Marvin Mehlem und Manuel Schäffler

Der SV Darmstadt 98 kann und will keine Rücksicht auf den abstiegsbedrohten SV Wehen Wiesbaden nehmen und würde den Nachbarn zur Not auch in die 3. Liga schießen. Herzschmerz gibt es aus anderen Gründen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found SVWW vor Abstiegsendspiel in Darmstadt: "Wir haben den Glauben noch"

Rüdiger Rehm
Ende des Audiobeitrags

Das hessische Nachbarschaftsduell zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem SV Wehen Wiesbaden ist schon im Vorfeld ein Fest für Freunde von Alliterationen. Da der SVWW als Vorletzter kurz vor dem Abstieg steht und die Lilien als Fünfter die Zweitliga-Saison bereits abhaken können, fragen sich viele: Leisten die Lustlos-Lilien unfreiwillige Hessen-Hilfe und sorgen so für ein Wiesbadener Wunder? Sprich: Besteht die Gefahr, dass die Darmstädter das Spiel nicht mehr allzu ernst nehmen und somit aktiv in den Abstiegskampf eingreifen? Stichwort: Wettbewerbsverzerrung.

Lilien kennen kein Mitleid

Ein Gedankenspiel, dem Trainer Dimitrios Grammozis am Samstag prompt einen Riegel vorschob. Der Aufstieg ist für die Darmstädter zwar auch rechnerisch nicht mehr möglich, von verfrühter Urlaubsstimmung seien die fünftplatzierten Südhessen aber noch weit entfernt: "Wir sind alles Vollprofis und werden zu keiner Zeit irgendein Spiel auf irgendeine Art und Weise herschenken", so Grammozis. "Wir wollen niemanden unterstützen oder jemandem einen reindrücken. Es gibt aber keine Geschenke."

Deutliche Worte, klare Botschaft: Auf Nachbarschaftshilfe dürfen die Gäste aus Wiesbaden, die zwei Punkte hinter Relegationsplatz 16 und dem Karlsruher SC liegen, nicht hoffen. Sollte das Team von Trainer Rüdiger Rehm am Sonntag (15.30 Uhr) nicht über ein Remis hinauskommen und der KSC zeitgleich den bereits feststehenden Meister aus Bielefeld besiegen, wäre der Abstieg nach nur einem Jahr Zweitklassigkeit besiegelt. Von zwei hessischen Teams im Fußball-Unterhaus bliebe nur noch eins übrig. "Wir bereiten uns normal vor. Nicht mehr, und nicht weniger", betonte Grammozis emotionslos.

Liebeserkärung ans Bölle

Für deutlich mehr Gefühlsregungen sorgt bei dem 41-Jährigen hingegen sein bevorstehendes Abschiedsspiel vor leeren Rängen. Grammozis, der sich mit den Lilien nicht auf eine Verlängerung seines Vertrags einigen konnte, geht in seine letzten beiden Spiele als Darmstädter Trainer. Nach dem Duell gegen den SVWW wird er das Stadion am Böllenfalltor zukünftig nur noch als Zuschauer oder Gegner betreten. "Es ist schon schade, dass ich diese Atmosphäre nicht noch einmal aufsagen kann. Die Heimspiele waren immer ein Highlight, ich habe mich ins Bölle verliebt." Die Trennung ist dennoch beschlossene Sache.

Und so könnte es am Sonntag gleich auf beiden Seiten Tränen und Trauer geben. Bei Grammozis, weil seine Zeit in Darmstadt zu Ende geht. "Klar werden da Emotionen hochkochen." Und beim SVWW, weil der Gang in die 3. Liga nicht mehr zu verhindern sein könnte. Kurzum: Uns erwartet ein Abschieds-Abstiegs-Ausnahmezustand.