Tobias Cramer, Trainer von Hessen Kassel.
Tobias Cramer verlässt Hessen Kassel. Bild © Imago Images

Der KSV Hessen Kassel muss sich einen neuen Trainer suchen. Tobias Cramer verlässt die Nordhessen zum Saisonende.

Nach dem dramatischen Saisonfinale in der Hessenliga und dem damit verbundenen Verpassen der Aufstiegsrunde zur Regionalliga muss sich der KSV Hessen Kassel für die neue Saison einen neuen Cheftrainer suchen. Wie der Verein am Montag mitteilte, informierte Coach Tobias Cramer die Gremien des KSV, dass er den Verein zum Saisonende verlassen und für eine weitere Saison in der Hessenliga nicht zur Verfügung stehen wird.

Cramer war seit 2014 bei den Löwen. Zunächst als Co-Trainer, zur Saison 2016/17 als Cheftrainer. Am vergangenen Samstag verpasste er mit seinem Team um Haaresbreite die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga, weil der direkte Konkurrent aus Alzenau im Parallelspiel in Gießen spät noch zwei Tore zum Ausgleich schoss.

"Ich war sehr angegriffen, sehr melancholisch"

Das tragische Saisonfinale sei jedoch nicht der Hauptgrund für seine Entscheidung gewesen, allenfalls ein emotionaler Randaspekt einer bereits gereiften Entscheidung, wie Cramer im Gespräch mit dem hr-sport sagte: "Das war eine Wahnsinns-Geschichte am Samstag. Ich war sehr angegriffen, sehr melancholisch." Für seinen Abschied vom KSV sei aber eher der Gesamteindruck der Saison entscheidend.

"Wir haben die entscheidenden Ergebnisse nicht geliefert", so Cramer.  Auch deshalb sei der Entschluss gereift, einem Neuanfang nicht im Wege stehen zu wollen. "Ich möchte, dass ein neuer Trainer bei null anfängt und sich ohne Nebengeräusche mit der Mannschaft auf die Saison vorbereiten kann. Die Mannschaft braucht einen neuen Impuls."

Eine Einschätzung, die auch in der Doppelrolle des 44-Jährigen als Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion begründet liegt. Er habe sich gefragt: "Bekommt Tobias Cramer die entscheidenden fünf bis zehn Prozent, die zuletzt oft gefehlt haben, in der neuen Saison hin?" Und habe diese Frage nicht eindeutig bejahen können.

"Hohe emotionale Bindung zum Verein"

Mit seiner Entscheidung beendet Cramer auch die seit Monaten anhaltenden Spekulationen um seine Person. Weil Cramer ankündigte, ab der kommenden Saison seine Ausbildung zum Fußballlehrer machen zu wollen, hieß es seitens des Klubs im Februar, sich im Sommer von Cramer zu trennen, da dieser nicht mehr in Vollzeit verfügbar wäre.

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Tobias Cramer

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Anschließend näherten sich Verein und Trainer aber wieder an. "Ich bin gesprächsbereit und habe eine hohe emotionale Bindung zum Verein", sagte Cramer im April im heimspiel! des hr-fernsehens. Jens Rose, Vorstandsvorsitzender von Hessen Kassel, sagte: "Wir sind miteinander im Gespräch und haben viele Optionen. Wenn wir aufsteigen, hat Tobias Cramer einen gültigen Vertrag, den muss er auch erfüllen." Wenige Tage später stand dann fest, dass Cramer gar keinen Platz für den Lehrgang zum Fußballlehrer bekommen hat.

"Stehen die Gremien wirklich hinter Tobias Cramer?"

Ein öffentliches Hickhack, das ebenfalls in Cramers Entscheidung mit einfloss. "Man muss alles mit einbeziehen, auch die Aussagen der Gremien. Es haben sich Dinge entwickelt, sodass ich mich fragen muss: Stehen die Gremien wirklich hinter Tobias Cramer?"

Der Verein gab bekannt, man wolle den mit Cramer eingeschlagenen Weg mit jungen, regionalen Talenten weitergehen und wünsche dem ehemaligen Coach alles Gute. Cramer selbst hat noch "überhaupt kein Gefühl, wie es weitergeht." Bange ist ihm aber nicht: "Ich bin gelernter Diplom-Sportleher und habe eine vernünftige Ausbildung. Außerdem bin ich mit einer sauerländischen Gelassenheit ausgestattet."