Darmstadt 98 KSC Abklatschen

Der SV Darmstadt 98 holt zum Jahresauftakt gegen den KSC nur einen Punkt, kann damit aber leben. Für Frust sorgen das erste Gegentor und die Chancenverwertung. Trainer Torsten Lieberknecht hofft derweil auf den Lerneffekt.

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Lilien-Remis gegen den KSC

Darmstadt-Karlsruhe
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Es wäre der kuriose und nicht wirklich verdiente Schlusspunkt einer vogelwilden Partie gewesen. In Darmstadt lief am Samstagabend die 74. Minute in der Partie zwischen den Lilien und dem KSC. Der Karlsruher Lucas Cueto hatte gerade SVD-Schlussmann Marcel Schuhen umkurvt, den Ball Richtung Tor gebracht und Lilien-Verteidiger Thomas Isherwood die Pille im Anschluss ins eigene Tor bugsiert. Es wäre das 2:3 aus Lilien-Sicht gewesen, aber der Karlsruher Fabian Schleusener stand zuvor hauchzart im Abseits. Und: Es wäre zu viel des Guten gewesen.

Diese Partie, dieses 2:2 der Darmstädter gegen den KSC, war auch ohne diesen vermeintlichen Schlussakt eine vogelwilde Begegnung, eine 90 Minuten lange Achterbahnfahrt, bei der keiner der 250 anwesenden Zuschauer sagen konnte, wie sie ausgehen würde. Und sie zeigte den Lilien, die dadurch den Sprung an die Tabellenspitze verpassten, auf, wo noch Luft nach oben ist.

Schlafmützigkeit beim ersten Gegentreffer

"Für uns war es ab und zu mal etwas zu wild", bekannte Kapitän Fabian Holland nach der Partie. Dabei waren die Südhessen zu Beginn eigentlich gut in der Partie, ließen Ball und Gegner laufen. Die erste unerwartete Wendung nahm die Partie dann aber in der 22. Minute: KSC-Mittelfeldregisseur Marvin Wanitzek führte einen Freistoß schnell aus und Klaus Gjasula traf ins eigene Tor.

Was den plötzlichen Rückstand so bitter machte: Die Lilien waren eigentlich vorgewarnt. "Wir wussten, dass sie Standards auch mal schnell ausspielen", betonte Holland zähneknirschend. "Wir hatten das vorher angesprochen", bestätigte auch Coach Torsten Lieberknecht. "Das ist das Ärgerliche an diesem Spiel." Schlafmützigkeit sollte man sich im Fußball-Unterhaus nicht leisten - gegen keinen Gegner.

"... dann ist es ein wenig ärgerlich"

Die Lilien aber kamen zurück. Direkt nach der Halbzeit drehten Gjasula und Holland die Partie. Eigentlich war der Spielfilm der Partie jetzt vorgeschrieben: 2:1 in Führung, die bessere Mannschaft auf dem Feld, vieles sprach nun für den Sprung an die Tabellenspitze. Bekanntermaßen wurde es aber nichts mit dem nächsten Heimsieg der Darmstädter, was auch daran lag, dass es die 98er im Anschluss verpassten, das dritte Tor nachzulegen.

"Wenn man in Führung ist und noch solche Chancen hat, ist es ein wenig ärgerlich", gab Gjasula zu. Ob nun Marvin Mehlem, Mathias Honsak, Luca Pfeiffer oder Thomas Isherwood: Am Samstag waren es gleich mehrere Lilien-Akteure, die sich auf die Torschützenliste hätten eintragen können - wenn nicht gar müssen.

Zwei Punkte verloren?

Eine komplette Kehrtwende nahm das Spiel aber nicht, der eingangs erwähnten Abseits-Stellung sei Dank. Blieb am Ende nur die Frage: Was ist denn nun dieser eine Punkt wert? Was lernen die Lilien aus diesem Spiel? "Wir müssen nicht jedes Spiel gewinnen. Das 2:2 ist nichts Wildes", formulierte es Holland. "Es sind keine zwei verlorenen Punkte. Wir können mit dem einen Zähler leben", fügte Lieberknecht hinzu.

Aber: Gleich abgehakt wird diese vogelwilde Partie in Südhessen nicht. Ein wenig Nachbetrachtung wird es bei den 98ern in der neuen Woche in jedem Fall geben. Denn Trainer Lieberknecht weiß, was diese Partie bringen kann. "Wir können den Finger in die Wunde legen, was wir besser machen können." Vielleicht ist also gerade der Lerneffekt der große Pluspunkt der Partie.