Immanuel Höhn (li.) und Felix Platte bejubeln das Darmstädter 2:0 gegen Heidenheim.

Erst die Abstiegsangst, dann das Trainer-Chaos und jetzt träumt der SV Darmstadt 98 wieder von der Bundesliga. Naja, nicht wirklich. Das machen am Böllenfalltor nur die anderen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Stell dir vor, du steigst auf..." - Darmstadt 98 nach dem Sieg gegen Heidenheim

Dimitrios Grammozis
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Wie heißt es so schön? Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Heute bist du der Depp, morgen gefeierter Star, und übermorgen stehst du ohne Job auf der Straße. Der Boulevard befeuern solche Helden- und Versager-Storys natürlich gern. Wie absurd das manchmal anmuten kann, hat der SV Darmstadt dieser Tage aufgezeigt.

Der Zweitligist stellte zwei Facebook-Posts des SV98-Accounts der Bild-Zeitung nebeneinander. Die fragte vergangenen Donnerstag nämlich noch "Stürzt Darmstadt jetzt wieder ins Abstiegs-Chaos?", um am Sonntag nach dem 2:0-Erfolg gegen Heidenheim hinterherzuschieben: "Nur 6 Punkte hinter Platz 3 – Kann Darmstadt jetzt aufsteigen?". Wie gesagt, es geht schnell im Fußball.

Keine Kampfansagen

Bei allem Spott ist die Frage der Springer-Kollegen nach dem Aufstieg nicht ganz unberechtigt. Immerhin hat die Mannschaft der Stunde seit neun Spielen nicht verloren und nach dem vierten Sieg in Folge nur noch sechs Punkte auf Relegationsplatz drei. Den hat zehn Spieltage vor Schluss der Hamburger SV inne. Ein Verein, der nicht nur in den vergangenen Wochen, sondern seit Jahren ein ziemlich großes Problem mit seiner Beständigkeit aufweist. Die nachfolgenden Teams aus Heidenheim, Fürth und eben Darmstadt haben auf dem Papier noch alle Möglichkeiten.

Zeit für Kampfansagen? Wohl kaum. Für den im Sommer scheidenden Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis war es am Wochenende das Wichtigste zu sehen, "dass Karlsruhe nicht gepunktet hat". Zur Einordnung: Der KSC steht auf Rang 16 mit nunmehr elf Punkten Rückstand auf Darmstadt und müsste Stand jetzt in die Relegation gegen den Abstieg.

Besser waren die Lilien nur im Aufstiegsjahr

Die Prioritäten am Böllenfalltor liegen nach außen hin klar auf dem Klassenerhalt. Angesichts der ungeklärten Trainerfrage, die von allen Beteiligten ganz unaufgeregt wegmoderiert wird, ist das auch kein Wunder. Warum sollte Grammozis etwas ändern? Und warum sollten die Lilien plötzlich den Lautsprecher geben, nachdem in der vergangenen Woche ja zumindest im medialen Umfeld noch die Abstiegsangst umging?

"Wir sind auf einem wirklich guten Weg und wollen unseren Lauf so gut es geht auch fortführen", sagte Yannick Stark nach dem Heidenheim-Sieg. Der SV98 steht nun bei 35 Punkten nach 24 Spielen, besser war der Verein letztmals in der Saison 2014/15, wie das Darmstädter Echo am Dienstag nach einem Blick ins Archiv anmerkte.

Jenen, die auf ein neues südhessisches Fußball-Märchen hoffen, entgegnete Stark: "Man sollte weiterhin vorsichtig sein und auch die Kirche im Dorf lassen." Der Mittelfeldspieler weiß: Es kann schon bald wieder ganz anders aussehen.