Lilien-Profis zeigen Fans das Banner "We Fight Together"
Klare Abmachung zwischen Lilien-Profis und ihren Fans: "We fight together" Bild © Imago

Nach der Niederlage gegen Kaiserslautern steht Zweitligist Darmstadt 98 mit dem Rücken zur Wand. Mut erfordert jetzt nicht nur der Blick auf die Tabelle, sondern auch auf das Restprogramm.

Manch einer dürfte sich an seine Zeit an der Uni erinnert haben. Damals, als man die ersten 15 Minuten einer Vorlesung getrost schwänzen konnte, weil der Prof in dieser akademischen Viertelstunde ohnehin nur den Stoff vom Vortag wiederholte. Ein studentischer Grundsatz, den der 1. FC Kaiserslautern am Mittwochabend beim SV Darmstadt 98 in ein fußballerisches Erfolgsrezept verwandelte. Nur ging es dabei nicht um eine Klausur oder einen Schein, sondern um überlebenswichtige Punkte im Abstiegskampf der 2. Bundesliga.

Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit fanden die Lilien wesentlich besser in die Partie, hatten beispielsweise durch Fabian Holland auch die klareren Chancen (3. Spielminute). Doch was passierte dann? Genau, der Klassiker: Die anderen machen das Tor. Erst durch Brandon Borrello (16.), später durch Osayamen Osawe (61.). Also genau dann, wenn etwas mehr als eine Viertelstunde gespielt war. Felix Platte traf zwar noch zum 1:2-Endstand, das allerdings viel zu spät (90.+1).

"Haben alles investiert"

Bei den Südhessen war anschließend zwar hadern angesagt – aber mit erhobenen Köpfen. "Mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, kann man zufrieden sein", sagte etwa Abwehrspieler Markus Steinhöfer. "Diese Niederlage tut verdammt weh, weil wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben und zwei Mal ausgekontert wurden", befand Innenverteidiger Immanuel Höhn. Und auch Trainer Dirk Schuster analysierte: "Wir haben ein gutes Heimspiel gemacht. Von der Mentalität und Leistungsbereitschaft haben wir alles investiert."

Vergleichbare Töne hat man beim SV98 auch nach der 0:2-Niederlage in Bielefeld am vergangenen Wochenende angeschlagen. Durchaus zu Recht, schließlich waren die Darmstädter in fast allen Spielen seit Schusters Rückkehr im Dezember spielerisch mindestens ebenbürtig. Allein das hilft jedoch nicht, wenn man sich im selben Zeitraum mit dem Toreschießen schwertut. Gegen Kaiserslautern vergaben Artur Sobiech (21.) und Yannick Stark (30.) die besten Chancen.

Der Rückstand ist klein, das Restprogramm gewaltig

Nun hätte das Spiel gegen die Roten Teufel ein Wendepunkt sein sollen. Doch nach der Niederlage gegen den eigentlich seit Wochen abgeschlagenen Tabellenletzten dreht sich die Abwärtsspirale weiter abwärts, die Lilien stehen bei vier Pleiten in Folge. Statt auf einen Nicht-Abstiegsplatz zu springen, könnten sie nun selbst am kommenden Wochenende die Rote Laterne übernehmen.

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Zugegeben: Drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer sind bei elf noch ausstehenden Spielen kein Anlass für einen verfrühten Abgesang. Auch das "Beerdigungs-Szenario", das Vereinspräsident Rüdiger Fritsch bereits in der vergangenen Woche ablehnte, ist auch nach 23 Spieltagen unangebracht. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf: Um den Absturz in die 3. Liga verhindern zu können, könnten die Lilien früher oder später eines dieser Wunder gebrauchen, das sie in den vergangenen Jahren so berühmt gemacht hat. Irgendetwas, das sich nach Bielefeld 2014 oder St. Pauli 2015 anfühlt. Aue 2018? Gut möglich, immerhin spielt der SV98 am 34. Spieltag gegen den FC Erzgebirge.

Nächste Chance: Heidenheim

Bis dahin offenbart der Blick aufs Restprogramm den Darmstädtern einen Spielplan, der es in sich hat. Zwischen dem 18. März und dem 9. April treffen sie beispielsweise nacheinander auf Nürnberg, Düsseldorf und Kiel. Das ist übrigens auch die Reihenfolge, in der diese drei Clubs derzeit die Tabellenränge eins, zwei und drei belegen. Ein Sieg gegen Heidenheim am Sonntag (13.30 Uhr) scheint da schon Pflicht zu sein. Völlig egal, ob das Siegtor in den ersten 15 Minuten fällt oder später.