Palsson und Grammozis von Darmstadt 98 jubeln

Nach zwei Siegen in Folge liegt Darmstadt 98 dicht hinter den Aufstiegsplätzen und schielt vorsichtig in Richtung Bundesliga. Noch lassen sich die Lilien nicht zu Kampfansagen verleiten, das könnte sich aber bald ändern.

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Grammozis PK nach Aue
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Partystimmung wollte auf der knapp vierstündigen Heimfahrt der Lilien von Aue in Richtung Südhessen am Dienstagabend noch nicht aufkommen. Aufgeteilt in zwei Busse und mit dem zweiten Sieg in Folge im Gepäck machte sich der Tross von Darmstadt 98 direkt nach Abpfiff auf in heimische Gefilde, und hätte sich dabei durchaus das eine oder andere Getränk von der Raststätte und etwas Gute-Laune-Musik verdient gehabt.

Doch stattdessen: Ruhe. "Einige haben Filme oder die Highlights der Spiele geguckt, ich habe geschlafen", berichtete Debütant Braydon Manu am Mittwoch. Etwas mehr Euphorie dürfte es aber schon sein.

Palsson hat Bock

Nach dem überzeugenden 3:1-Erfolg beim von Ex-Coach Dirk Schuster trainierten Tabellennachbarn Erzgebirge Aue fehlen den Darmstädtern aktuell nur noch drei Punkte zu Relegationsrang drei. Das Team von Bald-Ex-Coach Dimitrios Grammozis, das nach der Nach-Corona-Auftaktpleite beim Karlsruher SC im Niemandsland der Tabelle feststeckte, ist inzwischen ein veritabler Aufstiegskandidat und mittendrin im Rennen um die vorderen drei Plätze.

Die Sensation: durchaus möglich. Die Lust auf ein prickelndes Saisonfinale: spürbar. "Wir wollen mehr, mehr, mehr, mehr", fasste Victor Palsson die Gefühlslage zusammen.

Erst Abstiegs-, jetzt Aufstiegskandidat

Die vorderen vier Teams können zwar allesamt an diesem Spieltag noch nachziehen und punkten, der VfB Stuttgart und der HSV treffen sich am Donnerstag im direkten Duell. Die Lilien müssen sich angesichts ihrer Form aber vor niemandem verstecken. Im Gegenteil.

"Das ist schon komisch. Nach dem KSC-Spiel wurde gefragt, ob wir Angst vor dem Abstieg haben", blickte Palsson auf das Auf und Ab der vergangenen zwei Wochen zurück. "Nach zwei Siegen jetzt das. Aber es ist schon ein positives Gefühl, auf Platz fünf zu stehen."

Trotz des feststehenden Abgangs von Grammozis, der laut Bild-Zeitung bei einer Pleite gegen St. Pauli sogar vorzeitig entlassen werden sollte, spielen die Lilien ebenso befreit wie erfolgreich. Das Selbstvertrauen ist da, Konter- und Defensiv-Stärke sind zurückgekehrt, die ungewohnte Geisterspiel-Kulisse ist längst kein Thema mehr. "Wir spielen gerade guten Fußball", so Palsson. Von Verunsicherung keine Spur.

Top-Duelle zum Schluss

Und als hätte es der Spielplan-Ersteller gewusst, kommt es in den kommenden Wochen zunächst zu machbaren Aufgaben, dann folgen drei Saisonabschluss-Highlights. Gegen die Mittelfeld-Mannschaften Fürth, Regensburg und Hannover sind Siege definitiv machbar, danach kommt es zu zwei direkten Duellen mit den Konkurrenten aus Bielefeld und Stuttgart sowie dem Derby gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Eine Kampfansage kommt den Darmstädtern vor diesem Programm wie üblich nicht von den Lippen, zwischen den Zeilen glauben die Lilien aber durchaus an den großen Wurf. "Alles kann passieren", unterstrich Palsson: "You'll never know." Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Darmstädter Team aus dem Nichts in die Bundesliga aufsteigt.