindewald beim angedeuteten Fistbump mit einem Spieler von der Fußballmannschaft, daneben Alexander Schur.
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Es ist ein denkwürdiges Treffen an diesem Freitagmittag im Wetzlarer Stadion: Die einen sind unvergessene Helden der Frankfurter Eintracht, die anderen sind amtierende Deutsche Meister. Und alle zusammen sind jetzt ein Team, sagt Alexander Schur zu der Fußballmannschaft vor ihm: "Es macht uns stolz, dazuzugehören!"

Zusammen mit seinem früheren Mannschaftskollegen Uwe Bindewald ist Schur seit diesem Freitag neuer Botschafter des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands (HBRS). Sie folgen auf Ex-Eintracht-Trainer Dragoslav "Stepi" Stepanović, der sich seit 2013 für den HBRS engagiert hat, jetzt aber kürzer treten möchte.

"Keine bessere Kombination als Alex, Uwe und Nia"

Und vor ihnen steht die "HBRS Hessenauswahl ID", die 2019 in Saarbrücken Deutscher Meister wurde. ID steht für "Intellectual Disability", also intellektuelle Beeinträchtigung. Nun gehe es darum, schärft Uwe Bindewald gleich der Mannschaft ein, "den Erfolg zu bestätigen". Vielleicht könnten ja auch er oder Schur da noch den einen oder anderen Tipp geben.

Die nötige Erfahrung hätten die beiden locker: Weit über 600 Pflichtspiele für die Eintracht bringen Schur und Bindewald mit, dazu auch noch einige Jahre als Jugendtrainer, unter anderem bei der Eintracht-U19. Aber in ihrer neuen Aufgabe, die sie sich mit Weltmeisterin Nia Künzer teilen, sollen sie vor allem den hessischen Behindertensport bekannter machen: Man habe Botschafter gesucht, die in Hessen einen Namen haben, sagt HBRS-Präsident Heinz Wagner. "Und da gibt es keine bessere Kombination als Alex, Uwe und Nia."

"Wo wir zusammen auftreten, wird es nicht langweilig"

Für den inzwischen 48 Jahre alten Schur geht es darum, den Behindertensport "aus dem Schatten" der Sportler ohne Einschränkungen herauszuholen. Ein wichtiges Erlebnis für ihn war dabei in seiner Zeit als Eintracht-U19-Trainer ein gemeinsames Training mit der Hessenauswahl ID. Er habe sich vorher Sorgen gemacht, "denn angehende Erwachsene sind ja oft ein bisschen gemeiner." Doch nach der Einheit "war ich schwer beeindruckt, wie meine Spieler das auch noch Wochen später reflektiert haben."

Wichtig war ihm, die Aufgabe auf mehreren Schultern zu verteilen, "wir sind ja auch berufstätig" - er im Sales Marketing, der 51-jährige Bindewald als Jugendtrainer.

Alexander Schur und Uwe Bindewald kicken mit den Fußballern vom HBRS.

Bindewald berichtet von seiner Freundschaft zu einem jungen Mann mit Behinderung. "Er holt mich immer wieder runter, wenn ich mich aufrege, weil er die Welt ganz anders sieht. Er ist eine richtig große Bereicherung." Was die künftige Tätigkeit betrifft, ist er sich sicher: "Wo Alex und ich zusammen auftreten, wird es nicht langweilig." Egal ob im Fußball oder in einer der über 20 anderen Sportarten, die im HBRS organisiert sind.

"Den hab ich in meiner Jugend im Fernsehen gesehen"

Für die Fußballer an diesem Freitag ist es jedenfalls eine große Sache. "Ich bin richtiger Eintracht-Fan", sagt Maximilian Hofer aus Wehrheim (Hochtaunus). Der 31-Jährige hat bei den Deutschen Meisterschaften zwar im Sturm gespielt, ist aber eigentlich Verteidiger - und da ist ihm der Name Bindewald natürlich ein Begriff: "Den hab ich in meiner Jugend im Fernsehen gesehen", und dass ausgerechnet der jetzt Botschafter ist, "hat mich sehr gefreut".

Sein Teamkollege Lucio Pungente erzählt, Meister geworden sei man "mit Teamwork, Liebe und Leidenschaft". Tugenden, die aus dem Profisport bekannt klingen. Aber das ist ja auch kein Wunder, sagt doch auch Alexander Schur, dass ihm die Trainingseinheit seiner U19 mit dem Hessenauswahl-ID-Team gezeigt habe, "dass ein Sportler ein Sportler ist", ob mit oder ohne Behinderung.

Lucio Pungente und Maximilian Hofer auf dem Fußballplatz.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 26.06.20, 19.30 Uhr