Lars Lukas Mai und Nicolai Rapp könnten die Lilien verlassen

Corona, Abstiegskampf und Ausleihen - die Planung für die neue Saison fällt Darmstadt 98 schwer. Neben Stürmer Serdar Dursun könnten weitere Leistungsträger im Sommer gehen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Markus Anfang über die Kaderplanung für die neue Saison.

Markus Anfang beim Spiel auf Pauli
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Ein beliebter Witz unter Sportjournalisten lautet: "Geht ein Sportjournalist an einer Kneipe vorbei…". In Darmstadt könnte man das Bonmot ummünzen in: "Geht Serdar Dursun an einem Ball vorbei…" Denn beim Training unter der Woche wurde wieder einmal deutlich, wie unwahrscheinlich dieses Szenario ist. Selbst beim Aufwärmen fand der Mittelstürmer immer wieder Zeit, herumliegende Bälle in Mini-Tore auf der anderen Spielfeldseite zu donnern. Die Erfolgsquote war ähnlich groß wie in der Liga: Dursun hat bereits 15 Tore in 25 Spielen geschossen.

Bei diesen Zahlen scheint offenkundig, dass der Toptorschütze bei auslaufendem Vertrag in der kommenden Saison nicht mehr für die Lilien die Bälle lospfeffern wird – egal ob beim Aufwärmen oder in den Spielen. Intern sind die Lilien nun auch skeptisch, dass Dursun seinen Kontrakt verlängern wird. Die Suche nach einem gleichwertigen Ersatz für den zweitbesten Stürmer der Liga bei angespannter Finanzlage dürfte ähnlich schwer werden wie jene nach dem Bernsteinzimmer.

Anfang muss seinen Plan gleich über Bord werfen

Zudem ist noch nicht gesichert, dass die Lilien auch für die Zweite Liga planen können. Immerhin beträgt das Polster auf den Relegationsrang nach drei Spielen ohne Niederlage bereits neun Punkte (plus die bessere Tordifferenz). Trainer Anfang sagt: "Wir sind froh, dass wir die letzten drei Spiele so gestaltet haben. Das gibt uns zumindest schon einmal eine gute Tendenz, ohne eine Sicherheit zu haben."

Die Pandemie hat auch den SV98 im finanziellen Schwitzkasten. Anfang hatte bei Dienstantritt von drei Transferperioden gesprochen, die es für einen Kader nach seinem Gusto bräuchte. Doch davon musste er schnell Abstand nehmen: "In der ersten Transferphase war unsere Situation schon ganz anders als zum Zeitpunkt unserer Verhandlungen."

Nur vier Spieler haben einen langfristigen Vertrag

Die Fluktuation im Kader könnte immens sein: Viele Verträge laufen in diesem Sommer oder im Juni 2022 aus. Auch bei Letzteren müssten nun schon personelle Entscheidungen anstehen, denn in diesem Sommer könnten die Lilien noch eine Ablöse kassieren. Der Markt im Winter erscheint meist nicht besonders lukrativ für abgebende Vereine. Im aktuellen Kader haben laut transfermarkt.de nur vier Spieler einen langfristigen Kontrakt über 2022 hinaus: Thomas Isherwood, Patric Pfeiffer, Tobias Kempe und Henry Jon Crosthwaite.

Die erste Personalentscheidung steht bereits am kommenden Mittwoch an: Dann müssten die Unklarheiten um Seung-ho Paik aufgelöst werden, der eigentlich zum südkoreanischen Klub Jeonbuk wechseln wollte. Nach Diskussionen um ein Rückkaufsrecht für seinen Ausbildungsverein stand der Wechsel allerdings auf der Kippe. Dabei können die Lilien die kolportierte Ablöse in Höhe von 750 000 Euro äußerst gut gebrauchen.

Paik soll nicht zurückkommen, Rapp könnte gehen

Anfang sagte dazu unter der Woche: "Ich weiß gar nichts von Paik. Ich wusste, dass er in Quarantäne war und ich habe ihm noch zum Geburtstag geschrieben. Aber den Stand der Dinge müsste der Verein jetzt klären." Im Klub geht man momentan davon aus, dass Paik nicht zurück nach Darmstadt kommt.

Auch bei Lars Lukas Mai und Nicolai Rapp stehen die Zeichen auf Abschied, weil deren Leihen von Bayern München beziehungsweise Union Berlin im Sommer enden. Umso wichtiger wäre gerade für Trainer Anfang eine Vertragsverlängerung mit einem der verbliebenen Verteidiger Immanuel Höhn. Sonst droht in der Abwehr ein Umbruch: Auch das Arbeitspapier von Rechtsverteidiger Patrick Herrmann läuft nur noch bis zum 30. Juni.

Clemens und Platte noch in der Luft

Im Angriff gilt Gleiches für Christian Clemens und Felix Platte, die allerdings zuletzt auf der Bank saßen. Kurios: Beide Offensivspieler kamen genau nach jenem "Beuteschema" zum Klub, nach dem nun auch ein Dursun-Ersatz gesucht werden soll: entweder ein erfahrener Bankdrücker (wenn möglich aus der Ersten Liga) oder ein Talent aus dem Nachwuchs mit der Hoffnung auf Spielpraxis. Clemens, der schon in der Champions League aufgelaufen war, wurde im Winter beim 1. FC Köln in der ersten Liga aussortiert. Bislang konnte er sich noch nicht in Darmstadt nachdrücklich empfehlen.

Platte, ebenfalls mit Königsklassen-Erfahrung, kam 2016 seinerzeit als 20 Jahre altes Talent vom FC Schalke nach Darmstadt. In dieser Saison hat er erst einmal getroffen. Aber immerhin: Im Training am Dienstag schoss er den Ball sehenswert mit einem Seitfallzieher ins Tor. Da staunte selbst Kollege Dursun in der gegnerischen Mannschaft. Und der weiß, dass sich Stürmer ihr Selbstbewusstsein vor allem im Training holen.