Aziz Bouhaddouz
Der gebürtige Dietzenbacher Aziz Bouhaddouz hofft bei der WM auf Einsätze. Bild © picture-alliance/dpa

Mit Aziz Bouhaddouz ist ein waschechter Hesse bei der Fußball-WM dabei. Der Stürmer ist in Dietzenbach aufgewachsen und geht für Marokko auf Torejagd. Ex-Trainer Ramon Berndroth drückt "Atze" die Daumen.

Wenn die marokkanische Nationalmannschaft am Freitag gegen den Iran in die WM startet, wird auch Ramon Berndroth den Fernseher anknipsen. Der Nachwuchsleiter des Zweitligisten SV Darmstadt 98 schaut speziell wegen seines früheren Schützlings Aziz Bouhaddouz hin. Den Marokkaner, in Dietzenbach groß geworden, hatte Berndroth in seiner Zeit beim FSV Frankfurt trainiert. "Es ist schön, einen im TV zu sehen, den man selbst kennt", sagt der 66-Jährige im Gespräch mit dem hr-sport.

Schon früh hat Berndroth das Talent des aktuellen Pauli-Stürmers erkannt. "Ich hatte ihn schon lange auf dem Schirm. Da hat man schon sehen können, dass später was aus ihm werden könnte", erinnert sich Berndroth an seine ersten Eindrücke. Bouhaddouz wuchs in Dietzenbach in einem sozialen Brennpunkt vor den Toren Frankfurts auf. Er gehört noch zur Sorte der klassischen Bolzplatzkicker. Nach der Schule zockte er mit seinen Freunden auf einem Gummiplatz in Dietzenbach. Oft bis spät abends.

Auf Pauli nennen sie ihn "Atze"

Den Platz gibt es mittlerweile nicht mehr, geblieben sind aber die Erinnerungen Bouhaddouz' an seine Kindheit. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite ein altes Mannschaftsfoto. Zu vielen seiner damaligen Jungs hat "Atze", wie Bouhaddouz von seinen Teamkollegen bei St. Pauli nur genannt wird, noch heute Kontakt.

Aziz Bouhaddouz
Aziz Bouhaddouz und seine Dietzenbacher Jungs Bild © Screenshot hr / Facebookseite Aziz Bouhaddouz

Vom Gummiplatz ging es weiter zum FC Dietzenbach. An seine ersten Spiele im heimischen Waldstadion kann er sich nicht mehr erinnern. Nur daran, dass ihn damals der Jugendcoach immer auf dem Gepäckträger seines Fahrrads mit zum Training nahm. Nach sieben Jahren beim FC zog es Bouhaddouz zum Nachbarclub Spvgg. Neu-Isenburg. Dort blieb er aber nur eine Saison und wechselte 2004 in die Nachwuchsabteilung des FSV Frankfurt.

Vor dem Hotel auf Elber und Makaay gewartet

Schon früh träumte Bouhaddouz von einer Profi-Karriere. Damals war der Sohn marokkanischer Einwanderer Bayern-Fan, schwärmte von Giovane Elber und Roy Makaay. Wenn der FCB damals zu den Auswärtsspielen bei der Eintracht gastierte, wartete Bouhaddouz vor dem Hotel in Gravenbruch auf die Münchner Stars, um ein begehrtes Autogramm zu erhaschen.

Aziz Bouhaddouz damals im FSV-Trikot.
Aziz Bouhaddouz damals im FSV-Trikot. Bild © Rhode/Storch

Heute verteilt Bouhaddouz selbst unterschriebene Fotos mit seinem Konterfei. Bis zum Sprung in den Profi-Fußball war es allerdings ein weiter Weg. "Seinen richtigen Durchbruch hat er erst beim SV Sandhausen geschafft. Da habe ich Aktionen von ihm gesehen, die ich zuvor bei ihm noch nie gesehen habe. Er hat dort eine tolle Entwicklung genommen", sagt Berndroth, der den Marokkaner von 2009 bis 2011 bei der U23 des FSV Frankfurt coachte.

Bouhaddouz als Allzweckwaffe

Bei den Bornheimern pendelte Bouhaddouz als großes Nachwuchstalent zwischen dem Profiteam und der "Zweiten". Die Oberliga-Mannschaft des FSV schoss er mit 23 Treffern in der Saison 2009/2010 zum Regionalliga-Aufstieg. Doch oben durchsetzen bei den Frankfurtern konnte er sich nicht. Ein Jahr später verließ er den FSV und wechselte zum SV Wehen Wiesbaden. Über die weiteren Stationen Viktoria Köln und Bayer Leverkusen II landete der 1,90 Meter große Mittelstürmer schließlich 2014 in Sandhausen.

Seit Sommer 2016 streift sich Bouhaddouz, der erst mit 29 Jahren sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte, das Pauli-Trikot über. "Aziz kannst du in einem Spiel immer bringen. Entweder, um noch ein Tor zu machen. Oder ihn wegen seiner Körpergröße auch hinten bei Standards zuzuteilen, um einen Vorsprung zu verteidigen", hebt Berndroth die Vorzüge des Marokkaners hervor. "Ich mag seine Spielweise. Er ist laufstark und arbeitet gut gegen den Ball." Jetzt hofft der 66-Jährige, dass sich sein früherer Schützling in der WM-Vorrunde gegen den Iran, Spanien und Portugal beweisen kann.

Sendung: hr-iNFO, 15.06.2018, 17 Uhr