Markus Anfang

Darmstadt 98 atmet durch: Der Sieg gegen Osnabrück hat für etwas Entspannung im Tabellenkeller der zweiten Liga gesorgt. Doch vor dem nächsten Schlüsselduell gegen St. Pauli bleiben die Lilien ob der eigenen Spielweise kritisch.

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Tobias Kempe war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. "Nach den letzten Spielen tut der Sieg richtig gut“, sagte der Mittelfeldspieler am hr-Mikro, nachdem der SV Darmstadt 98 den ersten Erfolg seit drei sieglosen Pflichtspielen in Folge eingefahren hatte. Im Zweitliga-Kellerduell gegen den VfL Osnabrück gab es am Sonntag einen knappen, aber verdienten 1:0-Heimsieg. "Drei Punkte gegen einen Mitkonkurrenten – das gibt Selbstvertrauen", so Kempe.

Eine Auffassung, die Markus Anfang zwar grundsätzlich teilte ("Wir sind für den Kampf, den wir abgeliefert haben, belohnt worden") – doch der Trainer der Lilien kam in seiner Analyse nicht um die erneut aufgetretenen Probleme der vergangenen Spieltage herum. Stichwort: Offensivkraft.

Viele Chancen, nur ein Tor

"Wir tun uns gerade schwer damit, Tore zu machen", beschrieb der Coach eine der größten Darmstädter Schwachstellen dieses Winters, die auch im Spiel gegen Osnabrück wieder zutage trat. Sowohl vor als auch nach dem Siegtreffer durch Mathias Honsak (32. Minute) hätte der SV98 durch Kempe (9., 48.), Serdar Dursun (35.) oder Honsak selbst (63.) mindestens ein weiteres Tor erzielen können, wenn nicht sogar müssen. Marvin Mehlems Treffer zum 2:0 war wegen einer Abseitsposition aberkannt worden (53.).

In den 90 Minuten gegen den VfL schossen oder köpften die Südhessen 17 Mal aufs gegnerische Gehäuse. Gegen formschwache und mittlerweile noch abstiegsbedrohtere Niedersachsen, die nach der siebten Niederlage in Folge Trainer Marco Grote freigestellt haben, ist ein 1:0 bei dieser Statistik definitiv zu wenig. "Wir haben uns das Leben schwer gemacht", resümierte auch Anfang. "Fußballerisch können wir noch mehr."

Doch den kritischen Ansätzen zum Trotz: Nach dem Befreiungsschlag war am Sonntag auch Platz für Lob. Anfang freute sich besonders über den "leidenschaftlichen Kampf", mit dem sich seine Spieler ins Duell mit dem VfL geworfen hatten. Auch in puncto Kommunikation, zuletzt nicht die große Stärke der Darmstädter, habe der Trainer eine Verbesserung gesehen.

Die Mannschaft sei "aus sich rausgegangen – in manchen Situationen. Noch nicht genug, aber es war auf jeden Fall ein Schritt nach vorne. Das wird ein Selbstläufer, wenn Du Erfolgserlebnisse hast. Aber es ist schwer, wenn Du Rückschläge hattest". Und davon hatten die Lilien zuletzt wahrlich genug.

Am Samstag gegen St. Pauli

Die Last-Minute-Dramen in Regensburg und gegen Nürnberg sowie das Pokal-Aus in Kiel sind zwar noch nicht allzu lange her, doch für die Lilien zählt jetzt ohnehin nur der Blick in die nahe Zweitliga-Zukunft. Am Samstag (13 Uhr) steht das nächste wichtige Kellerduell bei Tabellennachbar FC St. Pauli an. Noch so ein Match, an dessen Ende es nicht schaden würde, Erleichterung in den Gesichtern von Tobias Kempe und Co. zu erkennen.