Kevin Vogt von der TSG Hoffeneheim
Die TSG Hoffenheim gilt nicht als Publikumsmagnet. Bild © Imago Images

Hessenligist KSV Baunatal fiebert der DFB-Pokal-Auslosung entgegen und will am Samstag auf einen großen Gegner anstoßen. Die Getränke stehen kalt, zum Partycrasher könnte aber die TSG Hoffenheim werden.

Es ist angerichtet: Grillkohle wurde gekauft, die Biervorräte aufgefüllt, im Vereinsheim nochmal feucht durchgewischt. Der KSV Baunatal macht sich schick und wird sich pünktlich zur Auslosung der ersten DFB-Pokalrunde am Samstag (ab 18 Uhr) im feinsten Außenseiter-Zwirn präsentieren. Eine kleine Delegation wird nach Dortmund ins Fußball-Museum reisen und vor Ort einen Blick auf Lose und Losfee erhaschen, der Rest des Hessenligisten versammelt sich zum Public Daumendrücking am Sportplatz am Baunsberg.

"Wir machen natürlich eine Auslosungsparty", freut sich Baunatals sportlicher Leiter Ralf-Jürgen Rössler im Gespräch mit dem hr-sport auf ein rauschendes Fest und einen prominenten Gegner. "Wir hoffen alle auf das große Los."

Hessenpokal-Finale steht noch an

Bevor es auf der Feier zum Tagesordnungspunkt "Sportschau gucken“ kommt, verspricht das Rahmenprogramm jedoch noch mehr Sehenswertes, wie Rössler berichtet. Die Seniorenteams der kommenden Spielzeit werden vorgestellt, einige Verantwortliche wollen Reden halten. Das übliche und in jedem Fußballverein wohl obligatorische Saisonauftakts-Vorgeplänkel. Große Worte, große Ziele, großer Durst. "Wir haben uns einiges vorgenommen", so Rössler. Passend dazu startet die Vorbereitung aus gutem Grund schon an diesem Wochenende.

Der erste Höhepunkt der Baunataler Spielzeit steht nämlich bereits am 25. Juni auf dem Programm: Im terminlich verlegten Hessenpokal-Finale geht es gegen Zweitliga-Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden um die Landeskrone und den ersten Titel. Die Qualifikation für den DFB-Pokal steht dank freundlicher Mithilfe des SVWW zwar schon fest. Da sich so ein Pokalsieg aber auf jedem Briefkopf gutmacht, verspricht Rössler vollen Einsatz. "Natürlich wollen wir da eine Überraschung schaffen." Das ist Ehrensache.

Bayern, Dortmund oder der HSV

Etwas weniger optimistisch, aber nicht weniger euphorisch blickt Rössler in Richtung DFB-Pokal. Die Baunataler gehen als einer von insgesamt fünf Oberligisten (mit dem FSV Salmrohr gibt es zudem einen Sechstligisten) an den Start und sind schon qua Natur Außenseiter. Die potenziellen Gegner in Lostopf eins sind alle 18 Bundesligisten plus die 14 besten Zweitliga-Clubs der gerade abgelaufenen Saison. Sprich: Vom Deutschen Meister FC Bayern bis zum Beinahe-Drittligist Erzgebirge Aue ist alles möglich. Nur eins steht für Rössler jetzt schon fest. "Egal, wer da kommt. Wir scheiden aus, das ist klar."

Und da raus mit Applaus schöner ist als eine handelsübliche Niederlage vor halbleeren Rängen, das kennt der KSV ja aus dem Ligabetrieb, soll der designierte Sieger der Erstrunden-Partie schon einen gewissen Prominenz-Faktor mitbringen. "Wir verlieren lieber 0:12 gegen ein Topteam als 0:5 gegen einen Zweitligisten", formuliert Rössler seine Wünsche an Losfee Nia Künzer. "Bayern, Dortmund, Gladbach, Köln oder der HSV, das wäre was."

Dass der Hamburger SV den Wiederaufstieg gerade verpasst hat und eigentlich nicht ins Baunataler Beuteschema eines sexy Bundesligisten passt? Geschenkt, versichert Rössler: "Die ziehen viele Fans an, darauf kommt es an."

Bloß nicht Hoffenheim!

Ein Merkmal, das vor allem einen Verein als Wunschgegner eliminiert. "Bitte nicht Hoffenheim. Da kommt keiner", schickt Rössler Stoßgebete in Richtung Fußballgott. Die Kraichgauer haben zwar den einen oder anderen durchaus bekannten Nationalspieler im Kader und spielen nicht selten attraktiven Fußball. Für einen heißen Pokaltanz vor toller Kulisse sei die TSG aber der komplett falsche Partner.

"Wenn ein großer Verein kommt, wollen wir nach Kassel umziehen", beschreibt Rössler die Wunschvorstellung des KSV. 20.000 Zuschauer, ein sonniges August-Wochenende und ein Fußballfest wie es Nordhessen lange nicht gesehen hat. Darauf soll am Samstag angestoßen werden.

Und was passiert, wenn doch die TSG Hoffenheim gezogen wird? "Dann", schnauft Rössler, "spielen wir wohl in Baunatal. Da reicht auch unser kleines Stadion".