Dirk Schuster und Aytac Sulu von Darmstadt 98
Nach dem Abgang von Aytac Sulu (re.) wartet jede Menge Arbeit auf Dirk Schuster. Bild © Imago

Der Abschied von Aytac Sulu hat Darmstadt 98 erschüttert und die ohnehin massiven Probleme verschärft. Trainer Dirk Schuster muss mitten in der Vorbereitung mehrere neue Baustellen beackern.

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Dirk Schuster

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Heftige Erdstöße sind in Südhessen keine Seltenheit. Etwa fünf bis sechsmal im Jahr, so sagt es das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, wackelt in der Region rund um Darmstadt der Boden. Eine solch massive Erschütterungswelle wie am vergangenen Freitag am Böllenfalltor hat es aber wohl lange nicht gegeben. Der überraschende Abschied von Aytac Sulu in Richtung 3. türkische Liga hat Darmstadt 98 in den Grundfesten erschüttert. Gleich an mehreren Stellen klafft eine riesige Lücke.

Sulu-Abschied trifft Lilien unvorbereitet

"Er war ein unverzichtbarer Bestandteil, er war unser Leader", sagte Dirk Schuster, der Leiter der Darmstädter Aufräumarbeiten, am Dienstag im Trainingslager dem hr-sport. Der Lilien-Seismograph hat voll ausgeschlagen, eine Vorwarnung für das von Sulu ausgelöste Erdbeben gab es nicht. "Das war eine Hoppla-Hopp-Geschichte."

Der Wechselwunsch erfolgte am vergangenen Donnerstag, keine 24 Stunden später war der Abschied perfekt und die Lilien-Welt eine andere. "Ein großer Schock. Das tut uns sehr weh", fasste Torhüter Daniel Heuer Fernandes die Ereignisse zusammen.

Schuster muss mehrere Jobs neu vergeben

Exakt zwei Wochen vor dem Rückrundenauftakt gegen den FC St. Pauli steht Darmstadt 98 ohne Abwehrchef, Kapitän und den wichtigsten Führungsspieler da. All jene Aufgaben, die Sulu in den vergangenen sechs Jahren in Personalunion erledigte, müssen nun möglichst schnell aufgeteilt und neu vergeben werden. "In die Lücke, die Aytac als Spieler und Mensch hinterlassen hat, müssen jetzt alle hineinspringen", forderte Trainer Schuster.

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Daniel Heuer Fernandes

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Den Job des Spielführers wird er intern ausschreiben, die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Als Favorit auf die Binde gelten Fabian Holland und Tobias Kempe. Aber auch Keeper Heuer Fernandes, Marcel Heller oder Neuzugang Victor Palsson müssen nun dauerhaft auf und neben dem Platz vorangehen.

Noch komplizierter wird es im sportlichen Bereich, dort sind die Lilien auf externe Hilfe angewiesen.

Sorgenkind Lilien-Defensive

Mit Immanuel Höhn und Marcel Franke stehen nur noch zwei gelernte Innenverteidiger im Kader. Die ohnehin – und auch in Anwesenheit von Sulu – extrem wacklige Abwehr wurde weiter geschwächt. Mit 33 Gegentoren stellen die Lilien die drittschwächste Defensive der Liga, nur der Vorletzte Magdeburg und Schlusslicht Ingolstadt waren noch großzügiger. "Das war unser großes Manko", so Schuster. "Wenn jetzt auch noch Aytac weg ist, müssen wir da dringend was machen." Heißt: Ein hochkarätiger Neuer muss her.

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Dirk Schuster

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Die sportliche Qualität von Sulu, auch das ist Teil der Wahrheit, hat in den vergangenen Wochen zwar deutlich nachgelassen. Die Suche nach einem adäquaten Ersatz wird dennoch sehr schwierig. Erschwingliche Profis mit Qualität sind rar, der Transfermarkt in der Winterpause traditionell noch umkämpfter als im Sommer. "Alle wollen ihre guten Spieler behalten", so Schuster. Erste Sondierungsgespräche mit möglichen Kandidaten habe es bereits gegeben, bis zur Unterschrift wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Problem dabei: Die Zeit drängt.

"Es wäre schon gut, wenn der Neue bis zum ersten Punktspiel ein paar Einheiten absolvieren könnte", so Schuster. Je schneller Vollzug vermeldet werden kann, desto besser. "Wir sind uns einig, dass wir die Lücke schnellstmöglich schließen müssen. Zur Not müssen wir richtig Geld in die Hand nehmen." Billig war so ein Wiederaufbau eben noch nie.