Lilien-Jubel bei Sieg gegen Aue

Dank neuer Taktik feierte der SV Darmstadt 98 am Wochenende den zweiten Sieg in Folge. Bei den Südhessen läuft es auch deshalb, weil sie dem Gegner perfekt den Ball klauen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lilien-Trainer Markus Anfang: Siegen statt Schönspielen

Markus Anfang lacht
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Der umjubelte Star nach dem 4:1-Sieg des SV Darmstadt 98 gegen Aue war Serdar Dursun. Wer drei Tore in einem Spiel schießt, ist das unweigerlich. Etwas abseits bei all dem Trubel stand Defensiv-Allrounder Nicolai Rapp. Dabei hatte Rapp einen ähnlich großen Anteil am Aufwärtstrend der Lilien. Der 24-Jährige war an zwei Darmstädter Toren maßgeblich beteiligt. Zweimal schnappte er dem Gegner erfolgreich den Ball weg.

Das, was in anderen Sportarten wie Basketball "Steal" (Stehlen) genannt wird, war gegen Aue der Schlüssel zum Darmstädter Erfolg. Gleich dreimal klauten die Darmstädter dem Gegner den Ball, schalteten wie aus dem Lehrbuch auf Angriff um und erzielten das Tor. Vor dem 1:0 und dem 3:0 jagte Rapp seinem Gegenspieler den Ball ab. Beim finalen 4:1 schnappte Fabian Schnellhardt Aue das Spielgerät weg.

Schnellhardt passte auf Mathias Honsak, der zum vielumjubelten letzten Lilien-Tor einschoss. "Das freut uns natürlich alle, dass das Gegenpressing klappte und wir die Umschaltsituationen gut ausspielen, da kommt auch von mir ein großes Lob an die ganze Mannschaft", sagte Honsak am Sonntag, dem Tag nach dem Sieg.

Kuriose Darmstädter: Defensive predigen, offensiv brillieren

Was seit knapp zwei Wochen bei den Lilien passiert, ist ein wenig paradox, oder wie es der 4:1-Torschütze Honsak sagt, "lustig". Denn eigentlich hatte Trainer Markus Anfang nach den vielen Gegentoren der vergangenen Monate den Blickpunkt auf dem Platz auf die Defensive gerichtet. "Ich finde das wirklich lustig, wenn wir sagen, wir legen den Fokus auf die Defensive und kommen trotzdem zu so vielen Torchancen und Toren", freut sich Honsak.

Und wirklich: Anfang hatte die Defensiv-Parole vor dem Paderborn-Spiel ausgegeben. Dieses gewannen die Lilien mit 3:2. Zusammen mit dem 4:1 gegen Aue kommen die Darmstädter damit auf stolze sieben Toren in zwei Spielen. Durch die beiden Siege am Stück haben sie zudem den Abstand zum Abstiegs-Relegations-Platz auf acht Punkte ausgebaut.

Kompakt gewinnen statt schön verlieren

"Woche für Woche haben wir immer nur Lob bekommen, wie toll wir Fußball spielen, aber wir haben die Tore nicht gemacht und die Spiele verloren", erinnert sich Anfang. Nun habe man die Spielweise Richtung Defensive ein wenig verändert. Und siehe da, auf einmal klappt es mit dem Darmstädter Toreschießen. Nach dem Motto: Wenn man nicht stets und ständig ans Toreschießen denkt, trifft man besser.

Nach dem Sieg gegen Aue freute sich Anfang zudem über den äußerst geringen Darmstädter Ballbesitz von gerade einmal 38 Prozent. Paradox? Nein! Denn die neue Taktik der Lilien funktioniert vor allem dann, wenn der Gegner den Ball hat. Ballgewinn, schnelles Umschalten, Tor. Dass die Südhessen als Mannschaft gegen Aue fast fünf Kilometer mehr liefen als der Gegner, gehört dazu. Genau so soll der Klassenerhalt schon bald perfekt gemacht werden.

Und Lob vom Gegner gibt es übrigens auch nicht mehr. "Das tut richtig weh, die Darmstädter wollten so gar nichts mit dem Spiel zu tun haben, ich war enttäuscht von den Darmstädtern", polterte Aue-Spieler Pascal Testroet. Worte, die Markus Anfang nach dem 4:1-Sieg wahrscheinlich ein leichtes Grinsen auf das Gesicht gezaubert haben.

Mit Zuversicht ins Sechs-Punkte-Spiel

Im nächsten Spiel bei Eintracht Braunschweig (Samstag, 13 Uhr) könnte Darmstadt 98 einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Auch wenn Anfang warnt: "Es hat jetzt zwei Spiele funktioniert, aber wir müssen nachlegen, wir sind da unten noch lange nicht raus. Wir müssen schauen, dass wir auch in Braunschweig jetzt Punkte holen."

Der Gegner aus Braunschweig, der als Tabellen-15. ebenfalls gegen den Abstieg spielt, wird sich die neue Erfolgs-Taktik der Lilien während der Woche ganz genau angucken. Denn auch am kommenden Wochenende sind sie wieder am Start: die Ballschnapper vom Bölle.