Imago Simon

Carolin Simon hat mit der deutschen Mannschaft das Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich erreicht. Vor dem ersten K.o.-Spiel setzt die Baunatalerin auf Teamgeist und Fehleranalyse, will von Rechenspielen aber nichts wissen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Simon im Interview: "Es ist egal, wer kommt. Wir müssen gewinnen"

Carolin Simon
Ende des Audiobeitrags

Die deutschen Fußballerinnen erleben bei dieser Weltmeisterschaft ihre ganz eigene Tour de France. Ähnlich ereignisreich wie die Etappen beim berühmtesten Radrennen der Welt sind auch die Turniertage für das Team von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg: Drei Spiele, drei Siege, dazu die spielerische Steigerung, aber auch Rückschläge wie der Ausfall von Spielmacherin Dzsenifer Marozsán.

Doch weder vom Zehenbruch der Führungsspielerin, die so wichtig für diese junge Mannschaft ist, noch vom Warten auf die Gegnerinnen für das Achtelfinale haben sich die deutschen Spielerinnen aus der Ruhe bringen lassen. "Es ist egal, wer kommt. Wir müssen gewinnen in der K.o.-Phase – da reicht kein Unentschieden", sagt etwa Carolin Simon.

Zwischen Fokus und Genussmodus

Die Nordhessin, die bei Olympique Lyon spielt, hat sich in den vergangenen Tagen nicht an den Gedankenspielen ihrer Mitspielerinnen beteiligt oder gar wie Keeperin Almuth Schult Wahrscheinlichkeiten potenzieller Gegner ausgerechnet. "Da halte ich mich raus", gab die Verteidigerin lachend zu. Am Fokus der Mannschaft ändert auch der komplizierte WM-Modus nichts. "Wir sind total fokussiert und wollen uns sowieso mehr auf uns konzentrieren", betonte Simons Mitspielerin Svenja Huth.

Seit Donnerstagabend steht fest: Das deutsche Team muss am Samstag  (17.30 Uhr) im ersten K.o.-Spiel gegen Nigeria ran. Doch wer denkt, dass für Simon und ihre Teamkolleginnen das Turnier nach dem ungefährdeten Gruppensieg erst jetzt richtig beginnt, der irrt: "Die Vorbereitung auf die WM war teilweise ein bisschen zäh, aber mit dem ersten Spiel gegen China ging es richtig los", so die Baunatalerin. "Wir sind mittendrin, genießen das und hoffen, dass wir noch lange hier sind."

Sicherheit und Rückhalt

Dafür muss die deutsche Mannschaft sich allerdings weiter steigern und die Spielfreude und das verbesserte Passspiel aus der Partie gegen Südafrika auch gegen schwerere Gegnerinnen zeigen. Das weiß auch Simon. "Sicherheit ist ein Thema – was wir auf dem Platz ausstrahlen und auch unser Spiel, das noch sicherer werden muss", analysierte die Verteidigerin. "Wir hatten zu viele einfache Ballverluste, haben Aktionen nicht sauber zu Ende gespielt. Wenn wir da noch einmal einen großen Schritt nach vorne gehen, wird das auch unser Spiel deutlich besser machen."

Verzichten muss das Team dabei auch weiterhin auf Marozsán, Simons Vereinskollegin aus Lyon. "Sie ist positiv, obwohl es eine sehr schwere Phase ist – nicht nur für uns als Mannschaft, weil sie uns fehlt, sondern auch für sie persönlich", sagte Simon. Marozsán, für die es nach 2011 (Knieverletzung) und 2015 (Fußverletzung) bereits der dritte Rückschlag bei einer WM ist, hofft im Laufe des Turniers noch einmal eingreifen zu können. "Ich glaube, wir geben ihr ein gutes Gefühl und drücken die Daumen, dass es noch zu einem Einsatz kommt", betonte Simon. Für Marozsán und das Team wäre das der nächste Etappensieg auf ihrer ganz persönlichen Tour de France.