Dennis Kempe Tobias Kempe

Dennis Kempe und Tobias Kempe haben zwar einen Ex-Profi als Vater - doch das große Vorbild war ein anderer. Die Brüder verraten zudem, dass der Weg sie einmal fast zusammengeführt hätte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tobias Kempe: "Mama hat uns zu Männern gemacht"

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Dennis und Tobias Kempe haben im ersten Teil des Interviews mit dem hr-sport über die Bedeutung der Familie, ihren Vater Thomas Kempe und die Anfänge im Fußball gesprochen. Im zweiten Teil nennen die Brüder ihr großes Vorbild und geben Einblick in die persönliche Zukunftsplanung.

hessenschau.de: Dennis und Tobias Kempe, nicht nur Ihre Eltern haben Ihnen viel mitgegeben, sondern auch Sie untereinander. Was hat denn der kleine Bruder Tobias Kempe vom großen Dennis Kempe gelernt – und umgekehrt?

Tobias Kempe: Wer uns kennt, der weiß, dass wir unterschiedlich sind. Dennis ist ein robuster Spieler mit einem super linken Fuß. Da habe ich mir schon die eine oder andere Sache abgeschaut. Er war ja früher auch Zehner und Stürmer und ich habe mir meinen Bruder zum Vorbild genommen. Dennis war mir immer einen Schritt voraus, er ist früh nach Gladbach gegangen und da wollte ich es dann auch schaffen wie er. Das ist auch völlig normal, der große Bruder hat es vorgelebt und ich wollte es auch so schaffen wie er. Da schaut man sich schon ein paar Tricks ab. Ich weiß aber nicht, wie es heute ist und ob er sich auch etwas bei mir abschaut.

Dennis Kempe: Wir haben immer sehr viel miteinander gesprochen. Was Tobias anfangs gefehlt hat, war die Effizienz. Aber er war immer ein guter Fußballer. Jetzt hat er sich entwickelt, auch in seiner Persönlichkeit. Ich habe ihm gesagt, dass er vorangehen und die Initiative ergreifen muss. Das hat er toll umgesetzt und ist nun eine wichtige Identifikationsfigur in Darmstadt geworden. Das freut mich schon sehr für ihn und ist bewundernswert.

hessenschau.de: Verfolgen Sie aktuell auch die Spiele des jeweils anderen?

Tobias Kempe: Klar, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Wenn ich selber spiele, schaue ich dann in der Kabine in der kicker-App nach, ob mein Bruder gewonnen und gespielt hat. Ich habe das schon immer verfolgt, auch als er in Karlsruhe und Aue gespielt hat.

Dennis Kempe: Da kann ich mich nur anschließen. Aber als wir in einer Liga gespielt haben, da hat man sich die Partien unter anderen Gesichtspunkten angeschaut. Wie ist der Tabellenstand? Was herrscht für eine Situation vor? Wir haben uns immer auf die direkten Duelle gefreut, auch wenn wir nur einmal wirklich direkt gegeneinander gespielt haben.

Tobias Kempe: Ich bin immer auf die andere Seite gegangen... (lacht)

Dennis Kempe: Ja, Tobias ist mir dann ausgewichen. Das war als Verteidiger eigentlich eine gute Geschichte, wenn man die Bewegung des Bruders kennt. Es war dann für ihn besser, wenn er auf die eigene linke Seite gewechselt ist. Es waren aber immer gute Duelle, man hat den Weg des anderen mitverfolgt.

Zinedine Zidane hat die Kempe-Brüder beeindruckt.

hessenschau.de: Sie schauen gegenseitig genau hin und haben einen Ex-Profi als Papa. Hatten Sie da auch noch ein anderes Vorbild?

Tobias Kempe: Unser Vater war zwar immer ein Vorbild, aber wenn man weiter rausgeschaut hat, dann war es für mich Zinedine Zidane. Er ist bis heute ein Vorbild, auch als Trainer. Zidane ist für mich einfach der beste Fußballer, den ich je gesehen habe. Natürlich gibt es auch die Wahnsinnsspieler Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Aber für mich war Zidane das Riesenvorbild. Ich wollte so spielen wie er und habe mir jedes Video angeschaut.

Dennis Kempe: Da muss ich mich leider anschließen. Mein Vorbild war auch Zinedine Zidane. Ich war früher zentraler Mittelfeldspieler und Zidane war ein kompletter Spieler. Er hatte zwar nicht das krasse Tempo, aber damals war der Fußball noch technisch feiner und nicht so auf Umschaltspiel ausgelegt. Zidane konnte das Spiel lesen, antizipieren und hatte das Gefühl für die besonderen Situationen. Er hatte eine wundervolle Karriere, bis auf den kleinen Makel bei der Weltmeisterschaft 2006, als ihm die Sicherung durchgebrannt ist...

Tobias Kempe: ... das war aber durchaus menschlich...

Dennis Kempe: Das stimmt natürlich. Das Spiel war hitzig und da sind bestimmte keine schönen Worte gefallen. Das sind Emotionen und menschlich kann man das verstehen. Aber unter den ganzen Superstars wie David Beckham, dem brasilianischen Ronaldo oder Ronaldinho war er on top.

hessenschau.de: Einen Mitspieler Zidane wird es nicht mehr geben – aber vielleicht den Bruder an der Seite? Träumen Sie noch von einer gemeinsamen Profistation?

Tobias Kempe: Der Traum ist natürlich immer noch da, der wird auch nicht weggehen. Es wird aber immer schwieriger, das hinzubekommen. Unser Teammanager in Darmstadt hat mal scherzhaft gesagt: ‘Noch ein Kempe? Dann wird’s hitzig.’ Aber Spaß beiseite: Irgendwie und irgendwo nochmal auf Profiniveau zusammenzuspielen wäre natürlich sehr schön.

Dennis Kempe: Ich sehe das vielleicht etwas realistischer als Tobias. Ich werde im Sommer 35 Jahre alt. Natürlich bin ich topfit, aber du musst in dem Alter auch sehen, dass die Vereine abwägen, wie es mit dem Potenzial eines Spielers für die Zukunft aussieht. Klar war es immer ein Traum von, der uns leider vergönnt geblieben ist. Ich würde es kategorisch ausschließen, dass wir gemeinsam bei einem Profiklub spielen. Aber vielleicht klappt es nach dem Karriereende bei einer Hobbymannschaft oder einem Bezirksligisten. Tobias flankt dann rein und ich köpfe die Bälle ins Tor.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dennis Kempe: "Da hat Todt dann mit den Zähnen geknirscht..."

Dennis Kempe (re.) wollte KSC-Sportdirektor Jens Todt (li.) von Tobias Kempe überzeugen.
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hessenschau.de: Gab es denn einmal die Chance, dass Sie bei einem Klub zusammenspielen?

Dennis Kempe: Da gab es eine Chance, als der Vertrag von Tobias bei Dynamo Dresden ausgelaufen war. Ich habe dem Karlsruher SC ans Herz gelegt, dass man ihn holen sollte. Das kam aber leider nicht zum Abschuss. Es gab Diskussionen um das Potenzial von Tobias, da fehlte noch etwas die Effektivität. Der KSC holte Hiroki Yamada und Darmstadt dann Tobias. Er hat den Klub am letzten Spieltag in die 1. Bundesliga geschossen und unser damaliger Sportdirektor Jens Todt hat danach etwas mit den Zähnen geknirscht.

hessenschau.de: Eine letzte sportliche Frage: Sehen wir die Gebrüder Kempe, ganz nach dem Beispiel der Brüder Niko und Robert Kovac, irgendwann als Trainer an der Seitenauslinie?

Tobias Kempe: Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich bin Anfang 30 und werde noch ein paar Jahre Fußball spielen. Ich schließe aber generell nichts aus und könnte mir vorstellen, irgendwann als Trainer oder Co-Trainer zu arbeiten. Aber ich habe viele Ideen, die ich vielleicht umsetzen möchte. Ich konzentriere mich zunächst auf meine aktive Karriere, dann wird auch nach der Karriere wieder ein Türchen aufgehen. Ob im Fußballbereich als Trainer oder Sportdirektor? Das wird man sehen. Es ist alles noch offen bei mir.

Dennis Kempe: Ich mache mir mit 34 Jahren schon viele Gedanken über die Zeit nach der Karriere. Ich hatte viele Ideen im Kopf, aber dann bin ich relativ schnell zu dem Schluss gekommen, dass ich im Sport bleiben möchte. Der Fußball hat mir sehr viel gegeben und ich habe in dem Bereich große Erfahrung und viel Expertise gesammelt. Es gibt Spieler, die mit der Blase danach nichts mehr zu tun haben wollen, da man wieder viel unterwegs ist und wenig Zeit für die Familie hat. Ich denke allerdings schon, dass ich die Trainerscheine mache und mir die damit diese Option aufrechterhalte. Natürlich kann so viel passieren, wie man jetzt auch mit der Coronapandemie sieht. Aber ich glaube schon daran, dass man die Kempe-Brüder auch weiterhin im Fußballbereich sieht.

hessenschau.de: Ein für die gesamte Gesellschaft schwieriges Jahr 2020 geht zu Ende. Was sind Ihre Wünsche für das neue Jahr 2021?

Dennis Kempe: Ich wünsche mir wieder mehr Normalität und dass die Menschen zur Ruhe und zu ihrem alten Leben kommen. Hoffentlich funktionieren die Pläne der Regierung und wir haben im Spätsommer wieder Fans im Stadion. Das wünsche ich den Menschen, die den Fußball auch so lieben wie wir. Für Tobias wünsche ich mir, dass er weiterhin gesund bleibt. Das ist das größte Gut, was wir alle haben. Der Rest kommt dann von alleine.

Tobias Kempe: “Das Jahr 2020 war für uns alle sehr speziell. Durch die Pandemie sind viele Sachen passiert, die wir so nicht gekannt haben. Es wäre schön, wenn das nächste Jahr ruhiger wird und die Menschen ein normales Leben führen können. Die wunderbaren Zuschauer sollen wieder ins Stadion kommen, den Sport fühlen und leben können. Gesundheit ist für uns alle aber das Wichtigste. Ich wünsche Dennis, dass er und seine Familie gesund bleiben. Bei Wehen Wiesbaden spielt er bislang eine tolle Runde mit vielen Scorerpunkten. Da sieht man, dass das Alter nur eine Zahl ist. Wenn er fit bleibt, kann er große Leistung abrufen. Und wenn er zur Krönung aufsteigt, dann wäre es nochmal toll gegen ihn zu spielen...

Dennis Kempe: ... dann dürft ihr aber nicht aufsteigen.

hessenschau.de: Zum Ende der Karriere also noch ein Bruderduell im Hessenderby der 2. Liga?

Dennis Kempe: Das wäre noch einmal schön...

Das Gespräch führte Christopher Michel