Darmstadt 98 HSV Frust

Der SV Darmstadt 98 bekommt im Spitzenspiel gegen den HSV "richtig einen auf die Fresse" und redet nach dem Debakel nichts schön. Eine Hoffnung bleibt den Lilien aber trotz der Klatsche.

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Highlights: Darmstadt 98 - Hamburger SV

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Es war kalt, es war windig, es regnete, aber Torsten Lieberknecht hatte noch Redebedarf. Hier und jetzt. Nach dem 0:5-Debakel seiner Lilien am Sonntag gegen den Hamburger SV rief der Trainer des SV Darmstadt 98 sein Team direkt zusammen, redete im Kreis beinahe fünf Minuten lang auf seine gerade 90 Minuten lang chancenlose Mannschaft ein. Nicht rein in die Kabine, nein, das musste jetzt noch raus.

Denn: Es war ein Sonntag, ein Spitzenspiel zum Vergessen für die Südhessen. "Wir haben heute richtig einen auf die Fresse bekommen", fasste es Kapitän Fabian Holland nach der Begegnung schonungslos zusammen. Oder anders ausgedrückt: In diesem Spiel lief bei den Darmstädtern hinten und vorne rein gar nichts zusammen.

Nach 13 Minuten war der Stecker gezogen

Schon nach 13 Minuten war die Partie am aufgrund der Corona-Pandemie nur mit 1.000 Zuschauern gefüllten Böllenfalltorstadion entschieden. Ein Foulelfmeter von Robert Glatzel (5.), ein Kopfball von Glatzel (10.) und ein Abschluss aus kurzer Distanz von - na klar - Glatzel (13.) sorgten für spannungsarme folgende gut 75 Minuten. "Nach dem 0:3 hatte man das Gefühl, dass der Stecker gezogen wurde", erkannte auch Lieberknecht nach der Partie.

Was alle Gegentore in der Anfangsphase einte: eine enorm löchrige Darmstädter Defensive. Die Lilien hatten kaum Zugriff, die Abstimmung passte zudem überhaupt nicht. Ein HSV, der zugegebenermaßen einerseits immer noch der HSV ist und zweitens einen echten Sahnetag erwischte, nutzte das mit eiskalter Effizienz aus. Es lag aber nicht nur an der Defensive, dass sich dieser Sonntag gestaltete, wie sich dieser Sonntag eben gestaltete.

Offensive findet überhaupt nicht statt

Denn hinzu kam besonders im ersten Abschnitt erschwerenderweise noch die völlige offensive Harmlosigkeit der Südhessen. Die (immer noch) beste Offensive der Liga um Phillip Tietz und Luca Pfeiffer fand so gut wie überhaupt nicht statt. Bezeichnenderweise gab es erst fünf Minuten vor der Halbzeit die erste Ecke für die Gastgeber. Tobias Kempe, seines Zeichens Standard-Spezialist, jagte im Anschluss gleich zwei Stück in die Beine des ersten HSV-Verteidigers. Ein Bild mit Symbolcharakter.

Um die Geschichte des Spiels zu Ende zu erzählen, gehört freilich noch der zweite Abschnitt hinzu, in dem die Lilien mehr als ordentlich loslegten. Es wäre aber nicht ein gebrauchter Sonntag, wäre der einzige Treffer der 98er von Aaron Seydel Mitte der zweiten Hälfte nicht wegen Abseits zurückgepfiffen worden. Zwei weitere Treffer der Hanseaten von Manuel Wintzheimer (76.) und wieder Glatzel (88.) machten im Anschluss für die Darmstädter aus einer Pleite ein Debakel.

Lieberknecht: "So ein Spiel kommt vor"

Was aber bleibt nun von dieser Partie? Klar, die Lilien sind immer noch Tabellenführer und, auch klar, es war nur eine Niederlage. Aber die Art und Weise war dann doch in besonderem Maße schmerzhaft. "Das war ein gebrauchter Tag", versuchte es Lieberknecht mit einer Einschätzung. "Aber so ein Spiel kommt vor. Da werde ich meine Mannschaft nicht verdammen. Wir werden uns davon erholen, davon bin ich überzeugt."

Allzu viel Grund für Schwarzmalerei in Südhessen ist auch gar nicht angebracht. Man muss gar nicht das klassische "Lieber einmal 0:5 verlieren als fünfmal 0:1" bemühen, um positiv zu bleiben. Lieberknecht selbst kennt den Grund: "Wir haben nach Niederlagen bislang immer eine Antwort geliefert." Was auch stimmt: Den Corona-bedingt schlechten Saisonstart einmal ausgenommen, gab es nach einer Pleite für die Lilien immer einen Sieg in der Liga.

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Holland: "Ein Schlag in die Fresse"

Fabian Holland beim Spiel gegen den HSV.
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Blickt geht nach vorne

Bedeutet für die 98er: abhaken und nach vorne schauen. Sie stehen immerhin weiter auf Rang eins, die Ausgangslage ist weiterhin gut. "Ab morgen, wenn wir das Spiel besprochen haben, haken wir das ab und schauen auf Hannover", gab Lieberknecht auch direkt die Richtung vor. Und das mit der Besprechung des Spiels fing ja schon nach dem HSV-Debakel statt. Trotz Regens, Wind und kalter Temperaturen.

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HSV überrollt Lilien

HSV - Darmstadt
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