Tobias Kempe Dennis Kempe

Dennis und Tobias Kempe sind die Söhne des 392-fachen Bundesligaspielers Thomas Kempe. Die Vita des Vaters hat die Brüder geprägt. Doch nicht jede Entscheidung seiner Söhne war verständlich für den Ex-Profi.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dennis Kempe: "Sind mit der Geschichte vom Vater groß geworden"

Dennis Kempe mit Papa Thomas Kempe
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Dennis und Tobias Kempe können entspannt in Richtung 2021 blicken. Bei ihren Vereinen SV Wehen Wiesbaden und Darmstadt 98 läuft es sportlich aktuell rund, zudem sind die Brüder wieder in der Region vereint. Zeit genug, um auf Themen zu blicken, die neben dem Platz eine wichtige Bedeutung spielen.

hessenschau.de: Dennis und Tobias Kempe, wie froh sind Sie, wieder gemeinsam in der Region zu wohnen?

Dennis Kempe: Ich war drei Jahre in Aue und meine Familie lebt seit zehn Jahren in Karlsruhe. Ich bin immer gependelt, wenn die Mannschaft frei hatte. Das war teilweise keine einfache Zeit. Umso glücklicher bin, dass ich jetzt in der Gegend lebe und nur noch rund anderthalb Stunden fahren muss. Das erleichtert vieles. Wir können uns auch vorstellen, den Lebensmittelpunkt nach Wiesbaden zu verlagern.

Tobias Kempe: Für mich ist es super, dass Dennis in der Nähe wohnt. Er ist greifbarer als in Aue, wo wir uns nicht so oft besuchen konnten. Jetzt können wir uns wieder öfter sehen, das ist schon ganz cool.

hessenschau.de: Sie betonen beide, wie wichtig das Thema Familie für Sie ist.

Dennis Kempe: Familie steht bei uns an erster Stelle. Die Leute kennen uns nur aus dem Fernsehen, aber hinter jedem Profifußballer steckt auch ein Mensch. Mir ist die Familie ganz wichtig. Es ist schön, dass ich die Kinder wieder öfter sehen kann und natürlich auch meine Frau, die mir immer den Rücken freigehalten hat. Dafür bin ich ihr sehr denkbar.

Tobias Kempe: Das kann ich nur bestätigen. Familie steht an erster Stelle, auf die Familie kann man sich immer verlassen. Ich spüre den Rückhalt, wenn der große Bruder für einen da ist. Unsere Familien sind hier, die Eltern wohnen nur zweieinhalb Stunden weg. Wir pflegen dieses familiäre Verhältnis. Die Eigenschaften Ehrlichkeit und Zusammenhalt stehen an erster Stelle.

hessenschau.de: Sie kommen aus einer echten Fußballerfamilie, Vater Thomas Kempe hatte 392 Bundesligaspiele bestritten und wurde mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister. Welche Rolle spielte der Fußball von Beginn an?

Dennis Kempe: Der Fußball hat bei uns zuhause immer eine große Rolle gespielt. Wir sind mit der Geschichte von unserem Vater groß geworden. Tobias kann sich vielleicht nicht mehr ganz so erinnern, aber ich habe mit sechs oder sieben Jahre noch die letzten Züge der Profikarriere live mitbekommen. Als Kind findest du das schon cool, da eiferst du dem Vater nach. Er hat uns natürlich auch gefördert und wollte, dass wir das machen, was auch er am besten konnte. Das hat er an seine Söhne weitergegeben – und ich glaube, dass ihm das ganz gut gelungen ist.

Tobias Kempe: Unser Vater hat uns den Willen in der Kindheit auch vorgelebt und uns geprägt. Er hatte viele Bundesligaspiele und das wollten wir dann auch erreichen oder in ähnliche Regionen kommen. Jetzt ist es vor allem die zweite Liga geworden. Aber das ist eine Topliga in Deutschland, die Liga hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Aber natürlich sind 391 Bundesligaspiele eine Hausnummer. Das war auch unser Ziel gewesen. Aber mal schauen, vielleicht kommen ja noch ein paar Spiele auf das Konto...

Dennis Kempe: ... da bist du jetzt aber näher dran als ich. Du hast es mir ja damals ein bisschen vermiest, als ich bei Karlsruhe war. (lacht)

Tobias Kempe: Das ist jetzt aber ein anderes Thema.

Dennis Kempe: Aber der Stachel sitzt noch tief.

hessenschau.de: Sie sprechen von dem spannenden Endspurt 2014/15?

Tobias Kempe: Ganz genau! Es wäre toll gewesen, wenn beide Mannschaften aufgestiegen wären. Der Karlsruher SC ist leider in der Relegation gewesen. Aber das wäre ein echtes Märchen gewesen, wenn beide Bundesliga gespielt hätten.

Dennis Kempe: Aber so ist der Fußball. Auf der einen Seite jubelst du und auf der anderen Seite fließen auch mal Tränen. Das war Dramatik pur, wir hätten auch den Aufstieg verdient. Aber um zum Thema Familie zu kommen: Ich habe es Tobias komplett gegönnt und von daher hat mich die Familie im Verbund aufgebaut.

Von der Bochumer "Zaubermaus" Dariusz Wosz hat auch Dennis Kempe profitiert.

hessenschau.de: Stichwort Familie: Wie war das denn mit dem Vater? Hatten Sie engeren Kontakt zu den damaligen Profis?

Dennis Kempe: Mein Vater hat mich häufiger mit zum Training und in die Kabine genommen. Mit Delron Buckley habe ich später beim Karlsruher SC noch selbst zusammengespielt. Von Dariusz Wosz, der “Zaubermaus”, habe ich die Fußballschuhe abgestaubt, weil er Größe 37 hatte. Besuche beim VfL Bochum haben sich wie zuhause angefühlt. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.

hessenschau.de: Wie hat Ihr Vater bei den Karriereplanungen mitgemacht? War er auch Berater?

Tobias Kempe: Am Anfang war unser Vater auch unser Berater. Doch als der Weg in Richtung Profibereich ging, haben wir diese Verantwortung übergeben. Das musste man trennen. Ich war dann in der Phase, wo ich alt genug war, um selber Entscheidungen zu treffen. Das ist ganz wichtig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tobias Kempe: "Papa konnte den Wechsel nach Nürnberg nicht verstehen"

Tobias Kempe vom SV Darmstadt 98
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hessenschau.de: Ihren Wechsel von Darmstadt nach Nürnberg hat Ihr Vater aber nicht verstehen können...

Tobias Kempe: Ja, das stimmt. Er konnte nicht nachvollziehen, dass ich freiwillig von der 1. Bundesliga in die 2. Liga gewechselt bin. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, bin dann aber gerne wieder nach Darmstadt zurückgekommen. Mein Vater kannte aber nur die 1. Bundesliga und empfand es deshalb nicht als die beste Lösung. Ich wollte diesen Wechsel aber machen. Es ist aber nicht so schlimm, wenn der Vater das manchmal nicht so ganz verstehen kann, was wir machen. Wir haben unseren eigenen Kopf, da hat er sich mittlerweile etwas zurückgezogen.

Dennis Kempe: Das ist auch wichtig, dass man sich irgendwann etwas von den Eltern abkapselt. Wir holen uns mal einen Rat ein, aber dann wollten wir Familie und Business auch trennen. Unser Vater war zunächst zwar etwas mürrisch, aber mittlerweile ist er auch stolz auf uns und hat es akzeptiert. Wenn wir ihn brauchen, können wir ihn aber immer um Hilfe bitten. Das hat sich so entwickelt und steht auf gesunden Beinen.

hessenschau.de: Ihr Vater hatte ja einen ganz besonderen Spitznamen. Kennen Sie den?

Dennis Kempe: Mario Kempes...

Tobias Kempe: … oder “Bruder Leichtfuß”?

Ein Teil der Familie vereint: Tobias Kempe mit Töchterchen Mina und Papa Thomas Kempe.

hessenschau.de: Genau der ist gesucht. Was steckt denn hinter dem Spitznamen “Bruder Leichtfuß”? Und haben Sie das auch im Blut?

Dennis Kempe: Tobias und ich sind beides Spieler, die gerne spielerische Lösungen suchen und vorangehen wollen. Das zeichnete unseren Vater auf dem Feld auch aus. Aber früher auf der Liberoposition haben die Spieler oft nur den Ball abgelaufen und Zweikämpfe gewonnen. Er hat den Ball aber nicht nur abgelaufen, sondern dann auch versucht, zwei Gegner auszuspielen und einen Steckpass in der eigenen Hälfte zu wagen. Das ging auch mal nach hinten los! Aber er hat einen starken Charakter und sich gegen den Trainer verteidigt. Immerhin zählte er zu den besten Liberos der Bundesliga. Er hatte einen gepflegteren Spielstil als viele andere Durchschnittsliberos.

hessenschau,de: Die Mischung aus Ehrgeiz und Talent wurden Ihnen somit vorgelebt. Wie groß war die Rivalität zwischen den Brüder Kempe? Gab es da auch mal Tränen auf dem Bolzplatz?

Tobias Kempe: Wir hatten natürlich einen Altersunterschied. Dennis hat mit den älteren Jungs gespielt und ich auch. Somit haben wir nur selten zusammengekickt, vielleicht einmal hinten auf der Wiese bei unserem Heimatverein in Voerde. Das hat mich aber gefreut, wenn ich mich mit meinem Bruder und den größeren Jugendlichen messen konnte. Da gab es dann auch das eine oder andere Tackling von mir gegen Dennis.

Dennis Kempe: Wir haben uns gegenseitig gepusht. Wenn es darauf ankam, dann haben wir immer zusammengehalten. Das war sehr wichtig. Wir haben das Duell auf dem Ascheplatz gesucht und waren jeden Tag draußen. Dieser Straßenfußball hat uns auch persönlich weiterbracht. Viele Kinder von heute kennen die “Rote Erde” gar nicht. Da kamst du schon mit der einen oder anderen Blessur nach Hause. Die Mama hat dann den mahnenden Finger gehoben, aber das hat uns nicht wirklich interessiert. Wir waren teilweise drei, vier oder fünf Stunden auf dem Bolzplatz. Je älter Tobias dann wurde, desto mehr Spaß hat das dann auch gemacht.

hessenschau.de: Sie sprechen Ihre Mutter an. Welche Rolle hat Sie auf dem Weg zum Profi gespielt?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tobias Kempe: "Mama hat uns zu Männern gemacht"

Dennis Kempe Tobias Kempe
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Tobias Kempe: Mama ist schon immer eine sehr starke Frau gewesen. Sie war immer da, wenn wir sie gebraucht haben. Papa war oft unterwegs und Mama hat für uns gesorgt, wenn Papa nicht da war. Das war wichtig und das dürfen wir nie vergessen. Sie hat uns neben dem Vater den Rücken gestärkt und zu Männern gemacht hat.

Dennis Kempe: Unsere Eltern haben sich leider getrennt, als wir sieben und zehn Jahre alt waren. Das allerwichtigste war, dass sie sich trotz der Trennung weiterhin gut verstanden haben. Wir sind vor allem bei Mama aufgewachsen. Das war natürlich nicht immer so einfach für sie. Mama hatte einen Job im Krankenhaus, mit Nachtschichten und zwei pubertierenden Jungs. Da lagen die Nerven auch mal blank. Unsere Mutter hat uns aber immer unterstützt. Auch dann, wenn sie traurig war, weil wir in die Profi-Internate gingen. Da spielte dann der Mutterinstinkt mit, weil die Küken abgehauen sind. Aber wir haben bis heute ein sehr gutes Verhältnis, unsere Eltern leben noch immer in dem Dörfchen Voerde.

Lesen Sie im zweiten Teil, bei welchem Zweitligisten die Kempe-Brüder beinahe zusammengespielt hätten, wer ihr großes Vorbild ist und was sie für die Zukunft planen.

Das Gespräch führte Christopher Michel