Boyd und Jones bejubeln das Tor in Nürnberg.
Den Arm mit dem Tattoo vors Gesicht und die Zunge rausstrecken: Das ist Terrence Boyds (li.) Zyklop-Torjubel. Bild © Imago

Einen Punkt gewonnen oder doch zwei verloren? Darmstadt 98 analysiert das Unentschieden beim 1. FC Nürnberg. Am Montagabend gingen die Blicke nach Aue - und das Ergebnis dürfte den Lilien gar nicht schmecken.

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Als Terrence Boyd am Montagabend im heimspiel!-Studio des hr-fernsehens Platz nahm, war das Tattoo-Auge auf seinem rechten Unterarm definitiv ein lachendes und weinendes zugleich. Lachend, weil der Stürmer des SV Darmstadt 98 am vergangenen Wochenende zum ersten Mal seit Ende November seinen Zyklop-Torjubel präsentieren konnte. Und weinend, weil es für die Lilien beim 1. FC Nürnberg trotz seines frühen Führungstreffers (18. Spielminute) nicht für einen Sieg gereicht hat. Nach dem 1:1-Unentschieden im Frankenland fragen sich viele: Was kann dieser Punktgewinn – bei einem Top-Club der zweiten Liga – im Abstiegskampf des SV98 wert sein?

"Natürlich motiviert so ein Punkt", sagte Weltmeister Kevin Großkreutz unmittelbar nach dem Abpfiff. Da werden ihm viele zustimmen, schließlich gilt Nürnberg nach Fortuna Düsseldorf und zusammen mit Holstein Kiel als aussichtsreichster Anwärter auf den Aufstieg in die Bundesliga. Andererseits drängt sich der Eindruck auf, dass für die Südhessen mehr drin gewesen wäre. Kurz vor der Zielgeraden der Saison scheint dem "Club" nämlich ein wenig die Puste auszugehen, nur zwei Punkte aus den vergangenen vier Partien machen das Aufstiegsrennen aus Sicht des FCN unnötig spannend.

Nürnberger Druck nach dem Seitenwechsel zu groß

Doch nach einer über weite Strecken ordentlichen Vorstellung in der ersten Halbzeit haben die Lilien insbesondere im zweiten Durchgang zu wenig investiert, um diese Formschwäche vollends ausnutzen zu können. Quasi erst ein lachendes, dann ein weinendes Auge. Statt den Weg zum 2:0 zu suchen, ließen sie sich vom Offensivdrang der Hausherren tief in die eigene Hälfte drängen.

Das mag bei Kevin Möhwalds Pfostenkracher (71.) noch gutgegangen sein, bei Georg Margreitters Kopfballtreffer sieben Minuten später dann aber nicht mehr. "Es war klar, dass Nürnberg in der zweiten Halbzeit noch einmal Druck macht", analysierte Mittelfeldspieler Tobias Kempe anschließend. Das Fazit von Trainer Dirk Schuster klingt da fast logisch: "Die Leistung war für mich absolut in Ordnung."

Aue schlägt Fürth im Kellerduell

Fakt ist aber auch: Nach zuletzt zwei Unentschieden kommt für den SV98 kaum Bewegung in den Tabellenkeller. Im Gegenteil: Als 17. hat Darmstadt (28) bereits fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsrang beziehungsweise ersten Nicht-Abstiegsplatz. Denn der Vorletzte Erzgebirge Aue (33) setzte sich am Montagabend im Kellerduell gegen Greuther Fürth mit 2:1 durch und zog nach Zählern mit dem Tabellen-15. aus dem Frankenland gleich.

Großkreutz weiß, was die Stunde nun für die akut abstiegsbedrohten Südhessen geschlagen hat. "Wir müssen jetzt aber auch irgendwann einen Dreier landen." Oder wie Teamkollege Kempe sagte: "Eigentlich dürfen wir kein Spiel mehr herschenken oder verlieren."