SVD-Trainer Grammozis bei der PK

Nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen zwischen Darmstadt 98 und Trainer Dimitrios Grammozis scheint das gegenseitige Vertrauen verloren. Nur: Wer Schuld ist, ist Ansichtssache.

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zum Video Grammozis auf der PK: "Es ging nicht ums Geld"

Dimitrios Grammozis PK still
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Mittlerweile kommt es schon mal häufiger vor, dass Fußballvereine auf ihren Pressekonferenzen den Journalisten vorab mitteilen, was diese denn zu fragen hätten. Oder genauer gesagt: was nicht. Brisante Themen sollen so umschifft werden, meist mit dem Hinweis versehen, es gehe heute bitte nur ums Sportliche. Auch in Darmstadt hätte am Donnerstag eine solche Pressekonferenz stattfinden können, schließlich war am Mittwoch ja veröffentlicht worden, dass sich die Lilien und ihr Trainer Dimitrios Grammozis zum Saisonende trennen. Und das – wie immer deutlicher wird – alles andere als harmonisch. Grammozis wollte einen längerfristigen Vertrag, der Verein bot ihm nur ein Jahr an. Verhärtete Fronten.

Was nun auf dem kleinen Podium im Darmstädter Böllenfalltor geschah, war erstaunlich. Denn statt das Thema unter den Tisch fallen zu lassen, fragte sogar der Pressesprecher den neben ihm sitzenden Trainer, was denn bei den Verhandlungen eigentlich schief gelaufen sei. Und der Trainer erzählte. "Ich bin hier angetreten, um mit der Mannschaft ein Bild zu entwickeln, das Darmstadt-like ist", sagte Grammozis. Dafür brauche es Vertrauen und Zeit, ein Vertrag über ein Jahr sei ihm dabei zu kurz gewesen. "Wir haben dabei zu keinem Nenner gefunden." Und wichtig: "Es ging nicht ums Geld."

Klauseln, abgesagte Termine und Vertragsdetails

Aus dem Umfeld des Vereins ist zu hören, dass die Entscheidungsträger indes auch nicht völlig überzeugt von Grammozis Qualitäten waren. Jedenfalls nicht so sehr, dass sie ihm ohne weiteres einen längeren Kontrakt angeboten hätten. Wie der hr-sport erfuhr, stand aber eine mündliche Vereinbarung im Raum, bei einem geglückten Saisonstart den Vertrag ungewöhnlich früh, nämlich im Herbst, schon um ein weiteres Jahr zu verlängern. Das soll Grammozis ausgeschlagen haben - sowie auch mögliche Klauseln.

Man merkt: So einfach, wie zuletzt von beiden Seiten dargestellt, sind die Verhandlungen dann wohl doch nicht gelaufen. Pikant auch: Auf der Pressekonferenz betonte Grammozis, dass man sich erst in der vergangenen Woche wirklich konkret unterhalten habe. Allerdings scheint daran auch der Berater des 41-Jährigen nicht ganz unbeteiligt. Aus Vereinskreisen hört man, dass dieser zwei angesetzte Termine kurzfristig abgesagt hatte. Einmal sogar erst zwei Stunden vorher.

Kommt da noch etwas?

Beim südhessischen Zweitligisten entsteht immer mehr das Bild, dass da zwei Seiten miteinander verhandelten, die beide nicht bis zum letzten Funken überzeugt gewesen sind. Grammozis geht nun auf Vereinssuche – was ihm angesichts seines Alters und der in Darmstadt erworbenen Vorschusslorbeeren sehr leicht fallen dürfte. Und die Lilien suchen einen Coach – was bedeutend schwieriger sein wird. Denn Grammozis erfüllte die Vorgabe, den Club im stabilen Fahrwasser der zweiten Liga zu halten.

Die Mannschaft jedenfalls, so berichtet der Noch-Lilien-Coach, sei "nicht glücklich" gewesen, als er ihr die Nachricht überbrachte. Noch ist nicht ganz klar, wie viel Vertrauen in Darmstadt durch die missglückten Verhandlungen tatsächlich abgetragen wurde. Eine vorzeitige Trennung schließen beide Seiten zwar (noch) aus, doch auch die sportlichen Folgen sind noch nicht absehbar. Am Samstag jedenfalls spielt Darmstadt zu Hause gegen Heidenheim. Grammozis wird vielleicht ein bisschen neidisch auf die gegnerische Trainerbank gucken. Dort sitzt ein gewisser Frank Schmidt – und zwar schon seit 13 Jahren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Grammozis-Kommentar: Komplett nicht nachvollziehbar

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