Die Lilien-Spieler feiern den Sieg auf Schalke

Die Lilien liegen nur noch einen Punkt hinter einem Aufstiegsplatz. Das Sturmduo trifft zuverlässig ins Tor und der Trainer die richtigen Entscheidungen. Die entscheidenden Weichen wurden aber mitten im Fehlstart gestellt.

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Audioseite Tietz: "Verstehen uns alle auch neben dem Platz"

Phillip Tietz bejubelt den Sieg auf Schalke.
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Nach dem Auswärtssieg auf Schalke ist Darmstadt 98 in der Spitzengruppe der Zweiten Liga angekommen. Diese fünf Punkte machen aus den Lilien derzeit eine Topmannschaft:

1. In der Mannschaft stimmt es!

Man muss noch einmal etwas zurückgehen an den Saisonstart: Darmstadt 98 hatte unzählige Corona-Fälle zu beklagen, die ersten zwei Saisonspiele verloren und ein Pokalaus beim Drittligisten 1860 München hinter sich. In jener Woche erzählte Emir Karic in einer Medienrunde, wie intakt die Mannschaft trotz allem sei. Das Team veranstalte gemeinsame Essen, verletzte Spieler würden der Mannschaft hinterherreisen. Trainer Torsten Lieberknecht strahlte ebenso Zuversicht aus: "Wir werden die Nuss nun knacken" war sein Mantra. Es folgte mit dem 6:1 gegen Ingolstadt der Brustlöser für die gesamte Saison.

Wie gut das Team funktioniert, war auch auf Schalke zu sehen: Doppeltorschütze Phillip Tietz genießt auch beim Verteidigen keinen Freibrief. Als er seinen Gegenspieler Malick Thiaw aus den Augen verlor (und dieser ein Abseits-Tor erzielte), faltete ihn Torwart Marcel Schuhen umgehend zusammen. Nach der Partie lagen sich die beiden wieder in den Armen. "Wir verstehen uns neben dem Platz als ganze Mannschaft extrem gut", sagte Tietz hinterher.

2. Die Lilien haben die beste Offensive der Liga!

Tietz und Luca Pfeiffer waren die goldrichtigen Transfers im Sturm, um den abgewanderten Torschützenkönig Serdar Dursun zu ersetzen. Tietz (zehn Tore, zwei Assists) und Pfeiffer (neun, zwei) stehen nun bei zusammen 23 Scorer-Punkten. Die Lilien stellen die beste Offensive der Liga. Pfeiffer war sogar selbst im eigenen Strafraum brandgefährlich, als er das 0:1 auf Schalke mit einem Eigentor erzielte.

Trainer Lieberknecht sagte nach dem Sieg zum "Doppelpacker" Tietz: "Er hat in vielen 1-gegen-1-Situation Präsenz gezeigt, der Junge steckt voll in der Entwicklung. Wir werden ihn auch in schlechten Phasen unterstützen." Tietz profitiere auch von der guten Zuarbeit seiner Mitspieler, so der Coach.

3. Das Team agiert diszipliniert in der Defensive!

Das Sturmduo verdient sich seine Meriten auch im Spiel gegen den Ball - die Knipser sind sich auch für Zweikämpfe am eigenen Sechzehner nicht zu schade. Insgesamt kommen die Lilien verdammt schnell wieder hinter den Ball. Die Kompaktheit liegt auch an einem weiteren "Königstransfer" des Sommers: Groß war die Sorge, dass mit dem abgewanderten Victor Palsson eine Lücke vor der Abwehr entstehen könnte. Im direkten Vergleich am Sonntag bewies Nachfolger Gjasula, dass er derzeit sogar besser agiert als der Isländer: zweikampfstark, ballsicher und mit dem taktischen Verständnis ausgestattet, wann er auch auf außen aushelfen muss.


Zudem entwickeln sich Patric Pfeiffer und Thomas Isherwood zu einem starken Innenverteidiger-Duo. Auf Schalke etwa meldeten sie nun den Toptorjäger Simon Terodde ab. "Vorne fängt die Defensivarbeit schon an und das machen wir im Mannschaftsverbund gerade sehr gut", lobte Lieberknecht.

4. Trainer Lieberknecht hat das richtige Händchen!

Trainer Torsten Lieberknecht hatte vor der Partie die Qual der Wahl, ob er in der Offensive auf Braydon Manu oder den Ex-Schalker Benjamin Goller setzt. Manu durfte beginnen und rechtfertigte die Aufstellung allein schon durch seinen unwiderstehlichen Kopfball-Pass vor dem Ausgleich. Goller hingegen kam von der Bank - und markierte das vierte Tor.

Lieberknecht hat sich in Windeseile zum Liebling der Darmstädter Fans entwickelt. Das hängt mit seinem Auftreten zusammen, aber auch mit seinem mutigen Spiel- wie Führungsstil. Vor der Partie auf Schalke lobte er einen Sieg als Ziel aus - und sollte Recht behalten. Zusammen mit dem Team hatte er die Schalker Schwächen analysiert und die passenden Lösungen gefunden. Die Lilien spielten vertikal in die Tiefe, um die Schalker Dreierkette in der Rückwärtsbewegung zu knacken. Außenbahnspieler Thomas Ouwejan wurde immer wieder gut zugestellt.

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Audioseite Lieberknecht: "Man merkt die extreme Lust aufs Spielen"

Torsten Lieberknecht auf Schalke.
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5. Darmstadt kann befreit aufspielen!

In dieser ausgeglichenen zweiten Liga wimmelt es vor nominellen Schwergewichten, die alle den Anspruch auf Bundesliga-Fußball haben. Darmstadt ist einigen dieser Kaliber schon begegnet - Hamburg (2:2), Bremen (3:0), Hannover (4:0), Nürnberg (2:0), nun Schalke (4:2). Vor der Partie in der Kabine machte Lieberknecht bei seinem Team und auch bei sich selbst eine gewisse Nervosität aufgrund der Atmosphäre aus. Zudem lag die Mannschaft schnell durch ein Eigentor zurück.

Doch weil die Lilien eben im Aufstiegsrennen nichts zu verlieren haben, spielen sie unbeirrt nach vorne und strotzen nur so vor Selbstvertrauen. "Für uns ist es ein Privileg, hier spielen zu dürfen", sagte Lieberknecht hinterher. "Die Lust aufs Spielen merkt man den Jungs extrem an." Er wollte trotzdem nicht so sehr auf die Platzierung in der Tabelle schauen, sondern verwies auf das nächste Spiel gegen St. Pauli: "Das ist dann auch wieder ein Hochkaräter." Doch die Lilien scheinen mit diesen Aufgaben zu wachsen.