Hängende Köpfe bei Darmstadt 98
Hängende Köpfe und enttäuschte Gesichter bei Darmstadt 98 nach dem Spiel gegen Heidenheim Bild © Imago

Drei Spiele, zwei Niederlagen: Beim SV Darmstadt 98 nehmen sie nun auch selbst das Wort Abstiegskampf in den Mund. Jetzt sind Frühaufsteher-Qualitäten gefragt.

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Holland zu Sieg gegen Magdeburg

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fabian Holland: "Machen derzeit zu viele Fehler."

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Spätaufsteher sind die erfolgreicheren Menschen, das hört man immer wieder. Sie sollen kreativer sein, motivierter, und am Ende des Tages – das liegt ja irgendwie in der Natur der Sache – den längeren Atem haben. Wer es mit dem späten Aufstehen aber übertreibt, der läuft Gefahr, dass der ganze Tag im Eimer ist. Auch im Sport, auch im Fußball, auch beim SV Darmstadt 98.

Drei Spiele haben die Südhessen im neuen Zweitliga-Jahr 2019 nun hinter sich. Drei Spiele, in denen sie beim Blick auf die nackten Zahlen jeweils erst in der Schlussphase angefangen haben, Fußball zu spielen. Ein Mal, beim 2:1-Heimsieg gegen den FC St. Pauli, ging das noch gut. Ein später Doppelpack mit Toren von Marcel Heller und Serdar Dursun innerhalb der letzten zehn Spielminuten hatte den Lilien Ende Januar einen erfolgreichen Start in die Restrunde beschert.

Moral ja, Ertrag nein

Zwei Mal aber kam das Aufbäumen nachweislich zu spät. Erst beim 2:3 im Kellerduell in Duisburg vor rund einer Woche, dann beim 1:2 gegen Heidenheim am vergangenen Sonntag. Wieder kam Darmstadt zwischen der 70. und 90. Minute zu Treffern, zu einem Unentschieden oder gar einem weiteren Sieg reichte es im Februar aber noch nicht. Ereignisse, die gleichermaßen an Kraftreserven und Nerven zerren.

"Es ist einfach schwierig, wenn man in jedem Spiel zurückliegt und sich zurückkämpfen muss", gab Neu-Kapitän Fabian Holland nach dem Heidenheim-Spiel unverkrampft zu. "Wir zeigen immer Moral, aber so können wir die Spiele einfach nicht angehen. Wir spielen gegen eklige Mannschaften, die nutzen unsere Fehler eiskalt aus." Und Trainer Dirk Schuster sagte: "Nach dem 1:2 hatten wir die Hoffnung, etwas hierzubehalten. Das wäre aber nicht verdient gewesen."

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PK Darmstadt Heidenheim

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Zugegeben: Mit dem 1. FC Heidenheim gastierte eine formstarke Mannschaft im Stadion am Böllenfalltor, und in allen drei Partien hatten die 98er weit vor der 70. Minute Spielanteile sowie Torgelegenheiten. Neben den Problemen mit dem rechtzeitigen Wachwerden deuten aber noch andere Anzeichen daraufhin, dass sich die Lilien im Frühjahr 2019 – wie schon in der vergangenen Saison zu diesem Zeitpunkt – mit dem Thema Abstiegskampf auseinandersetzen müssen.

In den vergangenen zehn Spielen hat Darmstadt gerade einmal zwei Siege und acht Punkte verbuchen können. Die ungewohnte Abwehrschwäche zieht sich spätestens seit dem 2:4 in Kiel Ende September wie ein roter Faden durch die Saison – und konnte auch von den Winter-Neuzugängen ad hoc noch nicht behoben werden. Patrick Herrmann sowie Mathias Wittek für die Viererkette und Victor Pálsson sowie Christoph Moritz für ein neues defensives Mittelfeld sollen die Hintermannschaft des SV98 wieder zu einem Bollwerk machen. Eine Blitz-Reparatur blieb allerdings aus, stattdessen stellt der ehemalige Bundesligist mit nunmehr 39 Gegentoren derzeit die Schießbude der Liga.

Lichtblick Herrmann

Kleiner Lichtblick: Herrmann, Ende Januar von Ligakonkurrent Holstein Kiel gekommen, war in seinem zweiten Startelfeinsatz auffällig stark ins Lilien-Spiel eingebunden, spielte die meisten Pässe (61) und hatte die meisten Ballbesitzphasen (103) aller Profis auf dem Feld, gewann zudem die drittmeisten Zweikämpfe (15). Zu alter Defensivstärke reicht es aber noch nicht: Letztmals ohne Gegentreffer blieb Darmstadt beim 2:0 gegen Fürth – Ende Oktober war das, am elften Spieltag.

Der 22. Spieltag bringt dem Team von Trainer Schuster am Freitag ein Auswärtsspiel beim SV Sandhausen. Das ist allein deshalb eine sportlich heikle Angelegenheit, weil die 98er mit nur fünf Pünktchen aus zehn Spielen die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga sind. Weniger heikel, dafür aber umso wichtiger ist die Partie deshalb, weil der Tabellenvierzehnte mit (noch) sechs Punkten Vorsprung zum -Sechzehnten reist.

Franke spricht offen vom Abstiegskampf

"Wir sind alle so realistisch, dass wir jetzt schon im Abstiegskampf sind", rief Innenverteidiger und Vizekapitän Marcel Franke am Montag den Kampf um den Klassenerhalt aus. "Auch wenn du das Spiel gegen Sandhausen gewinnst, bist du noch nicht raus aus dem Abstiegskampf." Das Spiel im Hardtwald-Stadion wird übrigens um 18.30 Uhr angepfiffen. Spätestens dann sollte der Lilien-Wecker klingeln, so laut es nur geht.