Markus Anfang

Knappe Niederlagen haben den SV Darmstadt 98 an den unteren Rand des Tabellenmittelfelds der zweiten Liga gedrückt. Wenn am Sonntag Hannover 96 kommt, soll Schluss sein mit den späten Rückschlägen.

So langsam aber sicher tut der Blick auf die Ergebnisse weh. Nicht etwa, weil der SV Darmstadt 98 seit Wochen eine herbe Klatsche nach der anderen kassieren würde. Nein, die Niederlagen, die die Lilien zuletzt immer wieder hinnehmen mussten, schmerzen auf eine ganz andere Art.

2:3 in Düsseldorf, 1:2 gegen den Hamburger SV, 1:2 beim VfL Bochum – es sind ausgesprochen enge Spiele, die die Südhessen vermehrt ohne Punkt(e)gewinn beenden. Und vor allem: In denen sie wesentlich mehr hätten erreichen können.

Lars Lukas Mai: "Zu viel Lehrgeld gezahlt"

"Wir haben keine schlechten Spiele gespielt, aber leider ein bisschen zu viel Lehrgeld gezahlt", sagt Innenverteidiger Lars Lukas Mai. Die 20 Jahre junge Leihgabe des FC Bayern ("Meine Zukunft ist völlig offen") hat nahezu alle Pflichtspiele des SV98 über die volle Distanz absolviert, lediglich den 2:0-Heimsieg gegen Würzburg hat Mai wegen einer Gelb-Rot-Sperre verpasst.

"Wir haben Spiele hergeschenkt, die wir völlig unter Kontrolle hatten, die wir für uns hätten entscheiden müssen", sagt Mai – und ist mit dieser Einschätzung nicht alleine. Flügel-Allrounder Tim Skarke verspürte nach dem Wild-West-Ritt in Bochum "Wut im Bauch, jeder war enttäuscht von dem Ergebnis, weil wir uns nicht belohnt haben. Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir da anders auftreten müssen."

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Markus Anfang ist nach dem Bochumer Doppelschlag geschockt.
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Was aber sind die Gründe dafür, dass die Südhessen diese engen Spiele nicht für sich entscheiden können? Mal abgesehen vom HSV-Match, in dem sie die Schlussphase in Unterzahl bestreiten musste, kassiert die Mannschaft von Trainer Markus Anfang den Knockout immer öfter in den letzten Spielminuten. Liegt es also an fehlender Fitness?

Nein, sagt Skarke. "Bei uns ist jeder fit, 90 Minuten plus Nachspielzeit zu gehen." Der 24-Jährige sieht die Probleme eher im mentalen Bereich: "Bei einer Führung dürfen wir nicht denken, dass es reicht, oder dass wir aufhören können. Wir müssen konzentrierter, bissiger sein und unser Spiel bis zum Ende durchziehen."

Darmstadt 98: Unten ist näher als oben

Mut machen die positiven Ergebnisse, die die Darmstädter zuletzt ja auch eingefahren haben. Bestes Beispiel: das 3:0 im DFB-Pokal bei Drittliga-Topteam Dynamo Dresden. "Da hat man gesehen, dass wir uns als Mannschaft weiterentwickelt haben", sagt Skarke.

In der zweiten Liga aber haben die Lilien durch die nun schon sechs Niederlagen einiges an Punkten liegengelassen. In der Tabelle ist ein Großteil der Teams zwar recht dicht beisammen, aus Darmstädter Sicht ist die Abstiegszone allerdings näher (sieben Punkte) als die Aufstiegszone (neun).

Am Sonntag kommt Hannover 96

Das Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Hannover 96 – 2015/16 die erste Paarung nach der Rückkehr des SV98 in die Bundesliga – wird zu einem richtungsweisenden Duell. Die Niedersachsen stehen aktuell drei Plätze und zwei Zähler besser da als der Tabellenzwölfte vom Böllenfalltor.

"Unsere Chance ist immer der hohe Ballbesitz, den wir haben", sagt Lars Lukas Mai mit Blick auf einen möglichen Matchplan. "Wir müssen den Gegner laufen lassen, um ihn müde zu machen." Im August 2015 übrigens endete das Heimspiel gegen Hannover 2:2. Ein Ergebnis, das zumindest nicht so sehr schmerzen würde wie eine weitere Last-Minute-Niederlage.