Muzafer Dolovac

Am letzten Hessenliga-Spieltag vor der Saisonunterbrechung gab es noch einen Rekord zu vermelden: Mit 47 Jahren ist Muzafer Dolovac nun der älteste Spieler der Ligageschichte. Wie kam es dazu?

Eigentlich sind sie auf der Torhüterposition beim FV Bad Vilbel ja gut aufgestellt. Zwischen den Pfosten des Hessenliga-14. steht Sadra Sememy, als Nummer zwei sitzt Vladan Grbovic auf der Bank, dahinter scharrt Talent Gian Klahr mit den Hufen. Kein Grund zur Sorge also beim FV. Eigentlich.

Aber wie der Fußball eben so spielt, wird aus "eigentlich" ganz schnell mal ein Problem. So auch beim FV Bad Vilbel Anfang März. Das Auswärtsspiel in Dietkirchen wird wegen Corona das letzte Spiel für lange Zeit des FV sein, ein echtes Sechs-Punkte-Spiel im Tabellenkeller. Nur wird am Vorabend des Spieles klar: Der FV Bad Vilbel hat keinen Keeper mehr. Stammkeeper Selmemy vertritt sich im Abschlusstraining, der zweite Keeper kam bereits verletzt aus dem Skiurlaub, auch Talent Klahr ist unpässlich. Und plötzlich geht der Vorhang auf für Muzafer Dolovac.

"Mir war sofort klar, dass ich spielen muss"

Dolovac ist Torwarttrainer des FV Bad Vilbel. Der 47-Jährige kann auf eine solide Karriere auf regionalem Niveau zurückblicken, die ihn bis in die Oberliga führte. Seine Schuhe hat er aber bereits vor neun Jahren an den Nagel gehängt, Rekorde hat er auch noch keine gebrochen. Bis jetzt. "Mir war sofort klar, dass ich spielen muss. Es ging ja nicht anders", sagt Dolovac im Gespräch mit den hr-Sport. Gesagt, getan.

Die Bewegungen sind nicht mehr ganz so geschmeidig, die Ausdauer war auch schon besser, aber das Spiel ist viel zu wichtig, als dass Dolovac kneifen würde. Und sowieso: Einen Kopf macht er sich ohnehin nicht. "In meinem Alter muss man sich nicht mehr vorbereiten", sagt er und lacht. "Auch die Knie haben nicht geschlottert. Diese Zeit ist vorbei. Aber das Kribbeln vor dem Spiel war wieder da. In der Kabine lief gute Musik, um uns anzufeuern. Da hat es wieder gekribbelt, wie früher."

"Es hat überall weh getan"

Auf dem Platz erledigt Dolovac dann seinen Job wie der alte Hase, der er nunmal ist. "Ich habe zu den Jungs gesagt, sie sollen Schüsse des Gegners vermeiden. Der Gegner wusste auch nicht, dass ich so alt bin. Sonst hätten die vielleicht häufiger geschossen." So aber bleibt es bei einigen eher ungefährlichen Aktionen der Dietkirchener, für die es nur zum 1:2-Anschlusstreffer reicht. "Kein Torwartfehler", wie Dolovac mit einem Augenzwinkern betont.

Kein böses Erwachen auf dem Platz also, wenn überhaupt, dann am Folgetag. "Für mich war es einfach nur anstrengend. Vor allem einen Tag nach dem Spiel war es schlimm. Es hat überall weh getan", so Dolovac. Gelohnt hat sich sein Einsatz aber in jedem Fall, die drei Punkte gegen den Tabellennachbarn könnten, so die Saison irgendwann fortgesetzt wird, noch Gold wert sein. "Wenn man gewinnt, ist es ein bisschen einfacher, Schmerzen auszuhalten."

"Ich gebe gerne ein Runde. Wir feiern viel"

Und so hat sich Dolovac mit seinem Einsatz sogar noch einen kleinen Platz in den Geschichtsbüchern des Hessischen Fußballs gesichert: Als ältester Spieler, der je in Hessens höchster Spielklasse auf dem Platz stand. "Ich habe es mir am Spieltag schon gedacht. Aber wirklich vom Rekord habe ich erst jetzt erfahren, durch einen Facebook-Post der Hessenliga. Viele der Jungs haben mir sofort eine Nachricht geschickt."

Gelegenheit, seinen Rekord mit der Truppe zu feiern, gab es wegen der Corona-Kontaktsperre noch keinen. "Ich gebe gerne ein Runde. Wir haben eine gute Truppe und feiern viel", so Dolovac. Beste Voraussetzungen also, um beim ersten Treffen nach der Kontaktsperre auf den neuen Rekordhalter anzustoßen.