Jubel bei Darmstadt 98

Es ist nicht immer schön, aber es ist erfolgreich: Darmstadt 98 lässt sich gegen Hannover 96 auch von einem Elfmeter-Fehlschuss nicht aus der Ruhe bringen und spielt bundesligareif. Selbst das Verbal-Duell der Trainer endet mit einem Lilien-Erfolg.

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Mehlem-Kracher erlöst die Lilien gegen 96

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Vor dem Zweitliga-Topspiel zwischen Darmstadt 98 und Hannover 96 ging es viel um Handwerkliches. Auf die selbstbewusste Ankündigung von 96-Coach Stefan Leitl, dass auf die Lilien "ein Brett" zukomme, konterte Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht, dass ihn diese Aussage reichlich wenig interessiere, er sich aber freue "ein Brett bohren zu dürfen".

Beide Übungsleiter ließen also schon vor Anpfiff die Muskeln spielen und brachten sich auf Betriebstemperatur. Nach Abpfiff des 1:0-Heimerfolgs, der passenderweise durch einen Hammer von Marvin Mehlem zustande gekommen war, drehte Lieberknecht die Metapher zu seinen Gunsten um und holte so auch auf verbaler Ebene den Sieg. "Wir haben die Hannoveraner unser Brett bohren lassen." Mic Drop.

Darmstadt 98 verlor zuletzt im Juli

Die Lilien hatten zuvor ihren mittlerweile schon unheimlich anmutenden Lauf fortgesetzt und trotz einiger Widrigkeiten die Tabellenführung in der 2. Liga gefestigt. Die letzte Niederlage setzte es für die Südhessen am 1. Spieltag gegen Jahn Regensburg, es folgten insgesamt 16 Pflichtspiele mit immer mindestens einem Remis. Darunter Siege beim Hamburger SV, in Paderborn oder im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach.

"Es macht derzeit viel Spaß. Wir spielen guten Fußball und sind Tabellenführer", fasste Matchwinner Mehlem die Darmstädter Gefühlslage zusammen. Wenig überraschend: Eine längere Erfolgsserie sucht man in allen drei deutschen Profiligen vergeblich. Darmstadt 98 kann sich aktuell wohl nur selbst stoppen.

Hartes Stück Arbeit gegen Hannover

Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch dazu, dass der Sieg gegen die Gäste aus Hannover, die nach einer Roten Karte wegen Handspiels gegen Phil Neumann (30.) mehr als eine Stunde in Unterzahl agieren mussten, hart erkämpft war. Die Lilien ließen sich zwar selbst vom Elfmeter-Fehlschuss von Tobias Kempe im Anschluss an den Platzverweis nicht aus der Ruhe bringen und gingen durch Mehlems Traumtor (62.) verdient in Führung. Im Anschluss verpassten die Darmstädter aber gleich mehrfach die Entscheidung und mussten so in den Schlussminuten noch einmal zittern.

"Gegen zehn Mann ist es nie einfach. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Teams in Überzahl sogar noch verloren haben", betonte Jannik Müller, der dieses Mal in einer etwas veränderten Grundordnung mit Viererkette und vier Mittelfeldspielern auf der Doppelsechs agiert hatte. "Deswegen bin ich froh, dass wir den Job erledigt haben." Ähnlich sah das auch Trainer Lieberknecht: "Wir haben den Deckel nicht draufgemacht. Trotzdem sind solche Siege oftmals die schönsten."

Es sind noch zwei Spiele

Wichtige Erkenntnis: Die Lilien bleiben selbstkritisch. Letztlich sind es aber genau solche Erfolgserlebnisse, die in der Endabrechnung den Unterschied ausmachen werden. In dieser Form und mit diesem Selbstverständnis bleiben die Darmstädter klarer Aufstiegskandidat.

Ein Grund zum Ausruhen oder zum verfrühten Jubeln, auch das betonten alle Beteiligten unisono, ist die aktuelle Lage aber natürlich noch nicht. Bis zur frühesten und längsten Winterpause aller Zeiten stehen nun noch genau zwei Spiele an: Am Donnerstag (20.30 Uhr) geht es nach Magdeburg, zum Abschluss der Hinrunde kommt am Sonntag Greuther Fürth ans Böllenfalltor. "Wir wollen die zwei Spiele noch so gut es geht durchziehen", stellte auch Mehlem klar. "Dann ist genug Pause, da kann man dann vielleicht auch mal anstoßen." Verdient wäre das eine oder andere Glas allemal.

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