Die Fans des SV Darmstadt 98 verabschieden sich am Samstag von der Gegengerade.
Die Fans des SV Darmstadt 98 verabschieden sich am Samstag von der Gegengerade. Bild © Imago

Der personell geplagte SV Darmstadt 98 weiß nicht so recht, was ihn gegen den FC Ingolstadt mit neuem Trainer erwartet. Das tabellarisch mausgraue Duell bekommt für die Anhänger aber aus einem anderen Grund einen emotionalen Touch.

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Böllenfalltor Stadion Flutlicht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darmstadt 98: "Die Fans sind wehmütig"

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Temperaturen zwischen vier bis acht Grad, nass - und tabellarisch wenig attraktiv: Das Duell zwischen dem auf Rang zwölf stehenden SV Darmstadt 98 und Schlusslicht FC Ingolstadt lädt nicht unbedingt zu einem Besuch des Böllenfalltors ein - zumindest auf den ersten Blick. Denn es lockt ein besonderes Ereignis: Die Lilien verabschieden sich nach dem Spiel am Samstag (13 Uhr) von der zwölf Meter hohen Gegengerade. Mit ihren 66 Betonstufe, jede einzelne 300 Kilogramm schwer, hat sie einen Gegenpart zu den modernen Arenen geboten. Am Montag startet der Abriss.

Wehmut bei den Fans

"Die Fans sind wehmütig. Die Gegengerade ist ein großes Stück Geschichte, ein Kultobjekt. Da verschwindet ein ganz großes Stück Tradition von uns", bedauerte Fabian Ortkamp, Büroleiter der Fan- und Förderabteilung, im Gespräch mit dem hr-sport. "Wenn es geregnet hat, wurde man im Herbst oder Frühjahr zwar nass, und im Sommer bekam man einen Sonnenbrand. Das haben die Fans in den vergangenen 40 bis 50 Jahren aber gerne in Kauf genommen."

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Die Lilien-Fans werden das letzte Mal auf der alten Gegentribüne stehen dürfen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darmstadt 98: Komplette Gegentribüne am Samstag in blau-weiß

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Die auf Kriegsschutt errichtete Gegengerade besteht, bis auf einige später im Gästeblock montierte Sitzschalen, nur aus Stehplätzen. Die letzte Tribüne ohne Dach in den beiden obersten Spielklassen ist ab Montag endgültig Geschichte. Die Fans haben bis dahin noch die Möglichkeit, sich mit Erinnerungsstücken einzudecken: Sie können Wellenbrecher oder Betonstufen käuflich erwerben.

Schuster zwischen Nostalgie und Personalproblemen

Für die Anhänger der Lilien kündigte Geschäftsführer Michael Weilguny für den letzten Tag der Gegentribüne eine spezielle Aktion an: "Die Gästefans werden auf der Nordtribüne Platz nehmen. Wir werden eine Blau-Weiße Wand gegen Ingolstadt haben." Auch an Trainer Dirk Schuster geht dieser Moment nicht spurlos vorbei: "Die Gegengerade hat uns in vielen Situationen in der Vergangenheit immer wieder gepusht und unterstützt. Da hat man als Trainer schon mal Gänsehaut gehabt."

Fernab dieser nostalgischen Gedanken muss Schuster ganz konkrete Antworten auf personelle Fragen finden. Abwehrchef und Kapitän Aytac Sulu fehlt in der Partie wegen der fünften Gelben Karte. Der Einsatz von Innenverteidiger Marcel Franke ist wegen einer Wadenverletzung ebenso fraglich wie das Mitwirken des defensiven Mittelfeldspielers Slobodan Medojevic, der Adduktorenprobleme hat. Für Sulu soll Immanuel Höhn zum Einsatz kommen.

Die voraussichtliche Aufstellung der Lilien gegen Ingolstadt
Bild © hr

Ingolstadt mit neuem Trainer an der Seitenlinie

Sollte jedoch Franke auch noch ausfallen, werde es eng, sagte Lilien-Trainer Dirk Schuster am Donnerstag. Mögliche Ersatzkandidaten wären Tim Rieder, der zuletzt als Rechtsverteidiger gesetzt war, und Wilson Kamavuaka, der aber eher defensiver Mittelfeldspieler ist. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kommt Ingolstadt mit dem neuen Trainer Jens Keller nach Darmstadt. Dieser habe vergangenen Woche bis auf eine Einheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren lassen, sagte Schuster. "Da erschließt sich für uns nicht so richtig, was er vorhat."