Lilien-Trainer Markus Anfang bei seiner Vorstllung

Zwischen den Lilien und Markus Anfang hat es gefunkt, das erste Date des Trainers mit seinem Team steht aber noch aus. Für das Kennenlernen könnte es ein Extra-Trainingslager geben. Ob Serdar Dursun daran teilnehmen wird, scheint offen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anfang über Darmstadt 98: "Das ist ein Traditionsverein"

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Die Chemie, das wurde bei Markus Anfangs Vorstellung am Donnerstag schnell klar, die stimmt. Der neue Lilien-Trainer wirkte an seinem offiziell erst zweiten Arbeitstag beim SV Darmstadt 98 so, als gehöre er schon sehr lange zur Familie. Im neuen Pressekonferenzraum vor der Haupttribüne, der später wohl mal ein Fanshop werden soll, kumpelte sich der 46-Jährige durch seine Auftakt-Veranstaltung und verstrahlte dabei einen Mix aus kleinem Bruder und verschmitztem Schwiegersohn.

Den sportlichen Leiter Carsten Wehlmann, die beiden kennen und schätzen sich aus gemeinsamen Kieler Zeiten, nannte Anfang stets "Wehle". Den in einer Ecke lauschenden Präsidenten Rüdiger Fritsch bat Anfang fast schon liebevoll um Rede-Erlaubnis "Präsi, darf ich das erzählen?" Anfang und die Lilien: It’s a match. So zumindest der erste Eindruck.

Erstes Beschnuppern im Internet

Ob aus der Liebelei, die rund einen Monat nach dem feststehenden Abschied von Dimitrios Grammozis begann und seit dem 1. Juli eine eingetragene Lebensgemeinschaft ist, auf Dauer die große Liebe wird, muss sich aber noch zeigen. Das Problem: Aufgrund der Corona-Beschränkungen fand das erste Beschnuppern zwischen Anfang und den Lilien fast ausschließlich digital statt. "Ich habe das komplette Präsidium über Zoom-Videokonferenzen kennengelernt", so Anfang. "Das war interessant, alle zu Hause zu sehen."

Zeit und die richtigen Rahmenbedingungen für persönliche Treffen gab es bislang allerdings fast gar nicht. Die Spieler, die allesamt bereits im Urlaub sind und erst Ende Juli wieder in Darmstadt erwartet werden, kennt Anfang nur von einzelnen Telefonaten und aus dem Fernsehen. Den ersten und einzigen echten Kontakt gab es zwischen Wehlmann und Anfang bei einem Treffen in einem Hotel. "Das ist gut gelaufen." Alles ein bisschen wie beim Online-Dating. Tinder-Romantik in Südhessen.

Lilien planen Kennenlern-Trainingslager

Damit die rosarote Theorie möglichst schnell auch in der Realität zur Ausschüttung von Glückshormonen führt, planen Anfang und Wehlmann eine Art Klassenfahrt für Profi-Fußballer. Aufgrund der nach wie vor schwierigen Reisevorschriften wird es in diesem Sommer zwar kein mehrtägiges Trainingscamp im Süden Europas geben, "vielleicht machen wir aber ein Kennenlern-Trainingslager", so Anfang.

Heißt: Drei bis vier Tage zusammen an einem Ort Trainieren, Essen, Übernachten. "Es ist einfach etwas anderes, wenn man mal von morgens bis abends zusammen ist." Crashkurs: gemeinsamer Alltag, wenn die anfängliche Verliebtheit verflogen ist.

Was passiert mit Dursun?

Wie groß die Darmstädter Reisegruppe dann sein wird, ist aber noch offen. Klar ist nur, dass der Kader schlanker werden muss. Verdiente Spieler wie Yannick Stark und Marcel Heller haben keinen neuen Vertrag erhalten, die beiden Leihspieler Dario Dumic und Nicolai Rapp kehren zu ihren Ex-Clubs zurück, zudem müssen zwei von vier Ersatz-Keepern gehen. "21 bis 22 Feldspieler plus drei Torhüter wären optimal", betonten Anfang und Wehlmann unisono. Heißt: Weitere Abgänge werden folgen.

Einen, den die Lilien hingegen gerne weiter beschäftigen würden, ist Toptorjäger Serdar Dursun. Der 28-Jährige, der in der vergangenen Saison 16 Treffer erzielte und nicht erst seitdem bei größeren und finanzstärkeren Clubs auf dem Zettel steht, ist das größte Fragezeichen in der Transferplanung. "Ich möchte natürlich alle guten Spieler bei mir haben", stellte Anfang klar. Sollte Dursun den Verein verlassen wollen und eine stattliche Überweisung winken, ist ein Abschied, das wurde zwischen den Zeilen klar, aber wohl nicht zu verhindern. "Dann", so Anfang, "brauche ich aber einen adäquaten Ersatz." Außerdem ganz oben auf der Einkaufsliste: ein Innenverteidiger.

Anfang fördert Taktik-Demokratie

Sobald der Kader steht, wird sich wohl auch entscheiden, welchen Fußball Anfang spielen lassen will. Prinzipiell, das unterstrich der 46-Jährige einige Male deutlich, hält er nichts von Langeweile oder Verwaltungsfußball. "Ich will, dass wir immer aktiv sind." In welcher Formation und mit welcher Taktik er sein Team auf den Platz schickt, will er aber nicht im Alleingang entscheiden. Eine Schablone, die sich jeder Spieler unterordnen muss, gibt es nicht. "Mir ist wichtig, dass wir das gemeinsam erarbeiten", so Anfang. "Es muss zusammenpassen." Die ersten Anzeichen, dass das klappen könnte, sind vielversprechend.