Tobias Kempe

Mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung schlägt der SV Darmstadt 98 Dynamo Dresden. Held des Tages ist Tobias Kempe dank seiner "Genialität und Verrücktheit".

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Ein Spielverlauf wie jener des SV Darmstadt 98 gegen Dynamo Dresden ist ja prädestiniert für eine krachende Heimniederlage. Gerade acht Minuten waren in einer ohnehin schon hitzigen Partie gespielt, als Fabian Schnellhardt mit sehr hohem Bein zum Ball ging – und Ex-Lilie Yannick Stark voll im Gesicht erwischte. Die Entscheidung war klar: Rote Karte. Und die Lilien sahen einer knapp 80-minütigen Unterzahl gegen giftige Dresdner entgegen.

Dass jene knapp 80 Minuten später die Lilien vor ihren Fans feiern durften, hatte an diesem Sonntag zwei Gründe: Einerseits eine aufopferungsvolle Lilien-Mannschaft, die entschlossen in die Zweikämpfe ging, kompakt verteidigte und jederzeit bereit war, Schnellhardts Fehlen durch einen eigenen Sprint wettzumachen. "Ich muss den Hut vor meiner Mannschaft ziehen", sagte ein sichtlich stolzer Trainer Torsten Lieberknecht nach der Partie. "Wir haben nicht nur sehr gut verteidigt, wir hatten in Unterzahl auch die besseren Torchancen. Wir haben viele Körner auf dem Platz gelassen. Das war die pure Freude."

"Das ist seine Genialität und Verrücktheit"

Und andererseits ein Geniestreich eines Tobias Kempe, der in seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison direkt einen Freistoßtreffer Marke Tor des Monats auspackte. Als alle mit einer Flanke rechneten, jagte Kempe den Ball von Halbrechts aus knapp 25 Metern Entfernung in den linken Winkel der Dresdner. Ein kollektiver Aufschrei ging durchs "Bölle".

Nur wenige Minuten nach dem Platzverweis kam Kempes Hallo-wach-Kracher zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt. "Ich habe mich sehr für Tobi gefreut. Dass er den da hinten in den Knick haut, ist seine Genialität und Verrücktheit", so Lieberknecht, der wusste: "Das war ein mental wichtiger Moment." Denn plötzlich hatten die dezimierten Lilien drei Punkte zu verlieren – und schienen noch einmal engagierter zu Werke zu gehen.

"Ich kann die Dinger. Ich hab einfach draufgehauen"

"Wer mich kennt, der weiß: Ich kann die Dinger. Ich hab einfach draufgehauen", sagte Kempe nach Abpfiff lapidar, er stellte lieber die kämpferische Leistung des Teams in den Vordergrund. "Wie die Jungs heute gekämpft haben, war geil." Nach schwieriger Vorbereitung und vielen Bankplätzen zu Saisonbeginn scheint sich Kempe nun wieder unverzichtbar zu machen. Auch in der Vorwoche in Rostock hatte er bereits getroffen, auch wenn das Spiel verloren ging.

"Tobi hat eine bescheidene Vorbereitung gehabt und hat sich da rausgekämpft", sagte Lieberknecht nach der Partie. "Er war jetzt dran." Gegen Dresden gelang den Lilien also, was Kempe im bisherigen Saisonverlauf schaffte: Sich aus einer schwierigen Situation herausarbeiten und dann glänzen.