Spiele vor leeren Rängen drohen nicht nur bei Eintracht Frankfurt.

Knapp 60.000 Menschen verdienen ihr Geld rund um den Fußball. Wie erleben die Würstchenbudenbesitzer, Securitys, Merch-Hersteller die Corona-Krise und die unterbrochene Saison? Hier kommen sie zu Wort - Teil 1 der Serie.

Carsten Simon, Security-Boss

Ich bin der Geschäftsführer der Protect Veranstaltungsdienste GmbH, wir machen die Security bei diversen Veranstaltungen in Hessen. Die Spiele von Eintracht Frankfurt und dem SV Wehen Wiesbaden machen dabei etwa 45 bis 55 Prozent unseres Umsatzvolumens aus. Ich habe 361 Leute auf der Gehaltsliste, davon 113 Festangestellte. Mit der Corona-Krise ist unsere Auftragslage von hundert auf etwa zwei Prozent runtergegangen. Wir haben nur noch einige wenige Aufträge, etwa das Geländer an der Arena oder an der Messe bewachen.  

Für unsere Mitarbeiter ist die aktuelle Situation eine Katastrophe. Alle Mitarbeiter, bei denen das möglich war, haben wir in Kurzarbeit geschickt. Bei den Aushilfen ging das, Stand jetzt, wie man in Frankfurt so schön sagt, noch nicht. Viele der Aushilfen haben umdisponiert und räumen jetzt im Supermarkt Regale ein, um über die Runden zu kommen. Wir sind sowieso im Niedriglohnsektor, die Leute haben ohnehin nicht viel, davon jetzt nur noch 60 Prozent. Meine Leute machen sich erhebliche Sorgen um ihre Zukunft. Bei vielen ist der Monat bis auf den letzten Euro geplant. Die ganz dringenden Fälle bringen wir irgendwo noch zum Einsatz, ich werde als Arbeitgeber das Geld auch noch aufstocken. Aber hier lacht niemand über die Situation. Niemand denkt: Juhu, Freizeit.  

"Wir werden in einer anderen Welt aufwachen"

Ich persönlich bin noch nicht in Panik, wir haben gut gewirtschaftet in den letzten Jahren, und für das Instrument der Kurzarbeit bin ich sehr dankbar. Wir müssen ja auch keine Waren einkaufen oder etwas produzieren, wir produzieren eben Sicherheit. Dementsprechend sind unsere Fixkosten nicht so hoch und wir haben noch ein bisschen Luft. Und ich gehe mal davon aus, dass sich die Situation wieder ändern wird. Vielleicht ist es Wunschdenken, aber ich glaube, dass es Anfang September wieder losgehen wird.

Auch der Fußball wird wieder mit Fans stattfinden. Das Geisterspiel gegen Basel ohne Zuschauer war schrecklich, das konnte man sich ja nicht ansehen. Aber klar, ich muss mich auch mit staatlicher Hilfe befassen, auch wenn unser größter Einzelposten, nämlich die Lohnkosten, aktuell noch von der Arbeitsagentur teilweise übernommen wird. Auch wir brauchen einen Plan B. Der eine oder andere aus der Branche wird es meines Erachtens nicht packen. Wir werden in einer anderen Welt aufwachen.

Rainer Kaufmann, Fanhouse Frankfurt

Ich stelle seit 1988 Eintracht-Fanartikel her, Schals, Shirts, Pullover, meine Produkte sind eher etwas für die Hardcore-Anhänger. An Spieltagen stehe ich ab zweieinhalb Stunden vor Anpfiff mit meinem Stand an der Haltestelle am Stadion, ansonsten bin ich in meinem Geschäft an der Konstabler Wache. Mein Job macht riesig Spaß, ich bin eine echte One-Man-Show, designe, mache den Versand und die Buchhaltung. Nur Mittwochs habe ich eine nette Aushilfe, damit ich mal durchschnaufen kann. Ich gehe schließlich auf die 60 zu.

Am vorigen Mittwoch mussten wir den Laden schließen, schon vorher sind die Umsätze deutlich zurückgegangen. Ich kann die Leute verstehen, Fahnen, Schals und T-Shirts sind in der Corona-Krise eben nicht so wichtig, es geht um Lebensmittel und Klopapier, wie wir alle wissen. Ein paar meiner Stammkunden sind verrückt genug und fragen nach Sonderanfertigungen, aber der Umsatz geht trotzdem gegen Null.

Dadurch, dass ich als Kleinstunternehmer kaum Rücklagen bilden konnte, ist die Situation sehr schwierig. Ich warte auf das Formular vom Staat, es wurde ja vollmundig verkündet, dass auch die Kleinstbetriebe unterstützt werden. Das Arbeitsverhältnis mit meiner Aushilfe musste ich aber erst einmal ruhen lassen. Glücklicherweise ist er sozial abgesichert.

"Ich bin skeptisch"

Angst vor der Zukunft habe ich nicht, ich bin kein ängstlicher Mensch. Aber eine gewisse Furcht, wie es weitergeht, ist schon da. Wichtig ist, wie lange die Krise dauert. Wenn dir die Gelder ausgehen und du die Miete und die laufenden Kosten nicht mehr decken kannst, hast du ein Problem. Und das geht vielen so.

Deswegen würde ich mir auch wünschen, dass der Staat schnell reagiert und seine Versprechen wahr macht. Aber ich bin skeptisch. Banken und große Firmen werden immer gerettet, Kleinunternehmer kommen immer zuletzt dran. Man darf gespannt sein.