Die Arena von Eintracht Frankfurt

Knapp 60.000 Menschen verdienen ihr Geld rund um den Fußball. Wie erleben die Würstchenbudenbesitzer, Securitys, Merch-Hersteller die Corona-Krise und die unterbrochene Saison? Hier kommen sie zu Wort - Teil 2 der Serie.

Roger Menzer, Wirt der Lilienschänke

Ich bin der Wirt der Lilienschänke, der offiziellen Vereinsgaststätte des SV Darmstadt 98. Übernommen haben wir den Laden vor zehn Jahren, also noch zu schlechteren Zeiten des SV Darmstadt. Wir haben jeden Tag geöffnet, 80 Prozent unserer Kundschaft unter der Woche hat mit Fußball gar nichts am Hut. Aber die Spieltage sind eben die Highlights, auch was den Umsatz angeht. Weswegen die Ankündigung von Geisterspielen schon ein Schock war. Wir haben hohe Grundkosten, plötzlich war kein Cashflow mehr da. Ich habe elf Angestellte plus Aushilfen. Die musste ich alle nach Hause schicken. Wir haben Kurzarbeit beantragt, aber das dauert.

Wir sind ein Personenunternehmen, keine GmbH. Das heißt, ich hafte mit meinem Privatvermögen, und da stellt sich die Frage, wie lange ich den Betrieb mit meinem Privatvermögen bezahlen kann. Als es losging, habe ich meinem Personal ganz klar gesagt, dass es keine Kündigung geben wird und wir das irgendwie schaffen. Aber ich muss auch gucken, wie lang das Geld hält. Wir reden über monatliche Kosten von ungefähr 25.000 Euro. Würde ich mein gesamtes Vermögen in den Betrieb stecken, wäre in drei Monaten nichts mehr übrig. Aber ich will ja nicht mit meinem privaten Geld meinen Betrieb retten und dann insolvent sein. Es wäre der Horror, alles zu verlieren, was ich mir aufgebaut habe.

Zur Zeit schlafe ich sehr schlecht

Zur Zeit schlafe ich sehr schlecht. Ich habe zwei kleine Kinder, da macht man sich schon Sorgen um die Zukunft. Wenn ich ein Datum hätte, mit dem ich arbeiten könne, wäre alles viel greifbarer. Aktuell leben wir in dieser surrealen Welt, in der wir nicht wissen, was in ein, zwei, drei Monaten oder einem Jahr ist. Aber ich bin ein positiver Mensch. Ich habe schon viele Schicksalsschläge überstanden und bin immer gestärkt daraus hervorgegangen.

Vielleicht kann so eine Krise auch eine Chance sein. Sie darf nur nicht zu lange dauern. Ich habe hier bei den Lilien viel Charity gemacht, Jonathan Heimes war ein Freund von mir. Sein Motto "Du musst kämpfen" gilt auch in der Corona-Krise. Ohne diesen Kampfgeist geht sowieso nichts, dann ist alles verloren.

Stefan Schlegel, Imbissbudenbesitzer "Bratwurst-Walter"

Ich habe den Imbiss vor anderthalb Jahren von meinem Vater übernommen, als er starb. Er führte Bratwurst-Walter seit 2000, bereits seit 1963 steht der Imbiss am Haupteingang zum Eintracht-Stadion. Wir sind ein Traditionsimbiss. Ich führe das Geschäft im Nebengebwerbe, unter der Woche habe ich noch einen Job in der Logistik. Im Imbisswagen sind wir eine eingeschworene Truppe, auch zu meinen Kunden besteht eine große Verbindung. Sie sind meine Freunde.

Der finanzielle Ausfall ist eine Katastrophe. Ich plane mein ganzes Leben nach der Eintracht, und von jetzt auf gleich hat Corona alles umgeworfen. Ich habe Mitarbeiter, die ich durchbringen muss. Kurzarbeit geht bei ihnen nicht, weil sie geringfügig Beschäftigte sind. Ich habe laufende Kosten, die weiter getragen werden müssen. Das Fahrzeug, Versicherungen, die Standgebühr, die schon fürs ganze Jahr bezahlt ist. To-Go-Essen kann ich nicht anbieten, meine Kundschaft kommt am Spieltag. Niemand weiß, wann und wie es weitergeht, die Zukunft ist ungewiss. Es ist eine Achterbahnfahrt.

Ich habe Angst, wie es weitergeht

Ich habe auch diese Ungewissheit und Angst, wie es weitergeht, auch wie sich die Gesellschaft ändert. Ich bin der Meinung, dass wir, auch wenn es wirtschaftlich schlecht ist, einen richtigen Shutdown machen und drei Wochen alles ruhen lassen sollten. Und dann gucken wir, was passiert. Das, was wir momentan machen, ist nichts halbes und nichts ganzes. Winston Churchill hat mal gesagt: "Ich habe weniger Angst vor denen, die handeln und Fehler machen, als vor denen, die aus Angst vor Fehlern nicht handeln." So sehe ich das auch. Man muss Entscheidungen treffen und eine klare Linie ziehen, sonst bekommen wir das nicht in den Griff.