Grammozis während einer Lilien-Trainingseinheit
Trainer Dimitrios Grammozis schwört die Lilien auf die neue Saison ein. Bild © Imago Images

Der Kader schon gut gefüllt, die Philosophie für die neue Saison klar erkennbar: Darmstadt 98 kann die Sommervorbereitung in aller Ruhe angehen. Nur bei einer Sache bleibt auch der Sportliche Leiter Carsten Wehlmann noch zurückhaltend.

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Ein entspannter Gang Richtung Rasen, ein freundliches Lächeln im Gesicht, dazu ein gut gelauntes "Hallo" in die Runde der anwesenden Fans und Journalisten: Als Carsten Wehlmann das Trainingsgelände des SV Darmstadt 98 betritt, ist ihm ein maximaler Grad an Gelassenheit förmlich anzuspüren. "Es ist schön, wenn es wieder losgeht, wenn man die Jungs auf dem Platz sehen kann", freut sich der Sportliche Leiter über die ersten Einheiten, mit denen der Zweitligist in dieser Woche in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet ist.

"Als Spieler ging es mir immer so, dass man endlich wieder loslegen will. Man möchte so schnell wie möglich die Jungs sehen, die neu dazugekommen sind – genauso wie die Jungs, die schon da waren." 74 Zweitliga-Spiele für Lübeck, Hannover und St. Pauli hat der frühere Torwart unter anderem in seinem Lebenslauf stehen.  

Früher Klassenerhalt verschaffte Planungssicherheit

Die Gelassenheit, die ihn im Frühsommer 2019 als Funktionär der Lilien umgibt, hat sich Wehlmann regelrecht erarbeitet. Seit rund einem Monat vergeht kaum eine Woche, in der der traditionsreiche Fußballverein aus Südhessen nicht mindestens einen Neuzugang vermeldet. Der verhältnismäßig frühe Klassenerhalt, den die Lilien bereits Ende April durch einen 2:1-Sieg beim späteren Aufsteiger Köln klargemacht hatten, verschaffte Wehlmann und seinem Team genau das, was jeder in diesem Geschäft gerne hätte: Planungssicherheit.

Mandela Egbo, Marcel Schuhen, Tim Skarke, Braydon Manu, Fabian Schnellhardt, Patric Pfeiffer, dazu der bereits seit Winter fixe Transfer von Erich Berko: Mitte Juni stehen sieben Zugänge einem knappen Dutzend Abgängen gegenüber. Den Umbruch, der mit der Verpflichtung von Trainer Dimitrios Grammozis im Februar begann und sich auch im Verlust von Leistungsträgern wie Torhüter Daniel Heuer Fernandes (Hamburger SV) zeigte, hat die sportliche Leitung des SV98 in den vergangenen Wochen vorangetrieben. Und bis zum Ende der Transferperiode am 2. September ist noch viel Zeit.   

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"Man kann sich noch nicht zurücklehnen, der Kader ist noch nicht komplett", gibt Wehlmann einen Einblick in seine To-do-Liste. "Zwei, drei Positionen sind noch offen." Konkret schielt der 46-Jährige auf einen dritten Torhüter, einen vierten Innenverteidiger und einen Mann fürs zentrale Mittelfeld.

Doch bereits jetzt ist erkennbar, wohin sich die Darmstädter in der kommenden Zweitliga-Saison entwickeln wollen. Das Durchschnittsalter der bislang sieben Neuzugänge beträgt gerade einmal 22,7 Jahre, von einer radikalen Verjüngungskur ist deshalb im Umfeld der 98er die Rede. Fakt ist aber auch: Allein Keeper Schuhen, Mittelfeldmann Schnellhardt sowie die offensiven Außen Berko und Skarke bringen eine Zweitliga-Erfahrung von insgesamt 267 Spielen mit.

Jung, hungrig und entwicklungsfähig

"Das Alter ist erst einmal nicht entscheidend", sagt auch Wehlmann, der trotzdem die Attribute jung, hungrig und entwicklungsfähig zum Anforderungsprofil an die Neuen zählt. "Wir hatten schon im Vorfeld eine erfahrene Mannschaft, jetzt bauen wir die jungen, hungrigen Spieler bewusst mit ein. Das hat sich nicht einfach so ergeben." Konkret heißt das: Die Weitsicht von Profis wie Victor Pálsson oder Mathias Wittek, die die Südhessen im Winter und damit im Abstiegskampf der abgelaufenen Saison verpflichteten, soll sich nun mit der Unbekümmertheit und der Gier von Berko, Skarke und Co. paaren.

Ein Plan, der die Lilien durch die neue zweite Liga tragen soll. Die Hochkaräter Köln, Paderborn und Union Berlin sind weg, dafür werden allen voran die Aufsteiger Osnabrück, Karlsruhe und der hessische Nachbar Wehen Wiesbaden das Gesicht des Unterhauses verändern. "Es sind einige Mannschaften in der Liga, die enorme Qualität mitbringen", warnt Wehlmann zudem vor den Bundesliga-Absteigern Stuttgart, Nürnberg und Hannover.

Saisonziel? Gelassen bleiben!

"Das wird wieder eine interessante Liga, eine enge Saison, in der man schnellstmöglich gucken muss, wo man seinen Weg findet. Wir sind guten Mutes, den Weg, den wir nach der Installation von Dimitrios Grammozis eingeschlagen haben, fortführen zu können." In puncto Saisonziel macht es der Sportliche Leiter aber wie sein Trainer: erst einmal vorsichtig.

"Saisonziel formulieren geht erst, wenn wir einen kompletten Kader haben", sagt er. "Sicherlich ist es unser Anspruch, die Anzahl der Gegentore zu vermindern oder in jedes Spiel zu gehen, um es zu gewinnen. Aber erst wenn der Kader komplett ist, können wir Ziele Schritt für Schritt formulieren." Rund fünf Wochen vor dem ersten Punktspiel ist auch das eine Form von maximaler Gelassenheit. Carsten Wehlmann und der SV Darmstadt 98 haben sie sich erarbeitet.