Dimitrios Grammozis

Trotz einer historisch starken Rückrunde wird Erfolgstrainer Dimitrios Grammozis die Lilien am Sonntag verlassen. Wohin sein Weg führt, ist offen. Klar ist: Hinter den Kulissen gab es mehr als nur einmal Verstimmungen.

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Dimitrios Grammozis
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Es war eine Meldung, die aus dem Nichts kam. Als die südhessische Fußball-Welt nur darauf wartete, wann Dimitrios Grammozis beim SV Darmstadt 98 endlich seinen neuen Vertrag unterzeichnen würde, hieß es am 26. Februar plötzlich: Trennung. Kein neuer Kontrakt, der Trainer geht im Sommer. Eine Nachricht, die den Rest der Rückrunde für die 98er von einer Kuriosität zur nächsten führte und am Sonntag beim letzten Auswärtsspiel in Stuttgart (15.30 Uhr) ihren Schlusspunkt findet.

Kurios ist vor allem der Werdegang der Südhessen seit der Verkündung der Trennung. Die Lilien sind hinter Arminia Bielefeld das zweistärkste Team der Rückrunde, haben in der zweiten Hälfte der Spielzeit bereits 29 Punkte geholt. Nur zur Erinnerung: In der magischen Rückrunde, die 2015 im Bundesliga-Aufstieg der Darmstädter gipfelte, holten die 98er 30 Zähler. Gewinnt die Grammozis-Elf in Stuttgart, wäre sogar dieser Rekord geknackt. Und das mit einem Trainer auf Abschieds-Tournee.

Anfang ersetzt Grammozis

Dieser sportliche Höhenflug führte dazu, dass die Lilien im Saisonfinale sogar beinahe noch ein Wörtchen um den Relegationsplatz mitgeredet hätten. Viel fehlte nicht. Zur ganzen Erfolgsgeschichte gehörte übrigens ebenfalls der Umstand, dass Trainer Grammozis die 98er auch im Aufstiegsfall verlassen hätte.

Denn sein Nachfolger stand früh fest. Einen guten Monat nach der geplatzten Vertragsverhandlung präsentierten die Lilien ihren neuen Trainer: Markus Anfang. Und spätestens mit dieser Personalie konnte auch im Umfeld der Darmstädter niemand mehr verheimlichen, dass es ordentlich Knatsch gab zwischen Trainer und Management.

Kein Zwei-Jahres-Vertrag für Grammozis

Hintergrund war, dass Grammozis bei den Lilien mehr als einen Ein-Jahres-Vertrag wollte, diesen aber nicht bekam. Rund um den Verein war immer wieder zu hören, dass Grammozis zu diesem Zeitpunkt wohl doch nicht das 100-prozentige Vertrauen der Verantwortlichen genoss. Sein Nachfolger Anfang hingegen bekam genau diesen zweijährigen Kontrakt. Eine Entscheidung, die im Grammozis-Lager für reichlich Verwunderung sorgte.

Dabei blieb es jedoch nicht. Nach der Anfang-Verpflichtung in der Corona-Pause erklärte Lilien-Manager Carsten Wehlmann zudem, man habe auch Grammozis angeboten, nach einer Verlängerung über ein Jahr frühzeitig über eine weitere Ausdehnung des Arbeitsverhältnisses zu sprechen. "Aber Dimi wollte lieber eine neue Herausforderung annehmen", so Wehlmann damals. Eine Aussage, die Grammozis - dezent ausgedrückt - nach hr-sport-Informationen reichlich irritierte.

"Es tut ein bisschen weh"

So sehr es also im Innenleben des Vereins knirschte, so prächtig lief es auf dem Rasen. Und zwar so prächtig, dass auf einmal sogar der Aufstieg möglich war. Auch wenn es dafür am Ende nicht reichte, konnten die Lilien nach dem Re-Start auch fußballerich überzeugen. Ein Trend, den nun Nachfolger Anfang fortsetzen soll.

Wehmut herrscht aufgrund des positiven Trends und des bevorstehenden Grammozis-Abgangs auch bei den Spielern. "Es tut ein bisschen weh, und es tut mir ein bisschen leid, weil wir das als Mannschaft und mit dem Trainerteam so gut gemacht haben und es jetzt vorbei ist", sagte stellvertretend Victor Palsson.

Noch kein neuer Verein für Grammozis

Auch wenn es für Grammozis und die Lilien am Sonntag gegen 17.30 Uhr also vorbei ist, dürfte sich der 41-Jährige mit seinem Engagement in Südhessen ins Schaufenster gestellt haben. Grammozis ist kein No-Name-Trainer mehr, die Art und Weise, wie er die Lilen in ruhiges Fahrwasser gebracht hat, wurde auch außerhalb Hessens notiert.

Aber auch wenn es einige vakante Trainer-Positionen gibt und Grammozis immer mal wieder auf der einen oder anderen Kandidaten-Liste auftaucht, hat sich beim 41-Jährigen dem Vernehmen nach noch nichts getan. Noch steht für ihn das Trainer-Karussell still. Vielleicht kommt ja aber auch für den scheidenden Lilien-Coach bald eine Meldung, die alles aufs Neue verändert.