Frust bei Darmstadt 98

Der SV Darmstadt 98 muss nach der Hälfte der Zweitliga-Saison und der vierten Niederlage in Folge um den Klassenerhalt bangen. Das Problem: Die Lilien werden zu oft mit den eigenen Waffen geschlagen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lilien nach Niederlage gegen Kiel in Abstiegsgefahr

Lilien-Keeper Schuhen im Spiel gegen Kiel
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Das Jahr 2021 bleibt für den SV Darmstadt 98 ein einziger Albtraum. Viermal sind die Lilien seit Silvester in der 2. Bundesliga angetreten, vier Mal endeten die Partien mit einer Niederlage. Die Folge: Nach der Hinrunde, die Corona-bedingt ausnahmsweise erst am Sonntag mit der 0:2-Pleite gegen Holstein Kiel endete, plagen die Lilien ernsthafte Abstiegssorgen. "Wir spielen nicht oben, wir spielen unten", fasste Trainer Markus Anfang zusammen. Heißt übersetzt: Die Lilien kämpfen gegen den Absturz in die Drittklassigkeit.

Wie ernst die Lage nach der Hälfte der Saison ist, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Da die direkten Konkurrenten aus Sandhausen (1:1 gegen Bochum) und St. Pauli (2:0 gegen Regensburg) zum Abschluss der Hinserie punkteten, ist der Abstiegs-Relegationsplatz nur noch drei Punkte entfernt. Alarmstufe rot.

Lilien mit den eigenen Waffen geschlagen

Der Hauptgrund für die durchwachsene Hinrunde ist schnell gefunden. Mit 32 Gegentoren stellen die Lilien die viertschlechteste Abwehr der Liga, seit dem Jahreswechsel klingelte es in vier Partien stattliche neunmal im Kasten des bemitleidenswerten Torhüter Marcel Schuhen. Besonders auffällig dabei: Genau die Hälfte aller Gegentreffer fallen nach Standardsituationen. Die große Stärke der Lilien in der Offensive, auch dort fielen 50 Prozent aller Tore nach ruhendem Ball, ist gleichzeitig auch die größte Schwäche.

"Das ist ein großes Thema. Wir trainieren das, wir besprechen das", bemängelte Trainer Anfang. "Und dann klären wir sie meistens auch noch ins eigene Tor." Zum Jahresauftakt in Bochum traf Tobias Kempe nach einem Freistoß des Gegners ins eigene Netz, gegen Kiel unterlief dieses Missgeschick Immanuel Höhn. Alles nur Pech also? Das wäre zu einfach.

Anfang ruft Endspiele aus

Zwar gehört zur ganzen Wahrheit auch dazu, dass die Lilien immer wieder Verletzte zu beklagen hatten und auf einige Leistungsträger verzichten mussten. So fehlt etwa Mittelfeld-Anführer Victor Palsson aufgrund einer Handverletzung seit Anfang November, Kapitän Fabian Holland lag zwischenzeitlich mit dem Coronavirus flach, zuletzt fiel Toptorjäger und Lebensversicherung Serdar Dursun mit einem Muskelfaserriss aus. Die spielerische Entwicklung ist aber auch rückläufig.

Nach starken Partien zu Beginn der Saison, als lediglich die Ergebnisse nicht stimmten, waren die jüngsten Niederlagen gegen Hannover 96 (1:2), in Heidenheim (0:3) und gegen Kiel allesamt hochverdient. Die Lilien haben sich die Pleiten-Serie selbst zuzuschreiben und taumeln derzeit in Richtung Abstiegszone. Um den Worst Case zu verhindern, muss in der Rückrunde eine gewaltige Steigerung her. "Wir haben jetzt 17 Schlüsselspiele und müssen alles tun, um endlich Punkte zu holen", rief Coach Anfang ab jetzt Endspiele aus.

Darmstadt 98 kann keine Hinrunde

Etwas Hoffnung, und das ist gleichzeitig ein gutes und ein schlechtes Zeichen, macht aktuell wohl nur die Statistik. Wie auch Anfang am Sonntag noch einmal betonte, ist eine schwache Hinrunde in Darmstadt nämlich schon fast Tradition. In den vergangenen drei Spielzeiten sammelten die Lilien, die derzeit 18 Zähler auf dem Konto haben, in den ersten 17 Spielen 18, 20 und 19 Punkte. "Es ist hier ja irgendwie verankert, dass es in der Hinrunde nicht läuft", so Anfang. Abgestiegen ist Darmstadt 98 bislang trotzdem nie.