Darmstadts Torwart Schuhen kassiert wieder ein Gegentor nach einer Ecke.

Keiner schießt so oft aufs Tor und keiner leidet so oft nach ruhenden Bällen wie Darmstadt 98. Ausgerechnet jetzt geht es zum HSV - aber das kann dem Spiel entgegenkommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anfang: Mehr ins Umschaltspiel kommen

Markus Anfang vom SV Darmstadt 98
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Bei den Lilien wurde viel gesprochen, warum so wenig getroffen wurde. Darmstadts Trainer Markus Anfang bat sein Team nach der Niederlage gegen Düsseldorf zu vielen Einzelgesprächen. Ergebnis: Die Chancen müssen wieder genutzt werden. Doch die Mannschaft plagen vor dem Auswärtsspiel am Freitag um 18:30 Uhr beim Hamburger SV noch weitere Probleme.

Keiner schießt so oft wie die Lilien

Team und Trainer haderten zurecht mit der mangelnden Effizienz. In der Tat springen für die Lilien zu wenig Punkte bei großem Aufwand heraus: 382 Torschüsse gaben sie in dieser Saison ab - so viele wie kein anderes Team der Zweiten Liga. Doch der Erfolg hängt zu oft von Mittelstürmer Serdar Dursun ab. Gegen die Fortuna wurde Dursun aber bis auf seinen Elfmeter und eine Kopfballchance mit vielen harten Zweikämpfen in seinem Wirken eingeengt.

Zur Darmstädter Problemzone wird nicht nur die Offensive, sondern auch die Defensive. Gegen die Fortuna ließ die Mannschaft zwar nicht allzu viel zu, schenkte aber beide Gegentore einfach her. Keeper Marcel Schuhen bemängelte lautstark die fehlende Zuteilung. Vor dem 0:1 flipperte der Ball nach einer Ecke durch den Strafraum und wurde dann vom freistehenden Luka Krajnc eingeköpft.

Darmstädter Problem: die Standards

Die Lilien fingen sich damit bereits den 19. Gegentreffer nach einer Standardsituation (elf nach Ecken oder Freistößen, acht nach Elfmeter). Damit sind sie Liga-Schlusslicht. Am Mittwoch erklärte Anfang die Situation gegen die Fortuna. Düsseldorf plante zwei Varianten bei der Ecke: das Anlaufen im Pulk oder die Verteilung aus dem Raum. Kurz vor der Ausführung änderte der Gast zwei Mal den Plan und überrumpelte die Lilien.

"Wir sind dann am kurzen Bereich nicht hart genug in den Ball reingegangen. Aber davor bist du nicht immer gefeit", so Anfang. Die Lilien trainieren die Standards - auch in der Offensive. "Auch da würde ich mir wünschen, dass wir mal das eine oder andere Tor machen", sagte Anfang.

Der sicherste Passspieler macht den Fehler

Dem zweiten Gegentreffer war ein Fehlpass von Immanuel Höhn vorausgegangen. Das Kuriose: Ausgerechnet Höhn ist mit einer Quote von 93,09 Prozent der passsicherste Spieler der gesamten Liga. Doch in der konkreten Situation wollte er das Spiel mit einem Diagonalball auf außen aufbauen. Ein anspruchsvoller Weg, den die Darmstädter aber häufiger im Spiel wählten. Sie überspielten die Angriffslinie der Düsseldorfer mit einem hohen Ball. "Wenn es zu eng wird, dann spielen wir lange Bälle - kein Risiko", hatte Trainer Anfang vorgegeben. "Doch in dieser Situation brauchte Höhni gar nicht den langen Ball spielen", sagte der Coach hinterher.

Neben Höhns Fauxpas brachten die Lilien einige Bälle von hinten heraus nicht an den Mann und fingen sich gefährliche Konter des Gegners, bei denen die Doppelsechs in die ungeliebte Rückwärtsbewegung gezwungen wurde. Schon im Heimspiel gegen Aue war jenes Muster erkennbar, allerdings hatten die Gäste in jener Partie mehrere Hochkaräter vergeben. Am Ende siegte Darmstadt etwas zu deutlich mit 4:1.

Anfang und die Aufbau-Frage

Gegen den HSV könnte Anfang also wieder vor der Frage stehen: Wie bauen wir auf? Auch die Hamburger greifen oft hoch an, worauf die Lilien wieder mit langen Bällen oder flachen Anspielen durchs Zentrum reagieren könnten. "Düsseldorf hat uns mehr den Ball überlassen. Gegen den HSV müssen wir noch mehr ins Umschaltspiel kommen", so Anfang.

Darmstadt scheint es nicht unrecht zu sein, am Freitag weniger den Ball zu haben. Vielleicht kommt der HSV dem Team gerade nicht ungelegen. Personell steht Coach Anfang dafür fast der komplette Kader zur Verfügung. Einzige Ausnahmen: Adrian Stanilewicz (Ödem im Unterschenkelknochen), Florian Stritzel und Silas Zehnder.

Spieler machen Schnelltests im Auto

Dass sich die Lilien ansonsten bester Gesundheit erfreuen, ist gerade in der Zweiten Liga mittlerweile eine Nachricht wert: Denn mit dem SV Sandhausen und dem Karlsruher SC befinden sich derzeit zwei Mannschaften in 14-tägiger Quarantäne. Der vergangene Gegner Düsseldorf konnte nur in Darmstadt spielen, weil der Corona-erkrankte Kenan Karaman vorher keinen Kontakt zur Mannschaft gehabt hatte.

Darmstadts Spieler fahren in diesen Tagen zum Gelände, machen einen Schnelltest im Auto auf dem Parkplatz und kommen nur bei negativem Resultat zum Trainingsplatz. "Wir müssen alles dafür tun, uns nicht anzustecken", sagte Anfang am Mittwoch. "Und wir müssen mit dieser Pandemie leider alle leben."

Lilien in Hamburg


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