Behrens, Mathenia und Holland 2015 bei der Aufstiegsparty

Mit dem 1. FC Nürnberg spielt Ex-Lilie Christian Mathenia in dieser Saison um den Aufstieg mit. Vor dem Top-Spiel gegen Darmstadt 98 spricht er im Interview über seine Zeit am "Bölle", die Aufstiegschancen beider Clubs - und warum er fast mit dem Profifußball aufgehört hätte.

Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 tritt am Samstagabend (20.30 Uhr) zum Top-Spiel des 29. Spieltags beim 1. FC Nürnberg an. Vor der Partie haben wir mit Christian Mathenia gesprochen, früherer Lilien- und heutiger Nürnberg-Keeper.

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Mathenia über das Top-Spiel zwischen Nürnberg und Darmstadt 98

Christian Mathenia
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hessenschau.de: Herr Mathenia, vor wenigen Tagen sind Sie 30 geworden – alles Gute nachträglich! Wie war die Party?

Christian Mathenia: Ganz entspannt. Wir hatten Training an dem Tag und mussten uns auf das Spiel gegen Heidenheim fokussieren. Ich habe einen netten Tag mit meiner Familie verbracht.

hessenschau.de: Der 1. FC Nürnberg hat nur fünf Punkte Rückstand auf die Aufstiegsränge. Vielleicht haben Sie in ein paar Wochen ja doppelten Grund zu feiern.

Mathenia: Wenn wir unser Saisonziel unter Dach und Fach gebracht haben, haben wir auf jeden Fall etwas zu feiern, weil wir dann eine Entwicklung gezeigt haben. Und unser Saisonziel ist es, Fünfter bis Achter zu werden. Was am Ende der Saison dann rausspringt, werden wir sehen. Wir wollen die Saison so erfolgreich wie möglich gestalten.

hessenschau.de: Zwischen dem Ersten und dem Siebten liegen nur sieben Punkte. Haben Sie so eine enge Saison schon einmal erlebt?

Mathenia: Es ist mittlerweile ja fast jedes Jahr so, dass die zweite Liga so eng ist. Die Qualität ist bei jeder Mannschaft auf einem hohen Level und man sieht, dass jeder Club jeden schlagen kann. Das haben wir auch schon leidvoll erfahren müssen, beim 0:5 gegen Ingolstadt. Es gibt viele Beispiele in dieser Saison, bei denen Teams aus dem unteren Tabellendrittel die großen Clubs ärgern. Das macht die zweite Liga so speziell und besonders.

hessenschau.de: Der 1. FC Nürnberg war vergangenes Jahr Elfter, davor ging es gar in die Relegation zur dritten Liga. Was macht Ihre Mannschaft in dieser Saison so stark?

Mathenia: Die Kontinuität, die wir seit zwei Jahren haben. Wir hatten in der letzten Saison im Januar eine Phase, in der wir Probleme hatten, aber wir haben es geschafft, die Ruhe zu bewahren und konnten weiter arbeiten. Seitdem nehmen wir eine gute Entwicklung, spielen stabiler und holen verlässlich Ergebnisse. Und das gibt dann Selbstvertrauen. Wenn du bei einem großen Traditionsverein in Ruhe arbeiten kannst, entwickelst du dich, auch als junge Mannschaft. Das haben wir geschafft.

hessenschau.de: Sie sind seit 2018 in Nürnberg, haben mehr als 100 Pflichtspiele für den Club absolviert und sind Vize-Kapitän. Ihr Vertrag läuft noch bis 2024. Kann man sagen: Der FCN ist Ihr Club?

Mathenia: Auf jeden Fall, der Club ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich habe mich damals bewusst für einen längeren Vertrag entschieden, weil mir der Verein auch das Signal dazu gegeben hat, länger mit mir zusammenarbeiten zu wollen. Ich habe eine spezielle Bindung zum 1. FC Nürnberg, habe hier einiges miterlebt, den Abstieg aus der Bundesliga oder auch die Drittliga-Relegation. Das sind zwar keine tollen Erlebnisse, aber das bindet einen an diesen Verein. Meine Tochter ist hier geboren, meine Freundin kommt aus Unterfranken. Das alles stärkt die Bindung zu diesem Verein. Deswegen kann ich mir natürlich auch vorstellen, noch lange hier zu bleiben.

hessenschau.de: Sollten Sie tatsächlich noch ins Aufstiegsrennen eingreifen, könnten Sie theoretisch auch den SV Darmstadt 98 ausstechen. Wie sehen Sie Ihren Ex-Verein in dieser Saison?

Mathenia: Ich verfolge alle meine Ex-Vereine mit einem besonderen Auge. Wie sich der SV Darmstadt 98 als Verein entwickelt hat, ist überragend. Beim Hinspiel habe ich nicht schlecht gestaunt. Ich habe ja noch in der alten Bude gespielt, jetzt haben sie da ein richtig modernes Stadion stehen. Und man hat von außen das Gefühl, dass die Fans, die Mannschaft und die Verantwortlichen es nicht als selbstverständlich ansehen, in der zweiten Liga zu sein. Sie sind in jedem Spiel stolz drauf, in der zweiten Liga zu spielen. Und der Club hat gute Transfers getätigt. Daher wundert es mich nicht, dass der SV Darmstadt 98 so eine tolle Saison spielt. Und es freut mich natürlich auch.

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Highlights: SV Darmstadt 98 - 1.FC Nürnberg

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hessenschau.de: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit bei den Lilien?

Mathenia: Der Aufstieg in die erste Liga und der Klassenerhalt waren etwas ganz Besonderes für mich. Wir waren eine verrückte Bande, wie wir durch die Saison marschiert sind, war unglaublich. Ich denke gerne daran zurück. Dirk Schuster (Ex-Trainer; d. Red.) hat mir damals noch einmal die Chance gegeben, im Profifußball Fuß zu fassen.

hessenschau.de: Inwiefern?

Mathenia: In der U19 des FSV Mainz 05 hatte ich einen Kahnbeinbruch auf beiden Seiten, hatte mir also beide Hände gebrochen und ein Jahr Ausfallzeit. Es gab deswegen nicht viele Vereine, die Lust auf mich hatten. Dann habe ich von Dirk Schuster die Chance bekommen, noch einmal anzugreifen, über Dimo Wache (Torwarttrainer; d. Red.), der mich aus Mainzer Tagen kannte. Was passiert wäre, wenn ich das Angebot nicht gehabt hätte, weiß ich nicht. Es kann sein, dass ich aufgehört hätte.

hessenschau.de: Es gibt tolle Bilder von der Aufstiegsparty von Ihnen, mit Hanno Behrens im Arm und einer Flasche Weißbier in der Hand. Wie sehr juckt es, so eine Feierei noch einmal zu erleben?

Mathenia: Das war nach dem Aufstieg in die erste Liga, nach dem entscheidenden Spiel gegen St. Pauli. Eine coole Party, ich habe eine Woche durchgefeiert. Wir konnten wirklich nicht glauben, dass wir in der Saison darauf in der ersten Liga aufdribbeln würden. Es war wie im Film.

hessenschau.de: Aus der damaligen Mannschaft sind noch Fabian Holland und Tobias Kempe "übrig". Wie ist Ihr Verhältnis zu den beiden ehemaligen Mitspielern?

Mathenia: Hin und wieder haben wir Kontakt. Mit Dimo Wache telefoniere ich regelmäßig, wir sind gute Kumpels. Ihm bin ich sowieso auf ewig dankbar. Mit Fabi Holland tausche ich mich auch immer mal wieder aus. Vor dem Spiel haben wir aber keinen Kontakt, das ist der Klassiker im Profifußball. Nach dem Spiel gibt es dann die Sprüche. Und man freut sich, dass man sich wiedersieht.

hessenschau.de: Mit Blick auf die Darmstädter Qualitäten wird vor allem viel über die beiden Stürmer Phillip Tietz und Luca Pfeiffer gesprochen, auch Aaron Seydel war zuletzt sehr treffsicher. Wie stellt man sich als Torhüter auf so einen Angriff ein?

Mathenia: Wir machen explizit Videositzungen dazu. Ich gucke sowieso die zweite Liga, habe dadurch jeden Stürmer auf dem Schirm und kenne seine Stärken. In der Woche vor dem Spiel machen wir dann natürlich Videositzungen als Vorbereitung auf den jeweiligen Verein, ich mache mit meinem Torwarttrainer noch einmal eine Extra-Videositzung, in der wir auf die Strukturen im Angriff eingehen. So bin ich dann gut vorbereitet auf die Offensivabteilung.

hessenschau.de: Nürnberg gegen Darmstadt ist am Samstagabend das Top-Spiel des 29. Zweitliga-Spieltags. Was für eine Partie erwarten Sie?

Mathenia: Es wird eine emotional geladene Partie. Wir haben ein Heimspiel, das Topspiel um 20.30 Uhr, es werden viele Zuschauer da sein und eine heiße Atmosphäre herrschen. Es wird wie immer in der zweiten Liga ein kampfbetontes Spiel werden und viele Zweikämpfe geben. Wir müssen versuchen, die 50/50-Dinger auf unsere Seite zu ziehen. Das ist sehr wichtig in solchen Partien. Und dann wollen wir die drei Punkte hierbehalten.

hessenschau.de: Dann wären es nur noch zwei Punkte Rückstand auf die Lilien. Und die Party würde ein wenig wahrscheinlicher.

Mathenia: Das wäre ideal. Aber über die Party reden wir dann, wenn es so weit ist.

Das Interview führte Stephan Reich.

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