Die Spieler des SV Darmstadt 98 waren erschöpft nach der Partie gegen den VfL Bochum.

Der SV Darmstadt 98 steht kurz vorm Klassenerhalt. Den will Trainer Dimitrios Grammozis beim Tabellenführer aus Köln schaffen. Dabei könnten die Lilien von der Kölner Krise profitieren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darmstadt kann in Köln den Klassenerhalt feiern

Imago Lilien
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Immerhin: Am Wetter wird es diesmal nicht liegen. Milde 17 Grad und leichter Regen sind für den Freitagabend in Köln angesagt, also keinesfalls die Sommerhitze, die den Lilien am vergangenen Wochenende den Klassenerhalt im Heimspiel gegen den VfL Bochum zunichtemachte. "Wenn es vom Frühling zum Sommer übergeht", hatte Mittelfeldspieler Christoph Moritz nach der Partie gegen den VfL gesagt, "schaut man schon nach 14 oder 15 Minuten auf die Anzeigetafel und denkt, dass es doch schon Halbzeit sein könnte. Ich hoffe, dass sich der Körper schnell daran gewöhnt."

Ob tatsächlich die 24 Grad am vergangenen Wochenende ausschlaggebend für den müden Kick der Lilien waren, sei mal dahingestellt. Klar ist: Darmstadt-Trainer Dimitrios Grammozis erwartet für das kommende Spiel beim Tabellenführer mehr von seiner Mannschaft. Nicht weniger als den Klassenerhalt nämlich. "Wir haben sehr gute Karten, aber den letzten Schritt noch nicht gemacht", so Grammozis vor dem Spiel.  "Und unser Fokus liegt darauf, es in Köln unter Dach und Fach zu bringen."

"Dann habe ich ja nichts zu verlieren."

Die Karten sehen konkret so aus: Bei vier verbleibenden Spielen haben die Lilien zehn Punkte Vorsprung auf den 1.FC Magdeburg, der mit 27 Punkten auf dem Relegationsrang liegt, sowie elf Punkte Vorsprung auf den FC Ingolstadt, der auf dem ersten direkten Abstiegsplatz rangiert. Das alles bei der besseren Tordifferenz. Auch wenn Grammozis und seine Spieler sich noch bedeckt halten: Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es die Lilien in dieser Saison doch noch erwischen sollte.

Es gibt indes einfachere Gegner für den letzten Schritt zum Klassenerhalt als den Tabellenführer aus Köln, der mit 59 Punkten seinerseits kurz vor dem fixen Wiederaufstieg steht. Das weiß auch Grammozis, der sich nichtsdestoweniger kampfeslustig gibt: "Wir fahren auch nach Köln, um dort etwas zu holen. Wir wissen aber auch um die große Herausforderung, die uns dort erwartet." Noch nie konnten die Lilien in Köln gewinnen, bei elf Partien gelang nicht ein einziger Sieg. Eine Statistik, die der Lilien-Trainer gelassen sieht: "Dann habe ich ja nichts zu verlieren."

"Man kann so einen Verein nicht demokratisch führen."

In der Tat sind es eher die Kölner, die etwas zu verlieren haben, zumal die Stimmung in der Domstadt trotz des fast sicheren Aufstiegs besser sein könnte. Trainer Markus Anfang wirkt angezählt, ein klares Bekenntnis von FC-Manager Armin Veh bleibt aus. Hinzu kommen angebliche Querelen in der Mannschaft und öffentlich ausgetragene Machtkämpfe, die Veh gewohnt kernig zusammenfasste: "Man kann so einen Verein nicht demokratisch führen." Auch die sportliche Bilanz der Kölner ist aktuell durchwachsen: Aus den letzten drei Spielen holte der „Effzeh“ nur zwei Punkte, neben einem vogelwilden 4:4 beim Tabellenletzten aus Duisburg gab es zuletzt eine 0:3-Pleite in Dresden.

Grammozis wischt den Gedanken an eine Kölner Krise allerdings vehement vom Tisch. "Wir werden sicherlich auf keine verunsicherte Mannschaft treffen. Für mich spielt Köln eine herausragende Runde, in dieser schwierigen Liga mit solchem Vorsprung an der Spitze zu stehen." Vielmehr verfüge der Gegner über einen "Top-Kader und auf den meisten Positionen absolute Erstliga-Spieler."

"Wir müssen defensiv gut stehen"

Dennoch: Chancenlos wird man gegen angeknockte Kölner nicht sein. Das Rezept ist einfach: "Wir müssen defensiv gut stehen", so Grammozis. Dazu beitragen wird auch die entspannte Personallage beim in dieser Saison so oft von Verletzungssorgen gebeutelten Hessen. Grammozis sprach gar davon, erschrocken zu sein, "weil so viele Spieler beim Training auf dem Platz standen." Einzig Marcel Franke wird noch ausfallen.

Und so stehen die Zeichen auf Klassenerhalt. Nicht nur, weil die Lilien nur noch einen mickrigen Punkt brauchen. Sondern auch, weil ein Ausrutscher der Konkurrenz aus Magdeburg und Ingolstadt bereits genügen würde. Und dann, so viel ist sicher, scheint in Darmstadt auf jeden Fall wieder die Sonne. Und das wird dann auch Christoph Moritz gefallen.