Torsten Lieberknecht von Darmstadt 98

Der SV Darmstadt 98 muss beim Zweitliga-Start womöglich mehr als eine ganze Fußball-Elf ersetzen. Nach drei Corona-Fällen im Team drohen weitere Quarantäne-Anordnungen, Trainer Torsten Lieberknecht steht vor einem Personal-Puzzle.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So ist die Corona-Lage beim SV Darmstadt 98

Torsten Lieberknecht war zuletzt beim MSV Duisburg tätig.
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Es könnte alles so schön sein beim SV Darmstadt 98. Pünktlich zum Saisonstart in der 2. Liga gleicht sich Südhessen wettertechnisch Südeuropa an und erfreut sich passend zur Vereinshymne der Lilien an einer fast durchweg scheinenden Sonne. Im Stadion am Böllenfalltor werden gegen Jahn Regensburg am Samstag (13.30 Uhr) so viele Zuschauer sein wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr: nämlich exakt 4.786 inklusive einiger Gästefans. Und der neue Trainer Torsten Lieberknecht hat tatsächlich so etwas wie Euphorie entfacht. Endlich wieder Fußball.

Lieberknecht muss mit Rumpftruppe klarkommen

Wäre da nicht dieser verhängnisvolle Mittwoch, an dem die Darmstädter Welt kurzzeitig etwas in Wanken geriet. Bei einer obligatorischen PCR-Testung schrillten drei Tage vor dem Auftakt der neuen Spielzeit gleich bei drei Profis die Covid-19-Alarmglocken: Patric Pfeiffer, Frank Ronstadt und Braydon Manu haben sich mit dem Coronavirus infiziert und befinden sich seitdem in häuslicher Quarantäne. Schwerwiegende Symptome zeigt bislang zwar niemand, die Auswirkungen auf die finale Phase der Lilien-Vorbereitung ist dennoch gravierend.

"Lamentieren gehört nicht zu meinem Repertoire", beteuerte Trainer Lieberknecht auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Genau das wäre angesichts der angespannten Lage aber wohl für jeden verständlich. Neben den drei Corona-Ausfällen werden gegen den Jahn nämlich auch noch Spielmacher Marvin Mehlem, Stürmer Aaron Seydel, Flügelflitzer Tim Skarke und Innenverteidiger Thomas Isherwood definitiv sowie Palsson-Ersatz Nemanja Celic höchstwahrscheinlich ausfallen. "Er hat noch Trainingsrückstand", so Lieberknecht.

Weitere Isolationen könnten folgen

Und als wäre das noch nicht genug, könnten bis zum Anpfiff der Partie weitere Quarantäne-Anordnungen vom Gesundheitsamt folgen. Die Lilien reagierten zwar umgehend nach dem Bekanntwerden der Corona-Ansteckungen proaktiv und isolierten weitere Spieler vom Team. Ob diese Maßnahme jedoch ausreicht und alle prophylaktisch nach Hause geschickten Spieler nicht doch noch dauerhaft in Quarantäne müssen, entscheiden die Behörden. "Die Gefahr ist da, dass der ohnehin schon dezimierte Kader nochmals dezimiert werden könnte", so Lieberknecht. Demnach sei der Einsatz von fünf bis sechs weiteren Akteuren fraglich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Spielverlegung "steht nicht zur Debatte"

Torsten Lieberknecht war zuletzt beim MSV Duisburg tätig.
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Im schlimmsten Fall muss Lieberknecht bei seinem Debüt an der Darmstädter Seitenlinie also gleich 14 Profis ersetzen. Eine mehr als knifflige Aufgabe, die sich so sicher niemand an seinem ersten richtigen Arbeitstag wünscht. Eine Aufgabe, deren Bewältigung aber auch einen enormen Schub für die kommenden Wochen und Monate geben könnte. "Wir werden uns die Vorfreude auf den Beginn der Saison nicht nehmen lassen", versicherte Dauer-Optimist Lieberknecht. "Wir werden am Samstag brennen."

Austragung nicht gefährdet

Eine Absage oder ein Antrag auf Verschiebung der Partie kommt für alle Beteiligten derweil nicht in Frage. Die Lilien hatten bereits am Mittwoch betont, weiterhin genügend Personal zur Verfügung zu haben. Die Austragung sei nicht in Gefahr, hieß es einer Mitteilung. Und auch Lieberknecht betonte am Donnerstag noch einmal, dass sein Team – wie auch immer dieses aussehen mag – am Samstag auf dem Platz stehen werde. "Eine Verlegung steht nicht zur Debatte." Mangelnden Willen oder mangelnden Einsatz kann man den Lilien schon jetzt nicht vorwerfen. Hauptsache: Es geht wieder los. Und die Sonne scheint.