Lilien-Trainer Markus Anfang im Stadion am Böllenfalltor

Der neue Lilien-Coach Markus Anfang hat schon einige Trainerstationen hinter sich. Im Interview mit dem hr-sport spricht er über seinen Rauswurf in Köln und seine Lernkurve als Trainer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anfang: "Waren dazu verdonnert, Spiele zu gewinnen"

Lilien-Trainer Markus Anfang bei seiner Vorstllung
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Markus Anfang ist der neue starke Mann an der Seitenlinie des SV Darmstadt 98. Beim Zweitligisten tritt der 46-Jährige ein schweres Erbe an. Vorgänger Dimitrios Grammozis hatte die Lilien in der abgelaufenen Saison auf einen starken fünften Platz geführt. Anfang muss wegen der Coronakrise nun mit weniger Geld und weniger Personal an die erfolgreiche Saison anknüpfen. Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen wir über seine vergangenen Stationen, über Motivation und über Weihnachtsgeschenke. Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.

hessenschau.de: Herr Anfang, bei ihrer vorherigen Trainer-Station, beim 1. FC Köln, mussten Sie kurz vor Saisonende gehen, obwohl Sie Tabellenführer der 2. Bundesliga waren. Wie bitter ist das für einen gebürtigen Kölner?

Markus Anfang: So wie ich in Kiel, in Leverkusen und bei Kapellen-Erft, wo meine Trainer-Karriere begonnen hat, tolle Erfahrungen gemacht habe, habe ich auch in Köln tolle Erfahrungen gemacht. Aber das ist erledigt. Das war ein Teil meiner Karriere, der halt so gelaufen und ganz besonders geendet ist. Ich denke aber nicht mit Verbitterung an die Zeit zurück, im Gegenteil. Die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, haben wir nachhaltig erreicht. Sonst wäre der 1. FC Köln nicht in der Bundesliga. Klar reflektiere ich, aber dass ich da jetzt extra lange drüber nachdenke? Nein.

hessenschau.de: Arbeitet es sich bei einem Verein wie Kiel leichter als in Köln, weil es familiärer zugeht?

Anfang: Nein. Man kann nicht von leicht oder schwer sprechen, sondern immer nur von anders. Jeder Verein hat seine Tradition und wird daran gemessen. Das kann etwas Positives sein, aber auch etwas Belastendes. In Köln hatte man viele Abläufe, die sehr familiär waren. Aber weil es eine große Medienstadt ist, dringt das vielleicht nicht so nach draußen. Im Umgang mit der Mannschaft und den Mitarbeitern habe ich aber keine Unterschiede empfunden. Ich möchte gerne ein Beispiel nennen…

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anfang: "Das kann was Positives, aber auch was Belastendes sein"

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hessenschau.de: Schießen Sie los.

Anfang: In Kiel haben wir zu Weihnachten immer eine Karte und ein paar Pralinen gekauft. Die haben wir jedem Mitarbeiter auf den Schreibtisch gelegt. Das haben wir in Köln auch gemacht. Und die Mitarbeiter haben sich alle bei uns sehr herzlich und aufrichtig bedankt. In Kiel und in Köln.

hessenschau.de: Die Lilien-Angestellten freuen sich bestimmt jetzt schon. Bleibt die Frage: Wie, glauben Sie, werden Sie von den Fans in Darmstadt aufgenommen - gibt es vielleicht Vorurteile, weil Sie eben als Tabellenführer in Köln gehen mussten?

Anfang: Ich gehe da ganz unbedarft ran. Jeder hat das Recht auf seine Meinung und kann die im Laufe der Zeit ja auch revidieren. Ich habe hier aber eher das Gefühl, dass das positiv aufgefasst wurde bis dato.

hessenschau.de: Müssen Sie sich in Darmstadt beweisen?

Anfang: Jeder hat für sich eine Motivation. Du willst versuchen, den Jungs zu helfen. Auf dem Platz und außerhalb des Platzes. Ich weiß nicht, ob man das "beweisen" nennt, aber die Motivation, erfolgreich zu arbeiten, die habe ich sowieso.

hessenschau.de: Sie haben jüngst gesagt, dass Sie in Köln zu oft auf Sieg gespielt haben, in Kiel vielleicht zu selten. In welche Richtung tendieren sie künftig?

Anfang: In Köln waren wir einfach dazu verdonnert, Spiele zu gewinnen. Ein Unentschieden oder knapper Sieg haben nicht gereicht. Und in Kiel war es eher so, dass du dich immer gefragt hast, wie viel du noch riskierst oder ob der Punkt nicht doch reicht. Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir in Darmstadt jetzt eine Balance finden, wann wir Risiko gehen und wann wir wieder etwas Risiko herausnehmen. Ich bin sicher, dass ich mich da auch als Trainer noch weiterentwickeln kann.

hessenschau.de: Auf welche Art von Fußball können sich die Lilien-Fans einstellen?

Anfang: Der orientiert sich am verfügbaren Kader und den Spielern. Ich werde alles dafür tun, dass wir immer in der Lage sind, Lösungen nach vorne zu haben, und dass wir in der Lage sind, gut gegen den Ball zu arbeiten. Die Lösungen haben wir parat. An der Umsetzung müssen wir jetzt arbeiten.

Das Gespräch führte Gerald Schäfer.